Anthony Trollope

Die Claverings

Roman
Cover: Die Claverings
Manesse Verlag, Zürich 2007
ISBN 9783717521389
Gebunden, 896 Seiten, 26,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Andrea Ott. Die blutjunge, temperamentvolle Julia gibt sich keinerlei Illusionen hin. Harry Clavering, ihr glühender Verehrer, dem durchaus ihr Herz gehört, ist der Sohn eines Landpfarrers, zwar mit vornehmer Verwandtschaft, aber ohne Aussicht auf ein nennenswertes Vermögen. So heiratet Julia wild entschlossen statt seiner einen steinreichen, aber liederlichen, trunksüchtigen Adligen. Harry findet schon bald Trost für sein vermeintlich auf ewig gebrochenes Herz. Doch als Julia nach einjähriger Ehehölle unversehens als vermögende Witwe wieder in England auftaucht, droht alles aus den Fugen zu geraten. Mit profunder Menschenkenntnis und einem kräftigen Schuss Ironie schildert Trollope Leben und Treiben des Clavering-Clans. Seinen Protagonisten blickt er so tief ins Herz, dass man sie am Ende zu kennen glaubt, als sei man selbst Teil der Familie. In pointierten, urkomischen Dialogen gewinnen auch Nebenfiguren ein markantes Profil. Dem wankelmütigen Liebhaber Harry Clavering widmet sich Trollope mit besonders innigem Spott. So entstand das gewinnende Porträt eines sympathischen, doch zwischen zwei starken Frauen mitunter sehr unheroischen Helden, der mit seiner Unberechenbarkeit in Liebesdingen den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2008

Mit einer gehörigen Portion Unverständnis reagiert Susanne Ostwald auf diesen Band. Sie will nicht bestreiten, dass Anthony Trollope ein unterschätzter Autor ist, der noch dazu in Deutschland die längste Zeit weitgehend unübersetzt war. Umso verdienstvoller, betont sie, sind die zwei bisherigen Manesse-Bände mit Erstübersetzungen von "Septimus Harding" und "Die Türme von Barchester" - die den Autor als überaus beachtlichen Romancier auswiesen. Ähnliches, meint Ostwald, ließe sich allein nach Lektüre dieses einige Jahre später verfassten Werks nicht behaupten. Ganz klar zeige sich daran, dass Trollope doch, wie das Klischee es immer schon will, ein "Vielschreiber" gewesen ist, dem die Handlungsklischees nur so aus der Feder flossen. Allzu oberflächlich und konventionell bleibe denn auch die Geschichte der "Claverings", in der es um die Konsequenzen einer Geldheirat geht. Nicht einmal der Verfasser des Nachworts mache aus der minderen Qualität dieses Romans den geringsten Hehl. Und da fragt sich die Rezensentin nach 900 offenkundig nicht rasend interessanten Seiten schon, ob unter den insgesamt 47 Romanen des Autors nicht eventuell noch ein paar übersetzenswertere gewesen wären.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007

Man kann wohl behaupten, dass Paul Ingendaay Anthony Trollope sehr schätzt. "Je nach Lebenserwartung" empfiehlt er jedenfalls den Konsum von fünfzehn bis dreißig Werken des unermüdlichen Schriftstellers der viktorianischen Zeit. Vor allem der weiblichen Figuren wegen, von denen sich in den erstmals auf Deutsch übersetzten "Claverings" einige besonders herausragende Exemplare tummeln. Julia Brabazon jedenfalls ist nach Meinung des Rezensenten eines der "charaktervollsten gebrochenen Geschöpfe" von Trollope, und ihre Schwester Hermione Clavering müsse die wohl schrecklichste Trollope-Ehe überhaupt erleiden. Lauter Superlative also, aber auch ein Porträt des Landadels und des Bürgertums, dazu der gewohnte Detailreichtum und die genau beobachteten psychologischen Prozesse. Gekrönt von Andrea Otts Übertragung in "schönes, bewegliches Deutsch".
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