Die Metapher, das wichtigste technische Instrument der alten Rhetorik, hat auch nach dem Verblassen des terminologischen Bezugsrahmens der Rhetorik an Bedeutung nicht verloren. Eher könnte man sagen, dass die in den diskursiven disziplinären Nachfolgeformationen der Rhetorik aus dem Blick geratene, tiefer gelegte Rolle des rhetorischen Apparats in der Metapher virulent und fassbar geblieben ist. Die falsche Wahrnehmung, die mit der Rhetorik überwundene Episteme signalisiere in der Metapher ihr uneigentliches, nur mehr ästhetisches Fortwirken und darin einen unaufgeklärten Rest und Bedarf an Wissen, macht eine Bestandsaufnahme der Verlegenheitslösungen nötig, die unter dem Namen Metapher im Raume stehen geblieben sind. Dabei ist das ästhetische Missverständnis der Metapher von den darin schlecht aufgehobenen philosophischen Verlegenheiten der Ästhetik auseinanderzuhalten. In der Verkennungsgeschichte, die das ästhetische Paradox der Metapher begleitet, entzieht sich die Ästhetik der Geschichte ihrer Begriffe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.07.2007
Bemerkenswert scheint Ralf Konersmann diese Studie über die Metapher, die Anselm Haverkamp vorgelegt hat. Im Mittelpunkt sieht er dabei die Frage nach dem Verhältnis von Metapher und der mit Begriffen arbeitenden Vernunft. Zudem gehe es um den Effekt der Metapher, den Raum des begrifflich Sagbaren zu überschreiten. Er attestiert dem Autor eine aufwendige Rekonstruktion der Ästhetik der Metapher von Aristoteles und Quintilian bis Derrida und Ricuur, die die unterschiedlichen Positionen prägnant zu formulieren versucht. Kritisch betrachtet Kontermann den Verzicht auf anschauliche Beispieles sowie das "unmotivierte" "ideologiekritische Gepolter", mit dem Haverkamp über die philosophische Begriffsgeschichte herfalle.
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