C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406851247 Gebunden, 205 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Thüringen, 1995. Auf einem verlassenen Bahnhof wächst Leni mit ihren fünf Geschwistern auf. Seit sie denken kann, spürt sie, dass etwas in ihrer Familie nicht stimmt. Als junge Frau macht sie sich auf die Suche nach dem Geheimnis, das ihr Leben prägt. Im Zentrum steht ihre Schwester Lori und die Frage, was mit ihr geschah. Die Suche nach Antworten führt sie bis in die frühen siebziger Jahre der DDR zurück. Anousch Muellers Roman "Lori" erzählt von einer Familie, die an den politischen Verwerfungen ihrer Zeit zu zerbrechen droht und von den Nachwirkungen des Unausgesprochenen, die sich durch die Generation der Kinder ziehen. Mueller erzählt eine Geschichte über Schuld und Verdrängung - und über den tastenden Versuch, Wahrheit zuzulassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.07.2026
Rezensent Tobias Rüther staunt über die Dichte von Anousch Muellers Roman und möchte ihn bewusst nicht nur im Vergleich mit anderen DDR-Romanen von Jungautoren lesen, die es aktuell wieder vermehrt gibt. Denn abgesehen davon, dass der Roman immerhin schon 13 Jahre (also lange vor anderen betreffenden Erscheinungen) in Arbeit war - hauptsächlich wegen der Geburt ihres zweiten Kindes, erfährt Rüther im Gespräch mit der Autorin -, macht Mueller hier doch auch etwas ganz Eigenes, das über die reine DDR-Aufarbeitung und Familientraumata hinausgeht, findet Rüther: Die Geschichte erzähle zwar auf autobiografischer Basis von der Beziehung der Hauptfigur Leni zu einem ehemaligen Stasi-Mann, eröffne darüber hinaus aber Fragen zum Nachleben von Geschichte generell, zum Schließen und Erinnern von Lücken. Besonders, wie Mueller hier das "Planieren" von DDR-Architektur, zum Beispiel der Stadtpromenade in Cottbus, mit mangelnder Erinnerungskultur verbindet, hält der Kritiker für eine originelle und gelungene Entscheidung in diesem auch sonst präzise erzählten Roman.
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