Annika Reich

34 Meter über dem Meer

Roman
Cover: 34 Meter über dem Meer
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 9783446238633
Gebunden, 266 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Ella und Horowitz könnten nicht unterschiedlicher sein: Ella, jung und verträumt, beginnt gerade ihren ersten Job bei einem Radiosender und hat sich zum ersten Mal verliebt - in Paul. Horowitz, alt und schrullig, ist gescheiterter Meeresforscher. Doch eines verbindet die beiden: Sie wünschen sich ein anderes Leben. Über eine merkwürdige Annonce treffen sie aufeinander: "6-Zimmer-Wohnung in Berlin-Charlottenburg zu tauschen gegen 2/3-Zimmer." Ella geht sofort auf das Angebot ein, und zögerlich beginnt sie, Paul in ihre Nähe zu lassen. Annika Reich erzählt mit Witz und Melancholie, mit Intelligenz und Intensität von der Unmöglichkeit, ein authentisches Leben zu führen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2012

Entzücken lassen hat sich Beatrice Eichmann-Leutenegger von Fantasiereichtum und Charme in Annika Reichs Roman "34 Meter über dem Meer". Die Figuren in Reichs Roman eint der dringende Wunsch, aus dem bisherigen Leben auszubrechen und Träume zu verwirklichen, erklärt die Rezensentin, die sich insbesondere in die Figur des alten Horowitz, in der Wissenschaft wie in der Liebe bislang gescheiterter Meeresforscher, verliebt hat. Auch wenn es in den Geschichten ihrer Protagonisten nicht immer psychologisch plausibel zugeht, manches etwas konstruiert wirkt und die Autorin auch durchaus kitschige Fügungen zulässt. Nur zu bereitwillig ist Eichmann-Leutenegger ihr auf den verschlungenen Wegen ihre Figuren gefolgt, und sie stimmt Reich auch aus vollem Herzen zu, dass das Leben Geschichten einfach nötig hat, um es zu "überstehen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2012

Könnte man Annika Reichs neuen Berlin-Roman "34 Meter über dem Meer" schlichtweg als "Wohlfühlliteratur" abtun, hätte Rezensent Oliver Jungen eigentlich nicht allzu viel auszusetzen. Vergnügt begleitet der Kritiker zunächst Reichs "niedlich verpeilte", mal zaghafte, mal ausgelassene "Holly Golightly"-Reinkarnation Ella Rot durch ihr abenteuerliches Leben in Berlin, das ihn meist allerdings mehr an französische Filme à la "Die fabelhafte Welt der Amelie" erinnert. Auch Ellas Begegnungen mit diversen kuriosen Gestalten und Reichs Idee, immer wieder das Meer als unendlichen Freiheitsraum in dem "betörend sinnlichen" Roman auftreten zu lassen, findet der Rezensent durchaus "charmant". Dass Reich allerdings die Figur des Horowitz, einem Geheimwissenschaftler und gescheiterten Genie, der auf der Suche nach der Weltformel ist, auftreten lässt und sich so bemüht, ihrem Roman den Anstrich von Intellektualität zu verleihen, erscheint Jungen einfach albern. Nach der Lektüre von all der "Wissenschafts-Clownerie" geht dem Rezensenten auch der anfängliche Zauber verloren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012

Kristina Maidt-Zinke ist geradezu froh, dass Annika Reich ihrer Heldin Ella, Radiojournalistin und Bewohnerin eines Mitte-Apartments in Berlin, den Meeresforscher Horowitz an die Seite gestellt hat, denn eine Szenefrau von ihrem Schlag ist für einen Roman dann doch nicht ausreichend, meint sie. Neigt die Autorin in den Passagen über "Metropolen-Probleme" zur Biederkeit, genießt die Rezensentin insbesondere die Teile der Geschichte, in denen der lebenskluge und vielleicht auch ein bisschen sonderliche Horowitz, der übrigens selbst nie bis zum Meer kam, seine Auftritte hat. Wenn dieser sich mit der Heldin auf einen Wohnungstausch einlässt, hätte sich Maidt-Zinke allerdings gewünscht, dessen museale, nach Art der Belle Epoque vollgestopfte Wohnung näher beschrieben zu bekommen, statt Ella beim Weintrinken oder bei "Degeto-Dialogen" mit ihrer älteren Schwester zuzusehen. Die Rezensentin spürt den Willen Reichs zur Leichtigkeit und Lockerheit, vermisst dabei aber auch ein wenig den Biss in diesem Roman, der für ihren Geschmack dann doch zu nett und putzig geraten ist, um wirklich zu überzeugen.
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