Wirtschaftswissenschaftler gelten nicht gerade als besonders aufregende Gestalten.Wer die Welt tagtäglich durch die Brille strikter ökonomischer Gesetze betrachtet, meint man, wird auch privat nüchtern und prosaisch sein. Größer kann ein Irrtum nicht sein, wie das Leben Joseph Alois Schumpeters zeigt. Die Theorien des 1883 in Österreich geborenen Ökonoms sind heute aktueller denn je. Schumpeter hat nicht nur die Welt der Wirtschaft aus den Angeln gehoben, er war auch eine äußerst schillernde Persönlichkeit. Sein Leben steckt voller Extreme und Gegensätze: glänzender Erfolg und katastrophale Pleiten, große Liebe und tiefer Schmerz, intellektuelle Brillanz und quälende Neurosen. Es ist die Geschichte eines Mannes, der über weite Strecken seines Lebens mit Frustration und Selbstzweifeln kämpfte und dennoch viele Kollegen in den Schatten stellte.
Erhellend scheint Robert Misik diese Biographie über den österreichischen Ökonomen Joseph A. Schumpeter (1883-1950), die Annette Schäfer vorgelegt hat. Er würdigt Schumpeter, Gegenspielspieler von John Maynard Keynes, als einen der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Eingehend referiert er dessen Leben und zentrale Ansichten, ohne näher auf Schäfers Buch selbst einzugehen. Besonders hebt er Schumpeters Ideal eines kreativen, willensstarken, praktischen "unternehmerischen Unternehmers" hervor, der die Wirtschaftswelt durch "schöpferische Zerstörung" permanent verändert. Zutreffend scheint ihm Schäfers Einschätzung, Schumpeters Ansehen sei in den vergangenen zwanzig Jahren wieder gestiegen, weil der Keynesianismus aus der Mode gekommen sei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008
Wer vor allem eine gute konventionelle Biografie über Joseph Schumpeter sucht, dem empfiehlt Nikolaus Piper die Arbeit von Richard Swedberg aus dem Jahr 1991. Annette Schäfer untersuche anhand privater Briefe, einer unveröffentlichten Autobiografie und eines ebenfalls Fragment gebliebenen Romans eher die Persönlichkeit des Ökonomen. Ihr Schluss ist klar: Schumpeter war schwer depressiv. Die Verbindungen, die Schäfer zwischen Schumpeters charakterlicher Disposition und seinen Theorien erkennt, hält Piper für ziemlich plausibel. Ebenso wie das Bild einer durch mehrere Schläge privater und beruflicher Art "gebrochenen Persönlichkeit", das Schäfer zeichnet. Pipers Fazit: eine "wichtige" Ergänzung der Literatur über den österreichischen Ökonomen, als Erstbuch aber nicht unbedingt zu empfehlen.
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