Max Taut gehört zu den herausragenden Vertretern des sachlichen Bauens im 20. Jahrhundert. Seine Büro- und Gewerkschaftsbauten der zwanziger Jahre wurden seinerzeit von der Kritik als Denkmäler des neuen Berlin gefeiert. Als Pionier des Rahmenbaus setzte er neue Maßstäbe für eine Architektur, deren Gestalt sich aus der konstruktiven Notwendigkeit ergibt. Mit seinen Gewerkschaftshäusern in Berlin und Frankfurt gelang es Max Taut zugleich, der sozialen Bewegung eine architektonische Identität zu verleihen. Die Kraft der Realisation hatte er schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg bewiesen - er schuf mit dem Grabmal Wissinger eines der bedeutendsten expressionistischen Zeugnisse. In diesem Buch werden das Leben und Werk des Architekten erstmals ausführlich und auf Grundlage neuester Materialien dargestellt. Sechs Jahrzehnte Architektur mit allen Entwicklungen vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit, von der nationalsozialistischen Gestaltkontrolle bis zur Nachkriegsarchitektur haben ihre Spuren im Werk Max Tauts hinterlassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.02.2004
Rudolf Maria Bergmann würdigt es immerhin als Verdienst der Autorin Annette Menting, dass sie mit dieser Monografie über Leben und Werk des 1967 gestorbenen Max Tauts, den Architekten aus den "Fußnoten" der Architekturgeschichte wieder in den Rang eines wichtigen Protagonisten der Moderne zu erheben. So rückt ihn der 178 Gebäude aufführenden Werkkatalog auch wieder in das ihm gebührende "Licht", bemerkt der Rezensent zufrieden, auch wenn er viel Kritisches zu dieser Monografie anzumerken hat. Insbesondere zum durchaus "pikanten" - sprich: anfechtbaren - Wirken von Max Taut während der Nazizeit gibt die Autorin nichts "Erhellendes" preist, moniert Bergmann, dem dieses Buch überhaupt viel zu tief im "Reich der uneingeschränkten Bewunderung" und in einem "raunenden Konjunktiv" wurzelt und zu wenig kritische Distanz hält. "Historisches Quellenstudium" und "kritische Analyse" dagegen gehören eindeutig nicht zu den Stärken dieses Buches, so der Rezensent unzufrieden, der es aber dennoch erfreulich findet, dass Max Taut mit diesem Band wieder ins allgemeine Bewusstsein gehoben wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.12.2003
Jürgen Tietz lobt diesen Band über den Architekten Max Taut als "erhellende Monographie", hat aber auch einige kritische Anmerkungen anzubringen. Zunächst begrüßt er es ausdrücklich, dass die Autorin Annette Menting, Architekturprofessorin in Leipzig, sich dem weniger bekannten Bruder Bruno Tauts so "ausführlich" gewidmet hat. Der Rezensent hebt Max Taut als wichtigen Architekten von Schul- und Gewerkschaftsgebäuden hervor, der seine bedeutendsten Bauwerke vor 1933 schuf. Wenn er es auch als "Verdienst" anerkennt, dass Menting mit ihrem Buch das Interesse und die Kenntnis dieses einflussreichen Architekten der Moderne neu belebt, findet er es um so bedauerlicher, dass sie dabei auf eine tiefergehende Analyse seiner Bauwerke verzichtet. Er hätte sich, wie er bekennt, gewünscht, dass die Autorin "öfter die rein beschreibende Ebene" bei der Erörterung der Gebäude verlassen hätte. Insbesondere in Hinsicht auf die "damalige Architektendiskussion" wäre eine "tiefer greifende Analyse und Bewertung" interessant gewesen, so der Rezensent etwas enttäuscht.
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