Als junger Augenarzt und Romancier kommt José Rizal 1886 nach Deutschland. Noch ist nicht abzusehen, dass er einmal Nationalheld der Philippinen werden wird. Der Archipel am Rand des Pazifiks ist eine Kolonie des Spanischen Weltreichs. Weil Rizal in Madrid mit liberalen Ideen hervorgetreten ist, warnt sein Bruder vor der Heimkehr nach Manila. Er empfiehlt die sichere Existenz in Deutschland. Aber er könne etwas für sein Volk tun: In Heidelberg und Leipzig übersetzt Rizal den "Wilhelm Tell" von Friedrich Schiller in seine Muttersprache Tagalog. Die Landschaft verschiebt sich: Auf einer tropischen Insel erheben sich die Alpen. Aus Protest gegen die Untaten Gesslers, gegen die Intriganz der katholischen Kirche werden diese Berge als Vulkane ausbrechen. Rizals Aufenthalt in Deutschland wird zu einer Reise des Übersetzens. Worte müssen gefunden werden in Tagalog, oder Analogien gebildet, wenn die Sachen nicht von einem Ort an den anderen verpflanzt werden können. Übersetzen wird zu einer Arbeit der Hoffnung, dass der Aufstand gegen die Kolonialherren kommt, und zur Entdeckung der Angst, dass Gewalt jede Ordnung vernichtet. Der historische José Rizal kehrt heim. Der Aufstand findet statt. Rizal wird 1896 in Manila wegen Anstiftung zur Rebellion und zum Verrat verurteilt und hingerichtet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2016
Rezensent Hans Christoph Buch freut sich über den Roman von Annette Hug. Die mit philippinischer Kultur und Sprache vertraute Autorin begibt sich darin auf die Spuren des philippinischen Nationaldichters José Rizal (1861-1896), der in Heidelberg Medizin studierte und in Berlin einen Roman schrieb, heute Pflichtlektüre an philippinischen Schulen, und "Wilhelm Tell" übersetzte. Wie sich Kultur in einem fremden Kontext entwickelt, macht die Autorin dem Rezensenten auf zweifache Weise deutlich. Indem sie Rizals verschlungenem Lebensweg folgt und indem sie laut Buch weder soziologisch noch historisch, sondern mitreißend sinnlich und literarisch in die Sprache, Kultur und Geschichte der Philippinen einführt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.05.2016
Rezensent Tobias Lehmkuhl ist fasziniert von Annette Hugs kleinem Roman über den philippinischen "Wilhelm Tell"-Übersetzer José Rizal. Dessen Zeit in Deutschland um 1886, das Überschneiden von ferner Heimat, Schweizer Freiheitskampf und deutscher Gegenwart in der Figur scheinen Lehmkuhl von der Aurtorin spannend arrangiert. Die Arbeit an der Sprache als revolutionärem Akt kann ihm Hug vermitteln. Und nicht zuletzt bekommt der Rezensent Gelegenheit, das Schillersche Drama noch einmal zu erleben in einer Prosa, die ihn mit Witz und Feinheit überzeugt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.04.2016
Knapp, aber begeistert bespricht Sabine Vogel Annette Hugs Roman "Wilhelm Tell in Manila", der von dem philippinischen Arzt und Schriftsteller Jose Rizal erzählt. Fasziniert liest die Rezensentin nach, wie der sprachbegabte Rizal Schillers "Wilhelm Tell" auf die Verhältnisse seiner kolonisierten Heimatinseln überträgt. Vor allem aber bewundert sie das Vermögen der Autorin mit besonderer Sprachverliebtheit von Rizals Suche nach Worten zu erzählen: So gerät dieser Roman zu einer beeindruckenden "linguistischen Exkursion" in den "Dschungel" der philippinischen Ursprache, schließt die Kritikerin.
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