Anne Tyler
Drei Tage im Juni
Roman

Kein und Aber Verlag, Zürich 2024
ISBN 9783036950402
Gebunden, 208 Seiten, 23,00 EUR
ISBN 9783036950402
Gebunden, 208 Seiten, 23,00 EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Michaela Grabinger. Drei Tage stehen an, in denen sich Gail und Max, beide Ende fünfzig und seit Längerem getrennt, anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Debbie zusammenfinden. Max reist, nichts ahnend von der Allergie des Bräutigams, überraschenderweise mit einer Katze an, weshalb er statt bei seiner Tochter bei Gail wohnen muss. Obwohl diese Vorstellung für Gail zunächst kaum auszuhalten ist, willigt sie ihrer Tochter zuliebe zähneknirschend ein. Doch schnell zeigt sich: Die alte Verbindung ist immer noch da. Gemeinsam müssen sie sich mit der Frage nach der Treue des Bräutigams auseinandersetzen, und damit, ob Vertrauen auch nach Jahren wiederhergestellt werden kann. Sie blicken aus belustigter Distanz auf die etwas zu traditionellen Feierlichkeiten, erinnern sich an Vergangenes und stellen sich Fragen nach der Zukunft - was hält das Leben noch für sie bereit?
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2025
Rezensentin Lerke von Saalfeld liebt die Romane der inzwischen 84-jährigen amerikanischen Schriftstellerin Anne Tyler, deren 25. Roman zunächst auf Deutsch, erst danach in den USA erschien. Einmal mehr besticht Tyler mit der "Leichthändigkeit und Grandezza", mit der sie den amerikanischen Mittelstand porträtiert, freut sich die Kritikerin, die hier Ich-Erzählerin Gail folgt, deren Tochter am Folgetag eine Hochzeit mit Hindernissen erleben wird: Gail verliert ihren Job, ihr Ex-Mann samt Katze steht plötzlich vor ihrer Haustür, Tochter Debbie erfährt am Tag der Hochzeit von der Affäre ihres Mannes, die Hochzeit findet dennoch statt und schließlich lässt Debbie gemeinsam mit ihrem Mann die eigene zurückliegende Ehe noch Revue passieren, resümiert die Rezensentin. Das Tyler auf "Aplomb" verzichtet und dafür auf Ruhe, feinsinnigen Humor und präzise Beobachtung ihrer Figuren setzt, macht für Saalfeld den besonderen Reiz dieses Romans aus.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 01.02.2025
Anne Tyler ist für Kritikerin Katharina Teutsch mit ihren Büchern für den "literarischen Jedermann" zuständig, so auch in ihrem neuen Buch, das die unscheinbare Protagonistin Gail in den Mittelpunkt stellt. Sie ist Lehrerin, eine Beförderung wird ihr verwehrt, sie lebt in ihrem kleinbürgerlichen Haus, im gleichen Stadtteil wie ihre Tochter, die vor der Frage steht, ob sie den Mann heiraten soll, der sie möglicherweise betrogen hat, erfahren wir. Plötzlich steht ihr Ex-Mann vor der Tür und wie beide sich an ihre neue Lebensrealität gewöhnen, schildert Tyler so interessiert und zugewandt, dass sich Teutsch dem Sog des Alltäglich-Amerikanischen kaum entziehen kann. Die Verhältnisse, die die Autorin beschreibt, lassen sich nämlich auch gut auf unser aller Alltag zwischen Konvention und Rebellion beziehen, schließt sie.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.11.2024
Rezensentin Sylvia Staude freut sich, mit Anne Tylers neuem Roman mal wieder hinter die Fassade ganz normaler Leute und ihrer Probleme schauen zu können: So nimmt etwa die Frage zentralen Raum ein, ob man heiraten sollte, selbst wenn ein Betrugsverdacht im Raum steht. Und die Protagonistin Gail muss kurzzeitig ihren Ex-Mann Max bei sich aufnehmen und erkennt, dass es ja auch ganz nett sein kann, mit jemandem zusammen zu sein, den man gut kennt, so Staude. Unter dem Alltagstrott wird mit all dem "realitätsnah Kleinteiligen", das Tyler beschreibt, eine Neugier auf das Mittelständisch-Menschliche bei der Kritikerin wach, was sie abschließend auf eine Fortsetzung hoffen lässt.
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