Anne Lipp

Meinungslenkung im Krieg

Kriegserfahrungen deutscher Soldaten und ihre Deutung 1914-1918
Cover: Meinungslenkung im Krieg
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2003
ISBN 9783525351406
Gebunden, 354 Seiten, 45,00 EUR

Klappentext

Der Erste Weltkrieg war nicht nur der erste Massen- und Materialkrieg, sondern auch der erste groß angelegte Versuch der Meinungslenkung und Meinungsführung durch staatliche und militärische Behörden. In der Armee entwickelte sich vor allem in der zweiten Kriegshälfte ein Diskurs, der darauf abzielte, der um sich greifenden Kriegsmüdigkeit gegenzusteuern und ihre Meinungsbildung zu beeinflussen. Anne Lipps Untersuchung dieses Diskurses zeigt, wie individuelle und kollektive Erfahrungen einfacher Soldaten reproduziert, umakzentuiert, verschwiegen oder erfunden wurden. Kurzfristig war dem Kriegsdiskurs nur ein geringer Erfolg beschieden, langfristig stellte er jedoch Begriffe und Bilder bereit, welche die Kommunikation über den Krieg vor allem in der Weimarer Republik nachhaltig prägten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2003

Michael Salewski ist nicht unzufrieden mit Anne Lipps Analyse der deutschen Armeezeitungen des Ersten Weltkriegs. Klar bestätige sie, dass das Bild einer "flächendeckenden Kriegsbegeisterung" für den August des Jahres 1914 nicht zutreffend sei. Vielmehr ginge es den "einfachen Soldaten" um die Behauptung dessen, "was man besaß", und nicht um den Drang etwas zu besitzen, "was einem nicht gehörte". Auch die angebliche "Konfrontation zwischen 'kämpfender Front' und 'Heimatfront'" vermag die Autorin als Chimäre zu enttarnen, schreibt der Rezensent. Dagegen stört er sich daran, dass Lipp in ihrem Buch das Wort "Heimatfront" vernachlässigt habe, obgleich es "zeitgenössisch von höchster Bedeutung" war. Deutlich werde aber wiederum, schreibt Salewski weiter, wie "die liebenden Väter und braven Männer" mitunter durch die amtliche Propaganda "nach und nach zur Bestialität verführt worden sind".
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Beliebte Bücher

Jana Hensel. Es war einmal ein Land - Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet. Aufbau Verlag, Berlin, 2026.Jana Hensel: Es war einmal ein Land
In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Norbert Gstrein. Im ersten Licht - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Norbert Gstrein: Im ersten Licht
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…