Wenn die elfjährige Ziska Mangold aus Berlin nicht in einen jener Züge gestiegen wäre, die jüdische Kinder aus Nazi-Deutschland nach England brachten? Wenn ihre Familie das Schiff nach China erreicht hätte? Diesem Gedankenexperiment folgt die Autorin und lässt eine alternative Geschichte zu "Liverpool Street" entstehen. Sie erzählt von der existenziellen Not der Flüchtlinge im Exil, dem grausamen Krieg zwischen Japan und China - und eben jener Ziska, die auf die Fragen nach Zugehörigkeit, Loyalität, Glaube und Schuld eine Antwort finden will.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2013
Mit viel Lob bespricht Rezensent Steffen Gnam Anne Voorhoeves neuen Roman "Nanking Road", den er als "was-wäre-wenn-Version" des Vorgängers "Liverpool Street" betrachtet. Noch einmal trifft der Kritiker hier auf die fiktive jüdische Familie Mangold, die im Zweiten Weltkrieg von Berlin-Neukölln nach Schanghai flüchtet. Er folgt aus der Sicht der zehnjährigen Ziska nicht nur der eindrucksvoll geschilderten Reise der Familie in das ausgebombte Armenviertel Hongkou, sondern erlebt auch die Resignation in der neuen Heimat - der Vater, ein Rechtsanwalt, arbeitet nun als Schneider - und ihr Leben im "Exil der kleinen Leute". Darüber hinaus liest der Rezensent mit großem Interesse, wie die 1947 heimgekehrten "Schanghailänder" zum Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in Berlin beitragen. Bei diesem ebenso lehrreichen wie faszinierenden Blick auf ein zu wenig beachtetes Kapitel in der Geschichte europäischer Exilanten kann der Kritiker gern verzeihen, dass das Buch bisweilen ein wenig zu "überfrachtet" ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.10.2013
Siggi Seuss teilt mit der kindlichen Erzählerin die Neugier und das Staunen über die im Buch erzählte Geschichte einer Reise ins chinesische Exil. Was der Protagonistin und ihrer Familien in einem früheren Buch von Anne C. Voorhoeve nicht gelang, hier passiert es: Die Familien flüchtet per Ozeandampfer vor den Nazis nach Schanghai. Seuss schätzt die Dramatik der Story und die Beobachtungsgabe der Autorin, die sich auch in Details der kindlichen Wahrnehmung einzufühlen vermag, wie Seuss begeistert feststellt. Etwa betreffend die sozialen Unterschiede an Bord, die Diskriminierungen, schließlich auch das Kriegsgeschehen. Die Exilzeit des Mädchens Ziska und ihre Rückkehr in das zerbombte Berlin beschließen das eindrucksvolle Buch laut Seuss.
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