Der Koran ist noch immer nicht Teil des europäischen Wissenskanons, obwohl er in biblischer Tradition steht. Seine kritische Lektüre setzt seine Einbettung in die spätantike Kultur voraus, in die er sich theologisch innovativ einbrachte. Sie erfordert gleichzeitig eine Neureflektion unserer modernen Philologien. Der Blick muss frei werden für die Textpolitik des Koran, die den Prozess der Islamentstehung am ehesten erkennbar macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.03.2015
Für Dirk Pilz ist das Buch der Islamforscherin Angelika Neuwirth ein wichtiger Baustein zu einem Koran als Teil des europäischen Wissenskanons. Als immens politisch betrachtet die Autorin den Koran, meint Pilz, da er aus der Auseinandersetzung mit Juden und Christen entstanden sei. Wenn die Autorin besonders die Bibel als identitätsstiftend für die koranische Gemeinde ausweist, staunt der Rezensent und lässt sich diesen Umstand von Neuwirth durch das Ausmessen eines gemeinsamen Denkraums zwischen hebräischer Bibel und islamischer Deutung erklären. So wird für den Rezensenten nachvollziehbar, wie Koranbilder entstehen - im Islam und im Westen.
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