1840 reisten die Engländerinnen Anne Lister und Ann Walker im Pferdeschlitten auf der zugefrorenen Wolga bis zum Kaspischen Meer und weiter über den Großen Kaukasus nach Tbilissi und Baku. Anne Lister starb völlig unerwartet auf einer Bergtour in Georgien. Ihre Gefährtin Ann Walker benötigte sieben Monate, um den Sarg mit der Leiche der Geliebten zurück nach Halifax zu bringen. Für ihre Biografie über die freizügige Tagebuchautorin und verwegene Reisende Anne Lister begibt sich Angela Steidele auf die Spuren des außergewöhnlichen Paars, begleitet von ihrer Russisch radebrechenden Frau. Hilft ihre Reise, die Abenteuer von Anne und Ann zu würdigen? Was erzählen die Orte, Landschaften und Menschen heute von fernen Zeiten? Kann man überhaupt in die Vergangenheit reisen? Welche Vergangenheit? Zeitreisen erlaubt einen Blick in die Werkstatt einer Biografin und bildet den zweiten Teil einer Trilogie von Angela Steidele zu biografischem Schreiben, die mit "Anne Lister. Eine erotische Biografie" (2017) begonnen hat und mit einer Poetik der Biografie 2019 schließen wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018
Rezensent Tobias Lehmkuhl hat sich von Angela Steideles Buch gerne auf die Reise durch den Kaukasus mitnehmen lassen, die die Autorin auf den Spuren Anne Listers unternommen hat. Diese reiche Dame war 1840 mit ihrer Geliebten zu ihrer Reise aufgebrochen und hat dabei etliche Notizen verfasst, an denen Steidele sich orientierte, so Lehmkuhl. Die ungewöhnliche Entdeckerlust einer Frau des 19. Jahrhunderts, die Exzentrikerin, als die Steidele Lister zeichnet und die Gegenüberstellung der Eindrücke beider Reisender scheinen Lehmkuhl gut gefallen zu haben, denn er hat das Buch als "sehr kurzweilig" empfunden.
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