Kurz vor Jahresende liegt der Bewilligungsbrief des Senats auf ihrem Küchentisch: In einem Jahr hat sie ein Jahr frei. Reisen will sie, allein - nach Vietnam vielleicht? Weg von ihrem Job als Lehrerin, den sie liebt. Raus aus ihrem warmen Berliner Nest, wo auch Darling und Kim sind, ohne die sie sich ihr Leben nicht vorstellen kann. Gesagt hat sie Mann und Kind von dem Plan noch nichts. Anette Selg erzählt von einer Frau in der Mitte des Lebens, die einer Sehnsucht folgt. Noch einmal das an sich spüren, was als Partnerin, Lehrerin, Mutter nicht zum Vorschein kommt. In welchen Momenten gab es das? Damals, als sie Au-pair war in Aix? Beim Backpacken in Thailand, mit Freundinnen in Italien? Zwischen Familien- und Arbeitsalltag, Lektüren und Reisevorbereitungen kehren im Jahr vor dem Aufbruch Erinnerungen zurück. An 1984, zum ersten Mal Sex, an Hagen, der mehr als eine Frau lieben wollte, an Kims Geburt und den Tod der Großmutter. Kleine und große Ereignisse, schöne und schreckliche. Ein Jahr, in dem die Erzählerin lernt, wie sie zu der Frau wurde, die sie ist. Bis Vergangenheit und Gegenwart kollidieren - und ihre ganze Wirklichkeit infrage steht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.10.2025
Rezensentin Sarah Elsing freut sich, dass mit Anette Selg endlich mal jemand von einer Frau in der Mitte des Lebens erzählt: kommt viel zu selten vor, findet sie. Worum gehts genau? Die die Ich-Erzählerin im Roman, eine Lehrerin, bekommt ein einjähriges Sabbatical genehmigt und will es auf Reisen verbringen - allein. Mann und Kind hat sie noch nichts davon gesagt. Es ist keine Flucht, sondern soll wohl einfach nur eine Auszeit sein, eine Selbstvergewisserung. Während der Vorbereitungen blickt sie zurück auf ihr Leben - bis plötzlich der Mann auszieht, weil er sich neu verliebt hat. Elsing hat das offenbar sehr gern gelesen - weil Selg "in einer feinen, klischeefreien Sprache" schreibt, die gut zu der Erzählerin passt, aber auch, weil sie die Midlife Krise dieser Frau letztlich als Aufbruch beschreibt.
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