Andrew Vachss

Born Bad

Stories
Cover: Born Bad
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783821809236
Gebunden, 220 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger. Drop-Outs, Schizos, Junkies, Killer, Depressive und Verlierer - in seinen ebenso düsteren wie brillanten Stories sammelt Andrew Vachss sie ein, gibt ihnen ein Gesicht, eine Stimme - und lässt sie agieren. "Ich bin vielleicht kein guter Schriftsteller", sagt Vachss in der Einführung zu Born Bad, "aber ich schreibe aus gutem Grund."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2003

Andrew Vachss scheint bei der Rezensentin Angela Schader aufgrund seiner Tätigkeit als Anwalt für missbrauchte Kinder einen gewissen Bonus zu haben. Denn obwohl sie seinen Kurzgeschichten mehrfach "ähnliche Handlungsmuster", obsessive Gewaltversessenheit und Eindimensionalität bescheinigt, kann sich Schader nicht dazu durchringen, von der Lektüre der Geschichten abzuraten. Die literarische Verarbeitung des eigenen Zorns auf Pädophile und Triebtäter sei trotz - oder gerade wegen - einiger inhaltlicher Schwächen "wahrhaft menschlich". Die "abstürzenden Ränder der amerikanischen Gesellschaft" bilden für Schader die Blaupause für die Kurzgeschichtensammlung "Born Bad". Vor diesem Hintergrund entwickele Vachss "sinister-surreale Visionen" und futuristische Untergangsszenarien, die jedoch nie die Verbindung zum "harten Boden der Realität" verlieren, stellt die Rezensentin fest. Und in diesem Zusammenhang ist es laut Schader auch ganz gut, dass manche Geschichten nicht so gelungen sind, denn die "gelebten Albträume des Andrew Vachss" seien "in solch kompakter Form auf die Dauer gar nicht auszuhalten".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.01.2003

Die Kurzgeschichten in dem Sammelband von Andrew Vachss "Born Bad" erinnern den Rezensenten Lars Brinkmann an frühen Pulp, an "Trash mit Stil und Message". Brinkmann stellt uns zunächst den "Chirurgen", die Hauptfigur in Vachss' Titelgeschichte vor, einen Serienkiller, der nichts übrig hat für Menschen, die ihm wohlwollen. "Serienkillerchic hat das amerikanische Bewusstsein befallen. Ich werde zu einem Objekt der Faszination werden", zitiert Brinkmann den Mörder. Autor Vachss, erklärt er uns dann, schreibt nicht "politically correct", sondern eher "emotionally correct". Vachss, ein auf Fälle von Kindesmisshandlungen spezialisierter Anwalt, schreibe, als wäre er John Wayne oder Clint Eastwood. So räche er in seinen Geschichten "all das Leid, das den Unschuldigen widerfahren ist". Vachss' Geschichten sind "mühsam verkleidete Realität", meint Brinkmann, der den Band noch als "Sammlung von pointierten Kurzgeschichten" lobt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2002

Andrew Vachss Stories sind keine normalen Kriminalgeschichten, obwohl der Autor den Leser in die Randzonen der menschlichen Gesellschaft führt. Verbrechensbekämpfung erfolgt hier nicht nach den geltenden Gesetzen, sondern durch einen Anwalt, der "sich in der Rolle des Advocatus diaboli" gefällt, nach Feierabend seine Robe abstreift und sich eigenmächtig an die Bestrafung des Verbrechens macht. Rezensent Stephan Maus findet die "selbstgefälligen Schlachtszenen", die dabei entstehen, widerwärtig, und er unterstellt dem Autor, er lebe unter "dem moralischen Deckmäntelchen der Advokatenrobe" seine eigenen Gewaltphantasien aus, die sich hasserfüllt auf Gewaltverbrecher fokussieren. Maus bescheinigt Vachss "handwerklich perfekte Stories", stellt aber abschließend die wohl eher rhetorische Frage, wer "auf Dauer die Potenzmeiereien eines therapiebedürftigen amerikanischen Schill" lesen wolle.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2002

Durchwachsen findet Rezensent Hardy Reich die Stories von Andrew Vachss. Der Autor ist Anwalt in New York und hat sich in seinem Hauptberuf auf die Vertretung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert, im Kampf gegen den Kindesmissbrauch sieht er seine Lebensaufgabe, berichtet Reich. Ähnlich wie in Deutschland Simmel behaupte er, Belletristik nur zu verfassen, weil er so mit seinen Themen eine größere Leserschaft erreichen könne als durch Sachbücher. Dieser pädagogische Impetus schlägt sich nach Ansicht Reichs in Vachss Geschichten, die meist um Themen wie Kindesmissbrauch, Serienkiller oder Rache kreisen, oft zu deren Ungunsten nieder. Das Maß an erzählerischer Sorgfalt variiere dabei beträchtlich, hält Reich fest. Am gelungensten findet er die Kurzgeschichte "Plan B". In bester amerikanischer Short-Story-Tradition werde darin auf engstem Raum ein Mensch mit seiner Lebensgeschichte dargestellt, lobt Reich, "hier emanzipiert sich der literarische Autor Vachss vom zweckorientiert schreibenden Anwalt."