Andreas Schäfer

Gesichter

Roman
Cover: Gesichter
DuMont Verlag, Köln 2013
ISBN 9783832196646
Gebunden, 252 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Familienurlaub auf einer griechischen Insel. Auf der Rückreise wird der Neurologe Gabor Lorenz am Hafen von Patras Zeuge, wie ein junger Mann auf einen Lastwagen springt, um unbemerkt auf die Fähre zu gelangen, mit der auch Lorenz und seine Familie nach Italien übersetzen. Das Bild lässt Lorenz nicht mehr los. Während der Überfahrt sucht er den Mann und wirft eine Tüte mit Lebensmitteln in den Laster, in dem der Fremde sich versteckt. Zu spät fällt ihm ein, dass sich darin auch Postkarten mit seiner Berliner Anschrift befinden. Es dauert eine Woche, bis die erste dieser Karten bei Familie Lorenz ankommt, abgestempelt in Modena. Kurze Zeit später die zweite - mit Münchner Poststempel. Da weiß Lorenz, dass der Flüchtling näher kommt, dass er auf dem Weg ist zu ihm. Ein diffuses Gefühl von Bedrohung schleicht sich in Lorenz' Alltag, das sich als Misstrauen in alle Lebensbereiche frisst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.12.2013

Spannend, atmospärisch, klug und facettenreich in der Komposition findet Meike Fessmann den neuen Roman von Andreas Schäfer. Die Geschichte einer zunehmenden Verunsicherung erzählt der Autor laut Rezensentin zügig und klar und mit der nötigen Umsicht, sodass der Plot nicht zum Tatort-Script verarmt. Wie ein Familienvater und Neurologe durch eine Reihe von Zufällen, das Aufbrechen alter Wunden und eine Menge Vorstellungskraft langsam den Boden unter den Füßen verliert und von Panik erfasst wird, bis nichts als Vorwürfe, Unterstellungen und Argwohn übrig bleiben, vermag der Autor Fessmann überzeugend zu vermitteln.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2013

Andreas Schäfer hat sich für seinen neuen Roman "Gesichter" einen besonders schönen Protagonisten und Erzähler ausgesucht, berichtet Rezensent Hubert Winkels: einen Neurologen der Berliner Charité, Gabor Lorenz heißt er, der Spezialist für Prosopagnosie, also für Gesichtsblindheit ist. Geschickt greift Schäfer das Thema gelungener und missglückter Identifikation auf, erklärt der Rezensent, Fingerabdrücke werden vernichtet, Phantombilder gezeichnet, Erinnerungen an die Oberfläche gespült, wobei sich eine faszinierende "Entflechtung von Bild und Gegenstand" vollzieht, verrät Winkels, die Repräsentation, das Zeichen, erscheint von einem eigentümlichen Eigenleben erfüllt. Mit diesem Rohmaterial erzähle Schäfer eine Familiengeschichte, die sich erst zum Krimi und schließlich zum Psychothriller mausert. "Well made", lobt Winkels.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2013

Angenehm zu lesen findet Alexander Müller diesen neuen Roman von Andreas Schäfer. Dies, obgleich der Autor seinem Helden gnadenlos den Boden unter seiner bürgerlichen Identität wegzieht. Die Bedrohung, wenn einem das eigene Leben samt Familie langsam entgleitet, ist für Müller beim Lesen spürbar. Noch mehr aber spürt der Rezensent, wie kunstvoll der Autor Stoff, Motive und Dramaturgie handhabt, wie subtil er einen individuellen psychischen Konflikt mit einer gesellschaftlichen Problematik (unter anderem geht es um Migration) verzahnt und daraus Spannung bezieht, ohne die Verbindung allzu sehr zu strapazieren. Zusammen mit dem luziden und unaufdringlichen Stil des Autors macht das für Müller ein richtig gutes Buch.

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