Als 1894 geborenes Arbeiterkind überwand Friedrich Wilhelm Wagner die Schranken einer in Klassen gefangenen Gesellschaft. Er wurde Anwalt, sozialdemokratischer Politiker, überlebte den Nationalsozialismus im Exil, war einer der Väter des Grundgesetzes und trieb in der frühen Bundesrepublik die politische wie juristische Aufarbeitung der NS-Zeit voran. Wagners an Brüchen reiches Leben war typisch für das 20. Jahrhundert in Deutschland. Seine politische Karriere führte ihn vom Reichstag in den Parlamentarischen Rat des frühen Nachkriegsdeutschlands und schließlich in den Bundestag. Er hatte ein hohes soziales Verantwortungsethos und trat mit aller Klarheit für den demokratischen Rechtsstaat ein. Die juristische Aufarbeitung des Nationalsozialismus lag ihm sehr am Herzen. Als Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts wachte Wagner über das von ihm mitgeschaffene Grundgesetz als Fundament eines rechtsstaatlich sanktionierten demokratischen Gemeinwesens.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2016
Reinhard Gaier erkennt im ehemaligen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Friedrich Wilhelm Wagner, ein Vorbild. Die aus einer Dissertation hervorgegangene politische Biografie von Andreas Marquet liest er daher mit Gewinn. Auch weil Marquet Wagners Leben und Wirken ausführlich und detailliert und auf Basis einer ungeheuren Materialfülle erkundet, wie er schreibt. Den wissenschaftlich nüchternen Ton nimmt der Rezensent dabei in Kauf. Auch wenn der 1894 geborene Wagner zu Lebzeiten nie aus dem Schatten Carlo Schmids und Fritz Bauers heraustreten konnte, wie Gaier schreibt, mit diesem Buch kann er den erfolgreichen Weg des Juristen, seinen Einsatz für die SPD, für die Republik und gegen die Nazis nachvollziehen und anerkennen, wie Sozialdemokraten wie der Rechtspolitiker Wagner unsere Verfassung entscheidend mit geformt haben.
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