Heilmannstraße 30, 82049 Pullach lautet die Anschrift des BND. Das 68 Hektar große Areal wurde 1936-38 als Wohnsiedlung für Mitarbeiter der Parteikanzlei der NSDAP errichtet und 1943/44 um den Bau des Führerhauptquartiers "Siegfried" erweitert. 1945 von US-Truppen beschlagnahmt, wiesen diese das Gelände 1947 der "Organisation Gehlen" als Standort zu. Reinhard Gehlen, vormals Wehrmachtsgeneral, leitete eine von den USA finanzierte und geführte Geheimorganisation. Zum 1. April 1956 erfolgte auf Beschluss des Bundeskabinetts die Gründung des BND, in den die "Organisation Gehlen" überführt wurde. Am 10. April 2003 beschloss das Sicherheitskabinett, die Zentrale des Nachrichtendienstes nach Berlin zu verlegen. Im Zuge dieser Veränderungen öffnet sich der BND, der bisher nur wenigen Journalisten kurze Einblicke gewährte, nun erstmals längerfristig. Dem Fotograf Andreas Magdanz wurde erlaubt, sich mehrere Monate lang nahezu frei, lediglich begleitet von einem Sicherheitsbeamten, auf dem ganzen Gelände und in allen zugehörigen Gebäuden zu bewegen und zu arbeiten. In einer Folge von etwa 100 großformatigen Fotografien wird das Areal in einer streng sachlichen, allein von kurzen Ortsbezeichnungen begleiteten Bilddokumentation erfasst, die das Gelände systematisch erschließt. Die Bilder treten bewusst in Dialog mit dem von Mythen besetzten Ort der ungeheuren historischen Wechselfälle zwischen Führerbunker, Geheimorganisation und demokratischer Institution. Mit dieser Fotofolge wird der schmale Grat zwischen Bild und Image, zwischen Information und Desinformation, zwischen Mystifizierung und Wahrheit auf der Bildebene ausgelotet. Die Bilder werden von einem einleitenden Sachtext und einem abschließenden Essay von Dr. Christoph Schaden begleitet, der die Komplexität des Sujets thematisiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2006
Ein Gefühl der Beklommenheit hat dieser Fotoband von Andreas Magdanz bei Christian Geyer ausgelöst. Beim Betrachten der Fotos des Geländes der BND-Zentrale in Pullach, Bildern von leeren Büros, Baracken, Treppenhäusern, Schreibtischen, Bunkergängen oder Aktenordnern stellt sich ihm die Frage, was den Geheimdienst dazu bewogen haben könnte, Magdanz die Erlaubnis für sein Vorhaben zu geben. Schließlich laufen die Fotografien auf eine Entmystifizierung des Geheimdienstes hinaus. Geyer zeigt sich entsprechend desillusioniert, die Welt des Pullacher Dienstes hat er sich offensichtlich spannender, geheimdienstmäßiger, weniger banal vorgestellt. Aber was er zu Gesicht bekommt, ist für ihn ein "Einblick ins Trostlose".
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