Text: Elisabeth Kosok, F.C. Gundlach, Ulf Erdmann Ziegler. Die Arbeit am Ich ist das Thema der Fotografien von Andreas Herzau. Die Bilder des vorliegenden Bandes zeigen den Schöpfungsversuch eines Produktes mit dem Namen Ich, und es sind zugleich Zeugnisse einer Gesellschaft, in der körperliche Arbeit fast nur noch am eigenen Körper geleistet wird. Herzau führt uns zu den kleinen Bühnen und Laufstegen auf denen über den Wert des Ichs kollektiv abgestimmt wird: Techno-Paraden, Demonstrationen, Diskotheken, Sexmessen und auf die Strassen der Großstadt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.08.2002
In allen Bildern spürt Oliver Fuchs die innerliche Distanz Andreas Herzaus zu seinem Motiv, der Jugend und ihrer Kultur. Ein "großer Friede" liege über diesen Aufnahmen von Demonstrationen, Sex-Messen, Modelwettbewerben, Neonazi-Aufmärschen, Techno-Paraden, Karnevalumzügen und Christopher-Street-Day, findet der Rezensent. Denn Herzau konzentriert sich auf das Davor einer Szene und vor allem das Danach, den Zeitpunkt, wenn die Anspannung nachlässt und der Druck der Selbstinszenierung von den Protagonisten abfällt. Er halte dabei immer mit dem Abstand eines Reporters, sei nie Involvierter. Und so ähnelt der Band auch ein wenig einer Stern-Reportage, meint Fuchs. "Intim und berührend" wie etwa Wolfgang Tilmanns seien diese Bilder nicht. Ganz ohne Einfühlungsvermögen oder die Bereitschaft dazu lässt sich die Wirklichkeit aber nicht erfassen, konstatiert der Rezensent. Weshalb er am Ende eher das Gefühl hat, "eine illustrierte Shell-Studie" gesehen zu haben.. Die Generation hinter den Bildern, bleibt dem Rezensenten "unsichtbar".
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