Mit Audio-CD. Aus dem Vorwort: Barockdichter hätten pure Freude an diesen Versen und würden allesamt Sonette verfassen "auff die Heuserin". Denn heute ‒ zwischen Scylla und Charybdis ‒ ist sie eindeutig ihre Hoffnungsträgerin. Die Zeit des Stummfilms ist vorbei, die Zeit des Tonfilms noch nicht angebrochen. Und nur Wenige wissen um den Stoff, aus dem Gedichte sind: den rhythmisch pulsierenden Klang, der sich innerhalb eines streng eingegrenzten Zeitraums zum Bild hin ballt. Andrea Heuser schafft Poesie im wahrsten Sinne des Wortes, denn ihre Gedichte sind mehr gemacht als geschrieben. Durch wiederholtes Anschlagen einzelner Silben erzeugt sie jene vibrierenden Teilchen, die, sinnvoll zusammengefügt, ein mit den Sinnen wahrnehmbares Artefakt ergeben. (Denn es wird die Poëterey, so Philipp Harsdörffer, ein redendes Gemähl / das Gemähl aber eine stumme Poëterey genennet.) Auf diese Weise wird die Spanne, die dem tönenden Wort vor dem Verschwinden noch bleibt, bis zum Äußersten ausgereizt und meisterlich gestaltet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2008
Mit Celan nähert sich die Rezensentin Nadja Wünsche diesem Lyrikdebüt von Andrea Heuser. Das Gedicht war für Celan stets vom Verstummen bedroht und steht damit immer schon kurz - wie nun der Titel des Bandes lautet - "vor dem verschwinden". Auch auf die Kehrseite dieses Aspekts aber macht die Lyrikerin Heuser, so Wünsche, immer aufmerksam: die "Präsenz" nämlich, die dem Verschwinden als das, was verschwindet, notwendig vorausgeht. Die Präsenz des Unscheinbaren als Erinnerung und Evokation in "fragilen Impressionen" einzufangen, darum nämlich gehe es in den Gedichten Heusers. Formal ist ihre Lyrik vielgestaltig, in den Zyklen des Bandes gibt es kurze, auf "Nuancen konzentrierte" ebenso wie längere Prosagedichte. Die Rezensentin ist offenkundig sehr angetan.
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