Sie ist schön, voller Geist und Temperament; sie sehen und sich in sie verlieben ist eins für Dieter Kaufmann. Sie heißt Anne Willing, ist Schriftstellerin und in der Ostberliner Künstler- und Intellektuellenszene zu Hause. Dieter Kaufmann lebt in Westdeutschland, arbeitet als Übersetzer auch für DDR-Verlage und reist gelegentlich nach Ostberlin. Es gefällt ihm, wie in dieser Szene über Politik und Kunst diskutiert wird, er genießt den Witz, die Selbstironie und die Souveränität der Runde. Noch mehr gefällt ihm Anne, mit der er ein zumindest in Liebesfragen bequemes Verhältnis eingeht. Als sich die Situation im Land verändert, brechen auch in ihrer Liebe ungeahnte Widersprüche auf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2007
Lobend äußert sich Dietmar Dath über diesen "hochgescheiten DDR-Liebesroman" von Andre Müller. Die Geschichte um Verrat, Kundschafterwesen, Liebe und Schikane hält er einerseits für "sehr verwickelt", andererseits für "schön durchsichtig", was er auch darauf zurückführt, dass es sich bei Müller um einen überaus gebildeten Shakespeare-Wissenschaftler handelt. Zu seiner Freude unterscheidet sich das Werk, obgleich in der DDR angesiedelt, fundamental von der "handelsüblichen Dissidentenjeremiade". Originell scheint ihm der Ansatz, dass die geschilderten Schäbigkeiten einmal nicht das Wesen der DDR ausmachen sollen, sondern im Grunde gegen ihren Bestand gerichtet sind. Die auftretenden Schauspielerinnen, Regisseure und Funktionäre haben in Daths Augen durchaus Ähnlichkeiten mit realen Personen, wie Heiner Müller oder Peter Hacks, wobei er anmerkt, dass man dem Text nicht gerecht würde, wenn man ihn als Schlüsselroman lesen würde. Schließlich gehe es hier nicht um Steckbriefe und Anekdoten, sondern ums "Ganze, den Systemkonflikt, die Wahrheit in der Geschichte". Daths Resümee: ein Roman, in dem es "viel zu staunen und zu lernen" gibt.
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