Fritz Rudolf Fries

Hesekiels Maschine oder Gesang der Engel am Magnetberg

Roman
Cover: Hesekiels Maschine oder Gesang der Engel am Magnetberg
Das Neue Berlin Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783360012494
Gebunden, 318 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Erzählt wird die Geschichte von Daniel Abesser, Sohn eines Ostberliner Ministers. Beim Absturz einer El Al-Maschine gerät der junge Kriegskorrespondent, der sich als Israeli ausgibt, in die Unterwelt. Seine Schutzengel entpuppen sich als Geheimdienstleute - oder ist es umgekehrt? - und verfolgen andere Ziele als er, dessen ganzer Sinn auf das Wiederfinden seiner geliebten Frau gerichtet ist. Was hat man mit ihm vor? Soll er in "Hesekiels Maschine" den Platz des Menschen einnehmen, der einer verschlafenen und verstörten Gottheit einen neuen Heilsplan eingibt? In einem dichten Geflecht mythisch-phantastischer und realer Verästelungen wird Geschichte erzählt, in der die DDR mehr als nur eine Vorlage für eine modische Devotionalienschau abgibt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.02.2005

Ein Verwirrspiel mit Mythen und Topoi betreibe Fritz Rudolf Fries in seinem neuen Roman wieder einmal, und dies sei so recht nach dem Geschmack des Autors, meint der Rezensent. Schließlich habe Fries, "Ausnahmeerscheinung unter den DDR-Schriftstellern", immer schon mehr Gefallen an Borges und Cortazar gefunden als am sozialistischen Realismus - was ihm bisweilen auch Ärger mit der Zensur einbrachte. Die Zahl der hier vertretenen intertextuellen und intermedialen Anspielungen (von Stephan Hermlin über Oskar Matzerath und Adrian Leverkühn bis Arthur Koestler) findet Jörg Plath aber im Ganzen lästig und vermutet, Fries habe sich nicht zwischen dem Kulturpessimisten und dem Tüftler entscheiden können. Heraus komme bei der unlustig erzählten und zwischen Antike und Gegenwart springenden Handlung ein "lähmendes Remis". Zudem gerate die Geschichte des Protagonisten, der sich nicht durch die alttestamentarischen Engel verführen und für göttlichen "Heroldsdienste" verpflichten lässt, zur "Rechtfertigungsschrift" des Autors, der selbst in eine IM-Vergangenheit verstrickt war. "Was Fries verschweigen wollte, überwältigt ihn literarisch", befindet Plath und wünscht sich dabei nichts mehr, als dass der Autor sich endlich anderen Themen zuwenden möge.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

"Listig", heißt es im Titel der Besprechung, sei dieser Roman, aber das gibt Helmut Böttigers Meinung zu Fritz Rudolf Fries' neuem Buch nur unzureichend wieder. "Hexentanz der Allegorien" trifft es schon besser. Fries verarbeite "alle erdenklichen Epochen und Stile", um die Geschichte des Helden Daniel Abesser zu erzählen, der in die Elite der DDR hineingeboren wurde, sich von seiner Herkunft aber distanziert und schließlich in einer metaphysischen Volte in ein "fantastisches Totenreich" entführt wird. Der Rezensent entdeckt mehrere Anspielungen auf den alttestamentlichen Propheten Hesekiel, die sich mit Anlehnungen an Dantes Göttliche Komödie abwechseln. Der Held passt aber weder in das Projekt von Hesekiels Maschine noch in das Totenhotel, in dem er Thomas Mann oder Günter Grass (der eigentlich noch gar nicht da sein dürfte) trifft. Diese "Ernüchterung" wird mit "überbordenden stilistischen Mitteln" präsentiert, schwärmt Böttiger, und fordert schließlich, Fries endlich die herausragende Stellung einzuräumen, die ihm im deutschen Literaturbetrieb "gebührt".
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