Aus dem Spanischen von Jochen Weber. In einer Welt vor unserer Zeit macht sich ein kleiner pelziger Dieb auf den Weg zu den Göttern hoch oben auf dem Berg. Er holt für die Menschen das Licht des Feuers und versteckt es geschickt in seiner Beuteltasche. Seine Tat bleibt nicht ungestraft, er muss ein zweites Mal zum Leben erwachen und so nimmt eine neue Zeit ihren Anfang. Auf die urzeitliche Nacht folgt der Tag, und der Rhythmus der Jahreszeiten kann beginnen. Mit poetischen Bildern wird hier ein Ursprungsmythos der Mixteken, einer frühen indianischen Hochkultur Mexikos, nacherzählt. Die Hauptfigur ist der Tlacuache - das Südopossum ist das einzige Beuteltier Zentralamerikas und zählt zu den ältesten Säugetieren der Erde. In der Mythologie erscheint der Tlacuache mal als Dieb, mal als jener, der den Himmel trägt. Eines ist gewiss: Der Tlacuache liebte Feste und war den Göttern nahe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2015
Sieglinde Geisel liest und schaut gebannt auf die Erzählung über mexikanische Schöpfungsmythen von Ana Paula Ojeda und Juan Palomino. Das zweisprachige Bilderbuch erfreut sie mit einem Opossum als Sagenheld und jeder Menge mytheneigener Komik. Dem jungen Leser, so versichert die Rezensentin, werden Symbolik und Bedeutung der Geschichte im Vor- und Nachsatz des Buches erläutert. Wesentlich für den Reiz des Bandes sind für Geisel die kraftvoll farbigen Illustrationen mit ihrer archaisch-modernen Bildsprache.
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