Alpa Shah

Nachtmarsch

Unterwegs mit Indiens vergessenen Guerillas
Cover: Nachtmarsch
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2025
ISBN 9783779507895
Kartoniert, 336 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von David Sumerauer. Die Anthropologin Alpa Shah erzählt in ihrer außergewöhnlichen, preisgekrönten Ethnografie von ihrem Fußmarsch mit einer Gruppe maoistischer Guerillas, den Naxaliten. Sieben Nächte lang, 250 km weit durch die dichten Wälder Ostindiens. Seit Jahrzehnten kämpfen die Rebellen nahezu unbeachtet von der Weltöffentlichkeit gegen den indischen Staat, verüben Anschläge auf Großgrundbesitzer, Beamte und Polizei. Benannt nach dem Dorf Naxalbari in Westbengalen, wo der maoistische Aufstand 1967 seinen Ausgang nahm, wehren sie sich gegen die ungleiche Landverteilung und die soziale und wirtschaftliche Benachteiligung der indigenen Bevölkerungsgruppen durch das hinduistisch geprägte Kastensystem. In Gesprächen mit den Anführern und durch jahrelanges Zusammenleben in Dörfern der Guerilla-Hochburgen versucht Alpa Shah zu verstehen, was die Naxaliten antreibt, der größten Demokratie der Welt den Rücken zu kehren, zu den Waffen zu greifen und dabei möglicherweise die eigenen Ziele zu untergraben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.12.2025

Rezensentin Sonja Ernst fühlt sich mit dem Buch der britischen Anthropologin Alpa Shah an den vergessenen Konflikt in Ostindien erinnert. Die Schilderungen der Autorin, die sich als Mann verkleidet monatelang den maoistischen Rebellen der Naxaliten im ostindischen Dschungel anschloss, findet Ernst packend und anschaulich. Darüber hinaus bietet der 2018 zuerst auf Englisch erschienene Band der Rezensentin Einblicke in die Ideale, Widersprüche und den Alltag der Bewegung und ihre historischen Wurzeln. Die Darstellung ist prägnant, fundiert und spannend zugleich, versichert Ernst. 

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.12.2025

Alpa Shah ist Anthropologin an der Universität Oxford, erklärt Rezensent Ulrich von Schwerin, die sich 2010 mitten im Aufstand indischer Maoisten wiederfindet, der seit 1968 schwelt und noch immer nicht beendet ist. Man nennt die Aufständischen auch Naxaliten, erfahren wir, sie sind eng mit den indigenen Adivasi verbunden, deren egalitäre Lebensweise dem stark hierarchischen indischen Staat ein Dorn im Auge sind. Trotzdem gibt es auch innerhalb der Gruppe zwischen oft eher bürgerlichen Kadern und eher indigenen Kämpfern viele Spannungen, schildert Schwerin, dem Shah diese Schwierigkeiten deutlich macht. So setze sich die Bewegung einerseits für Umweltschutz und gerechteren Handel ein, erpresse allerdings andererseits Schutzgeld von Minenfirmen und lasse diese gewähren. Dem Kritiker gefällt, wie die Autorin diese vielfältigen Spannungen aufzeigt und verständlich macht, wieso es derzeit nicht nach einer Beendigung des Konflikts aussieht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.11.2025

Rezensentin Renate Kraft findet spannend, wie Alpa Shah in ihrem Buch - im Original bereits 2018 erschienen - aus den Mitten einer maoistischen Guerillatruppe in Indien berichtet. Die Ethnologin, deren Großeltern aus Indien nach Kenia und dann nach Großbritannien emigrierten, weiß Kraft, hat dafür in Soldaten-Verkleidung an einem 250-kilometerlangen Nachtmarsch der Truppe durch indigenes Land teilgenommen, um die Beziehung der sogenannten Naxaliten zu den indigenen Adivasi zu erforschen. So bringe Shah zutage: die Maoisten begegnen den Adivasi respektvoll, und beide Gruppen leiden letztlich unter der Wirtschaftsweise der Industrieländer, die den "globalen Süden überrollt" hat, resümiert Kraft. Auch die indische Regierung trete klar als "Gegner" von Shahs aktivistischer Forschung hervor, betont Kraft, wenngleich die Autorin auf problematische Seiten der Bewegung hinweise; allen voran korrupte Geldbeschaffungsmethoden und Gewalt. Für die Kritikerin ein "außerordentlich kluges" Buch, das nicht nur "politisch wie menschlich engagiert" sei, sondern sich auch lese wie ein "Abenteuerroman" - und nun verspätet hoffentlich auch in Deutschland Anerkennung findet.

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