"Sie würde gerne weglaufen, hat aber keinen Grund. Natürlich könnte sie auch ohne Grund weglaufen. Doch ohne Grund fürchtet sie, ihr Aufbruch würde im Sande verlaufen." Geschichten einer Frau, Szenen einer Ehe, Gefühle einer Tochter - Alissa Walser versammelt die Augenblicke, in denen sich das Leben zuspitzt. Warum zeigt sich erst in der Badewanne, ob man mit einem Mann zusammenleben kann? Wie nehmen Mutter und Tochter Abschied von ihrem Hund? Wie bleibt man am Leben, ohne dass es allzu sehr weh tut? Einfühlsam, elegant und lakonisch erzählt Alissa Walser von Bedeutungsvollem und scheinbar Beiläufigem und von der zweifelnden Suche nach dem Glück, das ein scheues Tier ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017
Rezensentin Kristina Maidt-Zinke kann mit Alissa Walsers Prosa-Arrangements nichts anfangen. Petitessen sind für sie die darin verhandelten Probleme. Für Frauen, die sich in ihrem gut wattierten Alltag von Sekt zu Sekt hangeln und denen die Salatzubereitung mit Muttern oder Spinnen über dem Bett zum Drama geraten, hat die Rezensentin kein Mitleid übrig. Walsers weitgereiste, belesene Damen mit Faible für französische Filme und Biomärkte sind eher was für Leserinnen teurer Frauenmagazine, vermutet sie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2017
Rainer Moritz findet nichts Originelles in den Prosastücken von Alissa Walser. Wenn die meist weiblichen Figuren bei Walser dies und jenes tun, über ihr haltloses Leben reflektieren und die Mängel darin einkreisen, kann Moritz ein Gähnen nicht unterdrücken. Auch die formale Lösung motivisch locker verbundener kleiner Geschichten überzeugt ihn nicht, sondern verursacht ihm höchstens eine leise Melancholie, wie er sie aus elegischen französischen Filmen kennt. Dass alles so bedacht, abgewogen und künstlich wirkt in den Texten, macht Moritz nicht froh. An die Kurzprosa eines Kafka oder Robert Walser reichen die Texte nur allzu selten heran, meint er.
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