Anfang des Jahres ging ein Aufschrei durchs Land, ausgelöst von einem Stern-Artikel über den FDP-Politiker Rainer Brüderle. Die Empörung hat seither nicht nachgelassen. Empörung über die sexuelle Belästigung von Frauen im Beruf, die kein Einzelfall ist, sondern ein Massenphänomen: Zwei von drei Frauen sind schon mal belästigt worden, wie Studien belegen. In diesem Buch geht es um die Gegenwehr von Frauen, und auch um das, was sie schon erreicht haben. So erzählt die Aufschrei-Initiatorin Anne Wizorek, wie sie den Internet-Aufstand angezettelt hat, eine Gewerkschafterin redet Tacheles, und ein Blick über die Grenzen zeigt: Es geht auch anders, besser. Dieser von Alice Schwarzer herausgegebene EMMA/KiWi-Band vereint Texte von heute und aus den 70er und 80er Jahren, die beklemmend aktuell sind.
Heide Oestreich fand die wieder auflebende Debatte um Sexismus und sexuelle Belästigung bisher ziemlich angenehm, auch weil die Beiträge mit wenigen Ausnahmen herzlich unaufgeregt daher kamen. Mit ihrem Sammelband "Es reicht!" bricht Alice Schwarzer mit dem bisherigen Ton und dramatisiert die Debatte in alter Emma-Manier, erklärt die Rezensentin, die diese "Veremmaisierung" mit Bedauern beobachtet. Immerhin kann das Buch "Nicht-Emma-LeserInnen" - die meisten Texte stammen aus der Publikation, weiß Oestreich - einen kleinen Einblick in die Geschichte der sexuellen Belästigung verschaffen, lobt die Rezensentin. Wobei einige der Erfahrungsberichte bestenfalls auf irritiertes Unverständnis stoßen dürften, schätzt Oestreich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.04.2013
Viel zu viele Ausrufezeichen findet Viktoria Großmann in Alice Schwarzers gesammelten Interviews und Reportagen in Sachen Sexismus aus gut 20 Jahren "Emma". Was gut ist für eine verschworene Leserschaft, hält Großmann für zu wenig offen für den unvoreingenommenen Leser. So verdienstvoll sie Schwarzers Anmerkungen in der Brüderle-Debatte auch findet - der Band scheint ihr lieblos zusammengeschustert und nicht geeignet, die Diskussion weiter anzuregen. Dafür, meint sie, enthält er zu wenige Fragen und zu viele Ausrufezeichen.
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