Alexander Solloch

Harry Rowohlt

Ein freies Leben
Cover: Harry Rowohlt
Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783036950570
Gebunden, 320 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

"Er wird werden, was er ist", stand in seinem Abschlusszeugnis. Und es stimmte! Harry Rowohlt wurde all das, was er schon immer war und sein wollte: ein Sprachartist und ein Meister der Abschweifung, ein Übersetzer von Unübersetzbarem und Vorleser mit den tausend Stimmen, zudem als Krönung "Penner Harry" in der  Lindenstraße. Kurz vor seinem Tod sagte er: "Ich hatte ein glückliches Leben!" Tatsächlich aber verlief dieses Leben ganz anders als vorgesehen, weil er nicht werden wollte, was er werden sollte - Nachfolger des Vaters als Verleger -, versuchte er jahrelang verzweifelt, dem Rowohlt-Verlag zu entkommen. Wie Harry Rowohlt es schaffte, zu einer Art Seelenverbindung mit Pu dem Bären zu finden - "Wir sind beide dumm, kommen aber sehr gut zurecht" -, davon erzählt diese Biografie. Sie beruht auf unzähligen Gesprächen mit seiner Ehefrau und vielen Weggefährtinnen und Weggefährten sowie auf einer gründlichen Auswertung seines gewaltigen Nachlasses und fördert manche Überraschung zutage: Denn Harry Rowohlt hat zwar gern und viel von sich erzählt - aber nicht unbedingt zuverlässig. Das wird hier nachgeholt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2025

Rezensent Andreas Platthaus würdigt Alexander Sollochs Biografie über den vor zehn Jahren verstorbenen Harry Rowohlt als unterhaltsam, detailreich und im Ton "im Geiste ihres Gegenstands" geschrieben. Der Vortragskünstler und Übersetzer Rowohlt wird als humorvoller, scharf beobachtender Menschenfreund gezeichnet - seine Lesungen eine Mischung aus "Vollbedienung" und Whiskeylaune, seine Übersetzungen oft so eigenwillig, dass sie fast eigene Werke wurden, freut sich der Kritiker. Doch gerade hier sieht Platthaus auch Schwächen der Biografie: Kritische Aspekte wie etwa Rowohlts gescheiterter Versuch, Art Spiegelmans "Maus" zu übersetzen, fehlen vollständig - ebenso ein reflektierender Blick auf Rowohlts überwiegend männlichen Autorenkanon. Solloch nähert sich seinem Porträtierten mit viel Sympathie, aber zu wenig Distanz, moniert der Kritiker. Wer jedoch, schreibt Platthaus, Harry Rowohlts Stimme vermisst und gern Anekdoten aus erster Reihe liest, wird hier trotzdem auf seine Kosten kommen. 

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.06.2025

Als "rundum gelungen" empfindet Rezensent Klaus Bittermann die neue Harry-Rowohlt-Biografie des Literaturredakteurs Alexander Solloch und nimmt deren Erscheinen zum Anlass, dem begnadeten Übersetzer, legendären Vorleser, Schauspieler, "Penner und Hippie" - vor allem aber dessen unvergleichlichem Humor mit seiner Rezension selbst ein kleines Denkmal zu setzen. Was Sollochs Biografie Bittermans Meinung nach auszeichnet: Die sehr gute und ausführliche Recherche, der wir viele bisher nicht oder weniger bekannte Details und Einblicke in Rowohlts Leben zu verdanken haben. Vor allem aber, dass Solloch mit Verständnis, Feingefühl und Begeisterung schreibt. Und wenn er auch tatsächlich versucht, "wie Harry Rowohlt zu klingen", worüber ein anderer Kritiker gespöttelt hat, dann zeigt er somit immerhin Stilgefühl, findet der Rezensent, außerdem sei wie Rowohlt zu klingen allemal besser, als wie ein Literaturredakteur zu klingen. Einziges kleines Manko, laut Bittermann: Dass die politische Seite Rowohlts ein wenig unterbelichtet bleibt.
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