Klappentext

Aus dem Russischen von Andreas Tretner. Eine Dienstreise führt Ilja, einen russischen Geologen, der in den chaotischen neunziger Jahren aus Moskau nach Kalifornien ausgewandert ist, zurück in die Heimat: Im Auftrag eines internationalen Konzerns besucht er Baku und die Halbinsel Apscheron am Kaspischen Meer, seit den Zeiten der Nobels und Rothschilds Standort der Ölförderung. Die ehemals sowjetischen Anlagen gehören heute amerikanischen und arabischen Firmen. Ilja, der Erdölexperte, trifft seinen Schulfreund Chaschem wieder, einen Ornithologen, der im Naturschutzgebiet Schirwan an der iranischen Grenze eine Falkenkolonie bewacht. Der gebürtige Perser wirkt auch als Künstler, Heiler und tanzender Derwisch. Seine Aura, seine Energie ziehen Ilja in Bann, Chaschems Lebensweise, ganz der Natur, der Spiritualität hingegeben, stellt seine eigene Existenz in Frage.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.08.2016

Fulminant findet Helmut Böttiger diesen welt- und epochenumspannenden Roman des in Aserbaidschan geborenen und mittlerweise in Tel Aviv lebenden Autors Alexander Ilitschweski. "Der Perser" erzählt in einem weiten Erzählbogen von einem jungen Ingenieur aus Baku, der nach seinem Studium in Berkeley auf die Ölfelder Aserbaidschans zurückkehrt, um dort wie auch in der Literatur nach der Keimzelle des Lebens zu forschen. Damit hat Ilitschweski Aserbaidschan auf die Landkarte der Gegenwartsliteratur gesetzt, ist sich Böttiger sicher. Sinnlichkeit und Magie, Naturwissenschaft und sowjetische Historie überlagern sich in der wilden Geschichten des Kaukasus, schwärmt der Kritiker betört, dem noch immer der Geruch von Wermut, Süßwurzel und Akazie in der Nase hängt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.05.2016

Mit einigem Bedauern stellt Sonja Margolina fest, dass das vermeintlich interessanteste Motiv in Ilitschewskis Roman viel zu kurz kommt. Ein islamisches Randgebiet in der atheistischen Ex-Sowjetunion bilde zwar den Schauplatz des Geschehens, nämlich die aserbaidschanische Halbinsel Abşeron im Kaspischen Meer, doch das Thema werde von einer Masse an Fakten und Exkursen erschlagen, die tief in die Geschichte der Region führen - zu tief, wie Margolina ganz offensichtlich findet. In Russland sei "Der Perser" überwiegend positiv besprochen worden, weiß die Kritikerin, doch sie selbst hält die Charakterzeichnungen für völlig misslungen (die Romanfiguren seien "vergeistigte Kunstprodukte und zweibeinige Behälter des enzyklopädischen Wissens ihres Schöpfers") und den Schluss des Buches für konfus. Die Rezensentin vermutet, die Wahrheit des Romans liege "tief im Postmodernismus verborgen", doch sie zeigt wenig Interesse daran, diese Entschuldigung gelten zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.05.2016

Rezensentin Cornelia Geissler entdeckt in diesem Roman so viele Mythen, Geschichten und historische Ereignisse, dass sie fast den Eindruck hat, mehrere Bücher zu lesen. Vor allem aber weiß Rezensent Alexander Ilitschewski seiner Geschichte um Freundschaft, Verlust, Glauben und Dichtung, die von der Verbindung zwischen Aserbaidschan und dem Iran ebenso erzählt wie von dem futuristischen Dichter Welimir Chlebnikow, zahlreiche aktuelle Bezüge zu verleihen: Aufmerksam folgt sie Ilitischewskis Islamdeutungen und erhält interessante Einblicke in die Jugend Osama bin Ladens. Insbesondere lobt Geissler Andreas Tretners Übersetzung, der die "aussagepralle" und bildgewaltige Sprache nicht nur exzellent ins Deutsche übertragen, sondern die zahlreichen Verweise, etwa auf russische Volkslieder, in Anmerkungen kenntlich macht habe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2016

Ins kaukasische Gestrüpp folgt Rezensentin Katharina Teutsch Alexander Ilitschewski und bereut es nicht. Denn Ilitschewskis "Georoman" über einen aus Kalifornien in seine Heimat Baku zurückkehrenden Geologen, der dort auf eine männliche Scheherazade trifft, die der Leserin den ethnischen und kulturellen Schmelztiegel Bakus näherbringt, findet sie kolossal. So ausufernd der Text ist,sprunghaft, schleifenartig und eklektizistisch, so gern und gut folgt ihm die Rezensentin. Nicht zuletzt auch dank einer kongenialen Übersetzung, teilt sie uns mit. Dass der Roman Teil einer Trilogie ist, möchte Teutsch uns da nicht vorenthalten.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.03.2016

Eva Behrendt schöpft Hoffnung, solange es Erzähler wie Alexander Ilitschewski gibt, die die Welt als Text begreifen. Auch wenn der Autor ihr einiges abverlangt an Konzentration und Ausdauer, am Ende sieht sich Behrendt belohnt mit der Geschichte um einen weitgereisten Icherzähler, der von Kalifornien aus in seine Heimat Aserbaidschan zurückkehrt. Doch nicht die eher spannungsarme Rahmenhandlung ist es, die Beherendt begeistert, sondern die sie an "1001 Nacht" erinnernden 38 essayistischen Binnenkapitel, in denen Ilitschewski Bakterien, Kosmologie, Maschinen und das Theater behandelt und seinen Protagonisten fast aus den Augen verliert. Ungemein lehr- und facettenreich findet die Rezensentin das und lobt die aus einem schier unendlichen Wortschatz schöpfende Übersetzung von Andreas Tretner.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2016

Alexander Ilitschewskis Roman von 2012 begeistert Ulrich M. Schmid mit seinen großen historischen Bögen. Als symbolische Autobiografie von epischer Breite angelegt, packt ihn die Geschichte um einen Geologen, der aus den USA nach Aserbaidschan zurückkehrt und dort auf ein faszinierendes Alter Ego trifft, von Anbeginn durch Ilitschewskis poetische Naturbeschreibungen vom Kaspischen Meer und das Schaffen kühner, keinem Selbstzweck dienenden Verbindungen zwischen Figur und Geschichte und Geografie. Wie Ilitschewski Geist und Materie in der Sprache zusammenführt, scheint Schmid höchst bemerkenswert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2016

Rezensent Christoph Schröder freut sich, dass Alexander Ilitschewskis "wilder" Roman "Der Perser" nun auch in einer eleganten deutschen Übersetzung mit klugem Anmerkungsapparat vorliegt. Letzteren braucht der Kritiker auch, denn auch wenn die äußere Handlung um den Geologen Ilja, der in Aserbaidschan auf seinen Freund Hasem trifft und sich unter dessen Führung den "Hegern" anschließt - einer Gruppe von Männern, die den Ideen des russisch-futuristischen Dichters Chlebnikow folgen - schnell zusammenfassen lässt, steckt der Roman voller Abweichungen und verschiedenen Handlungsebenen. Darüber hinaus markiert er Ilitschewskis Versuch, die Trennung zwischen Poesie und Wissenschaft zu überwinden, informiert der Kritiker, der in diesem geologisch-philosophisch-historisch tiefgründigen Roman nicht nur viel über die Schlachten um den Ostkaukasus oder die Ölvorkommen am Kaspischen Meer liest, sondern auch viel über die Mythen, Religion und Politik in Aserbaidschan erfährt. Gelegentliche Redundanzen verzeiht Schröder mit Blick auf das dramatische Ende dieses lesenswerten Romans gern.
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