Alexa Hennig von Lange

Lelle

(Ab 5 Jahre)
Rogner und Bernhard Verlag bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783807701240
Gebunden, 80 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Der Mini-Roman "Lelle" ist eine kurze Geschichte übers Älterwerden zweier Mädchen, ein Sesam-öffne-dich der frühen Kinderjahre. Ein Findebuch aus Zeiten, in denen Kinder noch Mittagsschlaf halten und vor dem Wald gewarnt werden müssen, in denen nachts die Fresserwesen (bis auf die Zähne durchsichtig) kommen und Mädchen tags davon träumen, den ersten BH anzuziehen ("weiße Spitze mit einer Blume dran"), den Lelle dann auch Nachbar Schrittmüller schenkt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.12.2002

Anders als von dem Vorgängerroman, dem preisgekrönten "Ich habe einfach Glück", der von der fünfzehnjährigen Lelle und ihren Problemen mit dem Familienalltag handelt, ist Annette Kautt von diesem "Lelle"-Buch sehr viel weniger angetan. Auch wenn es um die gleiche Protagonistin geht, führt "Lelle" die Geschichte von "Ich habe Glück" nicht einfach fort, sondern geht um zehn Jahre in ihre Kindheit zurück, berichtet Kautt. Der Kinderalltag verläuft sich zwischen heiler Welt, Langeweile und Ängsten, die soapmäßigen Katastrohen bleiben diesmal aus, bedauert Kautt. Umso ärger findet sie, dass Hennig von Lange ihres Erachtens kein Klischee auslässt. Die Wahrnehmungsraster würden diesmal nicht durch eine andere Wahrnehmungsweise aufgebrochen, bemängelt sie, "Rasterhaftigkeit ist eben nicht gleich Rasterhaftigkeit". Was bei Alexa Hennig von Langes erstem Roman so gut funktioniert hat, die spannende Mischung von Realismus und Soap, fehlt dieser "Lelle". Mehr "soapige Dramatik" und eine stärker "nuancierte Wirklichkeit" hätten ihrer Kindheitsgeschichte gut getan, so Kautt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.11.2002

Sehr entzückt ist Ralf Schweikart von diesem Buch, das er allerdings nicht für ein Kinderbuch hält, da es an "ein Wiedererkennen dank der eigenen Erinnerung" gebunden ist, und das sei ein Lesen, so der Rezensent, das "Kinder kaum nachvollziehen können". Aber das ist für ihn überhaupt nicht als Einwand gegen das Buch gemeint. Im Gegenteil lässt ihn diese in "Schnappsschüssen" aufleuchtende Geschichte der kleinen Lelle, "lakonisch erzählt, ohne psychologisch großartig auszuleuchten oder in Pose zu setzen", auf "das erste richtige Kinderbuch" der Autorin hoffen. Und Schweikart erzählt dann auch jedem, der es vielleicht nicht weiß, was für ein Multitalent Alexa Hennig von Lange ist (Stichworte dazu: Bim Bam Bino, Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Ich habe einfach Glück). Und freut sich, wie gesagt, auf ihren nächsten Coup.