Bettina von nebenan fürchtet sich vor allem und jedem. Ganz besonders vor einem großen, gefährlichen Hund, dem Schwarzen Mülleimer. Aber als sie ihn aus dem Dornengestrüpp vor dem Haus befreit, werden die beiden Freunde. Bettina schlingt seine Kette um ihren Körper, eine schützende und starke Kette, die schon viel erlebt hat. Von nun an ist sie die mutige Betti Kettenhemd, die mit dem Schwarzen Mülleimer und dem Rebhuhn Tek-tek im Revier von Dr. Müller-Meckel lebt. Dem ist Unordnung ein Dorn im Auge und er versucht alles, um Betti loszuwerden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.08.2008
Am liebsten würde Rezensent Siggi Seuss der kleinen Betti Kettenhemd in Albert Wendts gleichnamiger Erzählung über die Felder, Wiesen und den Brennesselgraben folgen, so begeistert ist er von der "leichtsinnigen, hintergündigen Parabel" die der Autor für Kinder und Erwachsene entworfen hat. Wunderbar altmodisch und zeitlos findet er die Geschichte der wilden Heldin und ihres Hundes Schwarzer Mülleimer, die sich gegen Ordnungswillen und Erwachsenenlogik durchsetzen, indem sie an der Idee eines autonomen Lebens festhalten. Hingerissen ist er auch von der Sprache des Autors, der so "selbstverständlich, witzig und poetisch" erzähle, dass der Rezensent ins Träumen gerät.
Mit Beglückung annonciert Rezensent Franz Lettner die gelungene Überführung des berühmten Hörspiels von 1997 in ein Kinderbuch. Denn Albert Wendt ist aus seiner Sicht mit Betti Kettenhemd eine Figur gelungen, die es leicht mit großen Helden und Heldinnen der Weltkinderliteratur von Pippi Langstrumpf bis Mowgli aufnehmen könne. Titelheldin Betti begeistert Lettner mit Wildheit, der Autor mit einer höchst eigenen und lebhaften Sprache, die ihn schon in der Hörfassung vom Hocker riss und die er zu seiner großen Zufriedenheit auch in die Buchform gerettet fand. Es ist besonders diese lebendige Qualität dieser Sprache, die das Buch aus Sicht des Rezensenten auch zu einem "außerordentlichen Vorlesebuch" macht.
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