Alan Tschertschessow

Ein Kranz für das Grab des Windes

Roman
Cover: Ein Kranz für das Grab des Windes
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2003
ISBN 9783421056382
Gebunden, 616 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Annelore Nitschke. Zwei Hütten in einer kaukasischen Schlucht am Ufer des Verfluchten Flusses dienen einer Dreiergruppe namenloser Ausgestoßener als Zufluchtsort. Ein Fremder drängt sich der Gruppe als Vierter auf. Er hilft, daß Häuser und eine Brücke entstehen. Sein Name, Azamas, deutet auf den Sänger im ossetischen Volksepos, der die wundersame goldene Hirtenflöte zu spielen vermag. Durch ihn sind die Bewohner gezwungen, ihre Namen wieder anzunehmen, und ihre Vergangenheit kehrt zurück. Schon bald zieht es noch mehr Menschen zum Fluß, und jeder von ihnen trägt mit seinen Fähigkeiten und Eigenschaften zu der wachsenden Dorfgemeinschaft bei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.03.2004

Burkhard Müller seziert diesen Roman von Alan Tschertschessow sehr sorgfältig, um ihn dann aber doch als missglückt zu verwerfen. Es geht in dem Roman um Nord-Ossetien, Alan Tschertschessows kaukasische Heimat. Zu ihrem "Wesen" will der Autor vordringen und suche danach in der Vergangenheit des abgelegenen Landes. Die Handlung spielt in einer unbestimmten Zeit, die Leute haben "anstelle des Gewissens ihren Stolz", das Soziale wird mit archaischer Gewalt gestaltet. Genau hier liegt dem Rezensenten zufolge der Hase im Pfeffer: Der Roman scheitere, weil Tschertschessow mit sensibler Genauigkeit den Gefühlen und Antrieben seiner Figuren nachspüre; das aber sei "den Bewohnern der Einöde unangemessen" - nicht, weil etwa ihre Gemüter zu schlicht seien, sondern weil es ihrer dargestellten Lebensform nicht entspreche. Und so bleiben nach Meinung Müllers ein paar schöne Passagen sowie das Gefühl, dass der Autor selber an der Unangemessenheit der gewählten Form leidet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2003

Jörg Magenau ist nichts weniger als entsetzt über diesen Roman des kaukasischen Autors Alan Tschertschessow. Die Geschichte, in der zwei Männer sich mit einer von ihnen verschleppten Frau in einer verlassenen Gegend niederlassen, könnte mit gutem Recht mit einem Western verglichen werden, ein "Eastern" gewissermaßen, der in "archaischer Vorzeit" fern der Zivilisation spielt, beschreibt der Rezensent das Buch. Was ihm das Werk so unerträglich macht, ist, sind vor allem die Schilderungen einer "archaischen Männerwelt", in der die Frau mit Gewalt in Besitz genommen wird, worauf diese mit Religiosität und Liebe reagiert, und das ohne jegliche kritische Distanz seitens des Autors. Er scheint sein "schwülstiges Epos" für " unverstellte Natürlichkeit" zu halten, so Magenau fassungslos. Dass dieser "kaukasische Blut-und-Boden-Kitsch" hierzulande überhaupt erscheint, kann sich der Rezensent nur damit erklären, dass hier "weitschweifige Inbrunst" mit der "Tiefe der russischen Seele" verwechselt worden ist. Da bleibt dem Rezensenten nur noch ein wohl vergeblicher Stoßseufzer: "Himmel hilf!".
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