Aus dem Englischen von Silvia Morawetz. Reiselust, Reisefieber - wer ist nicht von ihnen gepackt? Aber das Glück der Reise ist fragil: Man steht vor einem grandiosen Sonnenuntergang, aber das verdrossene Ich ging mit auf Fahrt und verdirbt die exotische Kulisse. Der Reiseführer weiß alles millimetergenau, aber raubt die Zeit und kennt nicht den kleinen Park - und hätte man den nicht gesehen, Madrid wäre einfach so vorbeigerauscht. Alain de Botton beschreibt locker von Aufbruch bis Heimkehr die Wagnisse des Reisens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.08.2002
Dirk Fuhrig ist hingerissen von diesem Reisebuch. Der in England lebende Schweizer Autor hat sich mit Werken von Baudelaire, Proust, Hopper, van Gogh und anderen auf die Reise gemacht und vergleicht nun eigene mit fremder Wahrnehmung. Dadurch, so Fuhrig begeistert, ergibt sich eine "Tour d'horizon durch die Geistesgeschichte", die "Literatur mit Erfahrung" verbindet. Der Rezensent preist die "meisterhafte Weise" mit der dem Autor diese Verknüpfung gelingt. Er ist von den kühnen Gedankensprüngen Bottons beeindruckt, auch wenn er ihm nicht in jedem Einfall zu folgen bereit ist. Er lobt die genaue Beobachtungsgabe und die "Eleganz der Formulierungen" des Autors und schätzt seinen sowohl etwas altmodischen wie prägnanten Stil. Aber es sind vor allem die kühnen Kombinationen, die für den Rezensenten dieses Buch auszeichnen: So folgt einer Reflexion über "das Erhabene" eine Schilderung der "Poesie von Autobahn-Tankstellen". Der Autor zeigt, dass er genauso gut in der Welt wie am Schreibtisch zu reisen vermag, so der Rezensent begeistert, der in dem Buch sowohl eine Abhandlung über das Fremde wie über die Mythen und Sehnsüchte des Reisens entdeckt hat.
Gut, etwas betulich klingt das schon manchmal, räumt Thomas Kastura ein, und übers "inspirierte Verweilen am Wegesrand" haben auch andere schon geschrieben, aber das Betuliche ist schließlich ein Signum des romantischen Flaneurs, auf dessen Spuren sich der Autor bewegt, und auch allemal besser als die "Reisejournälchen" der Popliteraten. Hier wären immerhin ein Text (eine Mischung aus Erzählung und Essay), "der seine Bildung unbefangen ausbreitet und dennoch nicht belehren will", und ein Autor, der dem Leser tatsächlich die Augen öffnet für die Schönheit des Unterwegs, wenn er etwa mit Van Gogh durch die Provence streift oder in Heathrow den Jets nachschaut. Eine kleine, gefällig erzählte "Phänomenologie des Reisens".
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