Alain Cabantous

Geschichte der Blasphemie

Cover: Geschichte der Blasphemie
H. Böhlaus Nachf., Weimar 1999
ISBN 9783740011055
gebunden, 305 Seiten, 29,65 EUR

Klappentext

Die Gotteslästerung und die Schmähung, die Verwünschung und das religiöse Schimpfwort, der Fluch und der Eid - das Wort als Waffe, die verbale Aggression als Ritual, der Bruch mit dem Göttlichen. Was ist eigentlich Blasphemie? Theologen und Laien, Juristen und Historiker geben darauf unterschiedliche Antworten. Alain Cabantous legt eine interessante Kulturgeschichte dieses gesellschaftlichen Phänomens ab dem 16. Jahrhundert vor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999

Mit Bewunderung bespricht Friedrich Wilhelm Graf diesen Band, der die Geschichte des Gottesfluchs und seiner Ahndung bis ins 19. Jahrhundert verfolgt. Dabei sei über Jahrhunderte eine stete Verschärfung der Strafmaße zu beobachten - so ängstlich hüteten die Obrigkeiten die Aura des Heiligen. Graf erläutert die Furcht, dass ein nicht bestrafter Gottesfluch eine direkte Strafe Gottes in Form von Naturkatastrophen herbeiführen könnte. Besonders lobt Graf, dass Cabantous, der von der Marinegeschichte auf dieses Thema kam, auch zeigt, wie die Französische Revolution Beleidigungen des "Höchsten Wesens" bestrafte. Die Heiligsprechung des Politischen, so Graf, führte auch zu neuen Arten der politischen Blasphemie. Darum bedauert der Rezensent, dass Cabantous "im 19. Jahrhundert der Atem ausgeht". Anders als Cabantous meint Graf, dass Blasphemie und ihre Bestrafung bis heute - nur in anderen Rechtsformen - fortbestehen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.1999

Wer meint, ein Todesurteil wegen Blasphemie, wie es der iranische Ajatollah Chomeini gegen Salman Rushdie verhängt hat, wäre dem christlichen Abendland grundlegend fremd, der sollte Alain Cabantous lesen, meint Ulrike Brunotte. Sie hält seine "Geschichte der Blasphemie" für die überzeugende Demonstration der fundamentalen Rolle, die die Blasphemie und ihre Bekämpfung bei der Entstehung der modernen europäischen Gesellschaften gespielt haben. Von der Wucht der Beweise hat sich Brunotte offenbar mitreißen lassen. So schreibt sie denn auch sehr einnehmend. Sehr überzeugend stellt sie Cabantous Grundgedanken dar, wie sich über die "Gotteslästerung" das Verhältnis zwischen einem zu zivilisierenden Volk und einer disziplinierenden Obrigkeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert herausgebildet hat. Allein die Fülle der in dem Buch präsentierten Prozessakten hält Brunotte für bisweilen etwas ermüdend.