Agnes Callard

Sokrates

Wie man durch ein philosophisches Leben die Angst vor fast allem verliert
Cover: Sokrates
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406844089
Gebunden, 429 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Antje Korsmeier. Es gibt eine Frage, der Sie ausweichen. Sogar jetzt, während Sie diesen Satz lesen. Sie scheinen vor irgendetwas Angst zu haben. Sie sagen sich, dass Sie gerade keine Zeit haben. Sie sind in erster Linie damit beschäftigt, die nächsten 15 Minuten über die Bühne zu bringen. Ihr Leben ist voll. Es gibt darin keinen Platz für die Frage: "Warum mache ich all das überhaupt?" Vor 2500 Jahren kam ein Mann auf den Gedanken, dass die Konfrontation mit den fundamentalen und scheinbar unbeantwortbaren Fragen des Lebens nicht das Schlimmste, sondern das Beste war, das ihm je passiert ist. Er glaubte, dass ein Leben, welches sich diesen Fragen offen stellt und in Gesprächen mit anderen auf den Grund geht, nicht bloß etwas für selbsternannte Intellektuelle ist - sondern für alle. Agnes Callard lässt Sokrates für unsere Zeit wiederauferstehen, sie entstaubt seine größten Ideen und zeigt uns, wie wir nach seinem Beispiel ein gutes Leben führen können, das nicht in Furcht vor den großen Fragen des Lebens erstarrt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 04.07.2026

Als sehr inspirierend empfindet Rezensent Jens Balzer Agnes Callards Sokrates-Buch. Die Philosophin widmet sich darin einem der Urväter ihrer Disziplin und plädiert dafür, zu Sokrates, beziehungsweise zur sokratischen Methode, die mit dem berühmten Satz "Ich weiß, dass ich nichts weiß" zu tun hat, zurückzukehren. Sokratisch zu denken heißt für Callard, sich nicht im Elfenbeinturm einzuschließen, sondern hinaus auf die Straße zu gehen und die Leute mit Fragen zum Sinn des Lebens, zur Möglichkeit guten Zusammenlebens und so weiter zu konfrontieren. Wichtig ist dabei, dass man nicht nur versucht, das Gegenüber von der eigenen Position zu überzeugen, sondern auch bereit ist, sich selbst von Gegenargumenten überzeugen zu lassen. Dieses Modell des sokratischen Gesprächs überträgt Callard im Weiteren, das findet Balzer besonders bemerkenswert, auch auf Liebesbeziehungen - man solle sich beim Verlieben immer die Möglichkeit des Entliebens offenhalten. Manches mag versponnen klingen in diesem bei aller philosophischen Tiefe gut lesbaren Buch, gesteht Balzer ein; wer jedoch bereit ist, Sokrates und Ballard auf ihrem gedanklich wagemutigen Weg zu folgen, wird, glaubt der Rezensent, reich belohnt.

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