Das von der Autorin noch vorbereitete Buch versammelt Texte, in denen sie Menschen und ihre Beziehungen zueinander in der ihr eigenen Verknappung porträtiert. Sie sind, wenngleich immer Melancholie mitschwingt, nie düster, sondern immer voller Menschlichkeit und bisweilen schwärzestem Humor.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.05.2005
Aglaja Veteranyi, ruft Hans-Peter Kunisch aus, bestätigt mit diesen Erzählungen eindrucksvoll "ihren Ruf als eines der wenigen Ausnahmetalente der deutschsprachigen Literatur der letzten Jahre". Und man könne sie nicht länger als Exotin abtun - der Witz und die extreme Bildhaftigkeit ihrer Sprache bergen viel Ernst. Am besten haben Kunisch die Familiengeschichten aus dem Zirkusmilieu gefallen, die keinerlei Sozialromantik - von wegen warmherzige Nomaden - das Wort reden. Die Familie ist kein Hort der Geborgenheit, und Veteranyis Stil alles andere als "seelenvoll traurig" - nämlich präzise und komisch, doch ohne ins "Pittoreske" abzugleiten. Ebenfalls vom Rezensenten gelobt werden die "analytischen Prosastücke zu Männern", etwas weniger dagegen die Altersheim-Geschichten, in denen die Autorin seiner Meinung nach "zu sehr an den abstrakten Schrecken gehalten hat" und nicht "wie sonst immer, zu einzelnen Menschen" vorgedrungen ist. Insgesamt aber: ein eindrucksvolles Buch.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2005
Im Februar 2002 hat sich die Autorin das Leben genommen, informiert Mirjam Sieber, der vorliegende Erzählungsband stamme aus dem Nachlass und sei von Veteranyi noch selbst vorbereitet worden. Er beinhaltet 87 Mini-Prosastücke, deren Auswahl und Anordnung von den Herausgebern weitestgehend übernommen worden sei. Mancher dieser Texte sei nur eine Seite lang, literarische Bruchstücke von "außergewöhnlicher Radikalität", findet Sieber. Anders als in Veteranyis Romanen würden diese Texte von keiner Erzählerinstanz zusammengehalten, sie wirkten darum umso härter. Die Sprache gebe sich arglos schlicht, die dargestellten Beziehungen seien umso abgründiger, stellt Sieber fest. Viele der Miniaturstücke irritierten enorm, gesteht die Rezensentin ihre Verstörung ein: zerstückelte Leiber, verzerrte Perspektiven, durchlässige Körpergrenzen, lebendige Dinge - Veteranyis Erzählungen seien grotesk und gewaltsam. Aber mit ihrer lakonischen Sprache erziele die Autorin eine große Eindringlichkeit, äußert sich Sieber letztlich positiv und stimmt damit dem Herausgeber zu, der die Kurzprosa als eigentliche Domäne Veteranyis bezeichnet.
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