A. L. Kennedy

Also bin ich froh

Roman
Cover: Also bin ich froh
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783803131867
Gebunden, 280 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Jennifer lebt sehr zurückgezogen: Bloß kein Kontakt zu anderen Menschen! Liebe? Völlig undenkbar. Sex? Schon, aber nur als eher mechanische und wortkarge Notwendigkeit. Dieser Frau schneit eines Tages ein Mann ins Haus. Ein ängstlicher Mann, dersein Gedächtnis verloren hat, der sehr schutzbedürftig ist. Er behauptet, Cyrano de Bergerac zu sein und Jennifer unterliegt seinem unzeitgemäßen Charme. Auf wunderbare Weise heilt die Liebe bei den beiden "verlorenen Seelen" alle Verwundungen, dieihnen das Leben zugefügt hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.04.2004

Man möge A. L. Kennedys neuen Roman "um Gottes willen" nicht für "religiöse Bekehrungsliteratur" halten, fleht Ijoma Mangold. Zwar gelinge es der schottischen Autorin, ein "Fenster in der Gummizelle" der Relativität unserer Gesellschaft zu reißen, doch sie tue dies, indem sie dem Leser große Worte wie Liebe, Tod, Glaube und Schuld "leise, voller Sanftheit, wie auf Zehenspitzen" biete. Mit der Geschichte einer Radiomoderatorin, die emotionslos und leer ihr Dasein fristet, bis kein Geringerer als Savinien de Cyrano de Bergerac in ihr Leben und ihre WG tritt, habe Kennedy mit "bezirpend-komischer Sprachmächtigkeit" einen Roman geschrieben, den man sowohl als "Dokument einer Psychose", viel besser aber als eine "hingebungsvolle Liebesgeschichte" verstehen könne. Die Autorin versetze den Leser in das Spannungsfeld von "komischen Strecken" und "heiligem Ernst" und überlasse es ihrem Publikum, die Geschichte zu deuten. Wer sich - wie offenbar der Rezensent - ganz darauf einlässt, der wird feststellen, dass man "so kühn, so großartig" schon lange nicht mehr "überrumpelt" worden ist, "seinen Unglauben aufzugeben."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004

Gerührt ist Gisa Funck von diesem Roman A. L. Kennedys. Dabei sei der Plot - eine Radiomoderatorin, die jede Emotion aus ihrem Leben ausblendet, verliebt sich - an sich kein origineller, hätte Kennedy nicht einen "speziellen Kniff eingebaut": Der Romeo der Protagonistin ist kein anderer als Savien Cyrano de Bergerac. Und damit wird das Buch von der einfachen Liebesgeschichte zu einer "Liebeserklärung an die Literatur", die als "Mittel zur Selbsterkenntnis" fungiert, lobt Funck. Trotz einiger "Verwirrung", die beim Leser zurückbleibe, da die Heldin der Geschichte sich nicht an die Chronologie hält; trotz des Gefühls, die Geschichte sei manchmal "sehr konstruiert", kann man sich die Rezensentin eben am Ende doch nicht gegen die "Tränen der Rührung" wehren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2004

Schon wieder ein "abstruser" Roman, frohlockt die Rezensentin Ursula März, denn gerade A. L. Kennedys Art, abstrus zu sein, findet sie in höchstem Maße spannend. Jennifer und Martin, um die sich die Geschichte dreht, reihen sich für März nahtlos in die "typischen Kennedy-Gestalten mit der typischen Vergangenheit" ein. Auf der einen Seite das "Monstrum" Jennifer, Ich-Erzählerin und sadistisch angehauchter "Kontrollfreak" seit sie als Kind, wie die Rezensentin schreibt, "der Freudschen Urszene" ein wenig zu nahe gekommen ist, und - ihrer "Seelenlage" entsprechend - anonyme Nachrichtensprecherin im Radio. Auf der anderen Seite Martin, der eines Tages zu ihrem Mitbewohner wird, "multiples" Wesen in Zeit und Raum, der behauptet, der historische Cyrano de Bergerac zu sein und nebenbei wie der flammende Dornbusch im Alten Testament leuchtend auf dem Küchenstuhl sitzt. Das Besondere an diesem Roman ist für die Rezensentin, dass alle angesprochenen Ebenen - wenn auch mit einiger Mühe - durch den ganzen Roman durchgehalten werden, etwa wenn der von Jennifer verstoßene Martin in der Mitte des Romans verschwindet und eines Nachts - als Wende vom Alten zum Neuen Testament - am ganzen Körper verwundet zurückkehrt und sein Martyrium erleidet. Bei einer derartigen Konstruktion hätte sehr wohl auch "eine postmoderne Leiche" herauskommen können, schmunzelt die Rezensentin, doch Kennedy gelingt es, in der ständigen Spannung zwischen "schräg und drastisch, komisch und christlich", zwischen "Negativität" und "Erlösung" die erzählerische Kohärenz zu wahren und das "Unglück", das dem Leser auf jeder Seite begegnet, in "Glück" zu verwandeln. Zweierlei muss der Leser bei Kennedy aber unbedingt sein, meint März: "bibelfest und horrorfest".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2004

In ein abenteuerliches Konstrukt ließ sich Angela Schader von der schottischen Autorin A.L. Kennedy locken. Deren neuer Roman holt den französischen Freigeist Savinien de Cyrano de Bergerac 338 Jahre nach seinem Tod ins Glasgow der neunziger Jahre und inszeniert eine spröde Liebesgeschichte zwischen der unterkühlten, sadomasochistisch veranlagten Jennifer Wilson und dem berühmten Haudegen, berichtet die Rezensentin. Einziges Manko des Buches, das Ingo Herz "mit Brillanz" ins Deutsche übertragen hat, sei, so Schader, dass die Autorin gelegentlich versucht war, Cyranos freigeistige Gesellschaftskritik nachzuahmen und eine ähnlich satirische Haltung zur gegenwärtigen britischen Politik einzunehmen wie seinerzeit ihr Held - dies wirke wie eine "Pflichtübung" und stehe oftmals "schief im Text" Dagegen war Schader vom Aufeinandertreffen des romantischen Geistes Cyranos und dem "gefriergetrocknet funkelnden Witz" von Kennedys Heldin, die, wie die Rezensentin zitiert, sich beim Sex fühlt wie ein "Mörderwal, der verzweifelt versucht, einen Brief zu öffnen" durchweg begeistert.
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