Erich Kästner

Dr. Erich Kästners Lyrische Hausapotheke

56 Gedichte im Warschauer Getto aufgeschrieben und illustriert von Teofila Reich-Ranicki
Cover: Dr. Erich Kästners Lyrische Hausapotheke
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart 2000
ISBN 9783421053732
                         , 20,35 EUR

Klappentext

Die "Lyrische Hausapotheke" ist Erich Kästners populärster Gedichtband. Als er ihn 1936 zusammenstellte, lebte er seit drei Jahren in Unsicherheit und Angst. 1933 waren seine Bücher verbrannt und er mit Publikationsverbot belegt worden. Im Warschauer Getto erhielt Teofila Langnas vorübergehend ein dorthin gelangtes Exemplar. Sie übertrug es kalligraphisch und schmückte es mit farbigen Vignetten. Diese Abschrift schenkte sie 1941 Marcel Reich-Ranicki, ihrem Freund und späteren Mann, zu dessen 21. Geburtstag. Gemeinsam lasen sie deutsche Gedichte, als ihnen ein deutscher Tod drohte. Mit einem Vorwort von Salomon Korn und einem Auszug aus der Biografie Marcel Reich-Ranickis.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2000

Herausgeber Salomon Korn hat die Rezension geschrieben. Er fragt sich zunächst, weshalb es ausgerechnet die Lyrik Erich Kästners war, die für das Ehepaar Reich-Ranicki im Warschauer Getto von so grosser Bedeutung war, und nicht etwa die "erhabene Lyrik" etwa von Eichendorff oder Rilke. Er erklärt sich dies so, dass Kästner in seiner "Lyrischen Hausapotheke" die Sorgen des Alltags benennt und gerade dieses Benennen möglicherweise geholfen hat, die Last einen Hauch erträglicher zu machen. Besonders aufschlussreich ist für ihn dabei sowohl die Auswahl Marcel Reich-Ranickis von 1941, wie auch die Anstreichungen von Tosia Reich-Ranickis aus der Zeit nach dem Krieg. Dies lasse einen Einblick in die jeweile "Seelenlage" zu. Tosia Reich-Ranicki bestätigt dies indirekt mit ihrer Anmerkung, dass sie sich bisweilen "`seelischen Nachhilfeunterricht von Erich Kästner`" erhofft hatte. Korn zeigt sich in seiner Rezension spürbar bewegt von dieser Faksimile-Ausgabe und der Geschichte dieses Heftes. Wichtig sei jedoch, dass man es nicht wörtlich, sondern vor allem "atmosphärisch" lese.

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