Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Die Begierde nach Wirkung

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

22.12.2012. Rainald Goetz, oberster Suhrkamp-Prozessbeobachter, meldet sich in der SZ doch noch zu Wort, mit "schlimmen Geschichten" über Investor Hans Barlach, dem er überdies vorwift, dem Verlag wirtschaftlich schwer zu schaden. Die Welt buddelt dagegen weiter nach Material, das Ulla Berkewicz den Anspruch streitig machen könnte. Ansonsten lauscht sie hingerissen den "Stalinorgeln des britischen Spätfeudalismus". Die NZZ verfolgt die Tragödie der Brüderlichkeit von Thomas und Heinrich Mann. Die taz fragt, was die Rückkehr der Kreativen aus Berlin-Mitte in die City-West für die kapitalistische Ausdifferenzeierung der Stadt bedeutet.

Welt | TAZ | NZZ | SZ | FAZ

Welt, 22.12.2012

Elmar Krekeler stürzt sich über Weihnachten freudig ins "Delirium der Nostalgie", mit Lady Violet Grantham und den anderen Herrschaften der Aristokraten-Soap "Downton Abbey": "'Ich empfinde Sehnsucht', stößt sie hervor aus dem in feinen Falten liegenden, spitzlippigen Gehege ihrer Zähne, 'nach einer einfacheren Welt. Ist das ein Verbrechen?" Diese Stalinorgel des britischen Spätfeudalismus ist eine von uns. Wir sind nämlich genauso. Wir empfinden auch Sehnsucht nach einer einfacheren Welt. Sonst säßen wir nicht hier, hätten uns gerade zweieinhalb Folgen und fast drei Stunden lang mit wachsender Abhängigkeit Julian Fellowes' Fernsehserie 'Downton Abbey' ausgesetzt."

Richard Kämmerlings lässt in der Causa Suhrkamp nicht locker und antwortet Frank Schirrmacher, der in der FAZ Ulla Berkewiczs Anspruch auf die Führung des Suhrkamp Verlags quasi höchstinstanzlich legitimieren wollte. Nach dem Willen Siegfried Unselds, meint Kämmerlings, sollte Berkwicz die Stiftung führen, nicht den Verlag: "An die Autoren hatte Unseld noch im Dezember 2000 geschrieben 'Die Stiftung wird nicht in die operativen Geschäfte der Verlage eingreifen' und unmittelbar danach Berg zum Verlagsleiter ernannt."

Weiteres: Als infernalisches Weihnachstmärchen goutiert Ulrich Weinzierl Ewald Palmetshofers in Wien uraufgeführtes Stück "räuber.schuldengenital" über schrecklich Alte, die Geld, Liebe und Sex haben und einfach nicht sterben wollen. Eva Munz berichtet von der Kritik an Kathryn Bigelows Film "Zero Dark Thirty" über die Jagd auf Osama bin Laden, weil der Film nahelege, unter Folter erpresste Aussagen hätte die CIA auf die Spur gebracht. Ulrich Goll trifft den Koch Tim Raue im Charlottenburger Good Friends. Besprochen werden eine Amsterdamer "Zauberflöten"-Aufführung und Peter Konwitschnys "Faust"-Inszenierung in Graz.

Die Literarische Welt übernimmt aus der NY Review of Books einen Essay des polnischen Philosophen Leszek Kolakowski über die Frag, ob Gott glücklich sein kann. Besprochen werden unter anderem Alexis Jennis Roman "Die französische Kunst des Krieges" über Frankreichs Kolonialkriege, Ernst Baltruschs Herodes-Biografie und Claudia Lanfranconis Porträts "Legendäre Gastgeberinnen und ihre Feste".

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TAZ, 22.12.2012

Für Ronald Berg markiert der Weggang der gefeierten Fotogalerie C/O Berlin aus Mitte in die City West das Ende einer Nachwende-Epoche mit Berlin-Mitte als "Tummelplatz für Kreative". "Kapitalistische Normalität kehrt ein", schreibt er im Kulturteil der Berliner Ausgabe und prognostiziert einen neuen Aufstieg der zuletzt eher abgehängten Gegend im Westen der Stadt: "Die City West scheint für unternehmerische und kreative Besetzungen ... inzwischen offener als die alte Stadtmitte ... Die City West muss man nicht neu erfinden, sie wartet nur darauf, ihre alte Rolle wieder einzunehmen. Mit anderen Worten: Die hierarchische Ausdifferenzierung der Stadt in Zentrum und Peripherie und die soziale in Arm und Reich ist in vollem Gange."

Außerdem: Arno Frank begibt sich auf Spurensuche nach den Wurzeln des Evergreens "House of the Rising Sun". Robert Miessner wohnt in Leipzig einem Gedenkabend zu Ehren von Tomaz Hostnik, dem ersten Sänger von Laibach, der sich vor 30 Jahren umgebracht hat, bei.

Besprochen werden Ang Lees Verfilmung von Yann Martels Roman "Schiffbruch mit dem Tiger" und Bücher, darunter Claudia Lanfranconis Studie über "Legendäre Gastgeberinnen und ihre Feste", die bei Jenni Zylka dekadente Sehnsüchte weckt (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

Stichwörter: Berlin, Arno Frank, Leipzig, Sänger

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NZZ, 22.12.2012

Die 81 Postkarten von Thomas an Heinrich Mann, die sich jüngst im Nachlass von dessen Tochter Leonie fanden, geben einen faszinierenden Einblick in die Geschwisterbeziehung beziehungsweise, in Thomas Manns Worten, "die Tragödie unserer Brüderlichkeit", berichtet Roman Bucheli. Der Umgangston ist überwiegend herzlich, lässt aber auch harte Kritik zu: "Es sei 'die Begierde nach Wirkung, die Dich corrumpirt', schrieb er Heinrich im Dezember 1903 zu dessen Roman 'Die Jagd nach Liebe', und setzte gar noch eins obendrauf: 'Was Du machst, ist krank.'" Eine Auswahl der Postkarten ist noch bis zum 4. Januar 2013 im Buddenbrookhaus ausgestellt.

Weiteres: Die Flut von Erinnerungsbüchern in den USA hat mittlerweile Tsunamistärke erreicht, meldet Andrea Köhler und sieht die Ursache in einer Trias aus "Trauer, Therapie und Triumph". Jan-Heiner Tück, Professor für dogmatische Theologie in Wien, versucht zwischen fundamentalistischen Christen und Atheisten zu vermitteln, indem er auf ihre Gemeinsamkeit verweist: den insgeheimen Zweifel an ihrer Ideologie. Die Alttestamentler Othmar Keel und Florian Lippke referieren die Geschichte von Mondgottheiten in altorientalischen Kulten. Thomas Burkhalter schreibt einen Nachruf auf die Berner Harfenistin Asita Hamidi.

Besprochen werden zwei Stücke junger Autoren am Wiener Akademietheater: "räuber.schuldengenital" von Ewald Palmetshofer (zu dem Barbara Villiger Heilig genervt anmerkt: "Nicht alles, was geschrieben wird, muss auch gespielt werden") und "Einige Nachrichten an das All" von Wolfram Lotz (in dem die begeisterte Barbara Villiger Heilig "Theater als Summe seiner Möglichkeiten" erlebt), außerdem eine Kopenhagener Ausstellung über den exzentrischen Theatermann Herman Bang und Bücher, darunter der biografische Roman "Ein ganzer Mann" von David Lodge über den britischen Autor H. G. Wells (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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SZ, 22.12.2012

Kaum ein Artikel über Suhrkamp ohne Hinweis auf den im Berliner Landgericht eifrig mitschreibenden Rainald Goetz: Jetzt meldet sich der Gerichtsreporter und Suhrkamp-Autor im seitenfüllenden Gespräch mit Thomas Steinfeld zu Wort. Erwartungsgemäß positioniert er sich strikt Pro-Unseld-Berkéwicz, singt ein Loblied auf den in den vergangenen Jahren zu neuem Leben erwachten Verlag und wundert sich, dass der an Rentabilität so interessierte Barlach mit seinen Interventionen die Geschäftstüchtigkeit des Verlags erst recht beeinträchtige. Viele gute Worte hat Goetz nicht für ihn übrig: "Es gibt nur schlimme Geschichten über ihn, und wenn man ihn sieht, glaubt man sie alle. ...  Ich habe ihn in einer Prozesspause angesprochen, was er seine Anwälte da für einen wahrheitswidrigen Unsinn erzählen lässt. Da reagiert er wie ein stumpfer Automat, redet sofort von seinen Rechten, die er ja nur in Anspruch nimmt. Er ist auch noch ein Wimp, nicht nur ein Rechtsquerulant, ein Feigling, ein unsicherer Mensch. Aber egal! Wir selber sind ja auch alle leicht kontaktgestört, unoffen, überobsessiv. Alles Dinge, die man im Interesse der Sache mal probeweise zur Seite drängen könnte."

Außerdem: Andrian Kreye schaut sich im boomenden Segment der Pop- und Rockklassiker-Neuauflagen um. Dazu passend würdigt Michele Mari Pink Floyd. Wolfgang Schreiber gratuliert dem Musiker und Komponist Friedrich Schenker zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden eine Doppelausstellung mit Arbeiten von Neo Rauch und Rosa Loy in den Kunstsammlungen Chemnitz, Andreas Homokis "Fliegender Holländer" am Opernhaus Zürich (das hier ein Blog zur Inszenierung führt), die Uraufführung von Ewald Palmetshofers neuem Stück "räuber.schuldengenital" am Wiener Akademietheater, Luigi Nonos in Weimar aufgeführte "Erleuchtete Fabrik" und Bücher, darunter eine illustrierte Ausgabe von Adelbert von Chamissos "Reise um die Welt" (mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr).

Die SZ am Wochenende befasst sich auf acht, teils Kopf stehenden Seiten mit den Gegensätzen zwischen Arm und Reich.

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FAZ, 22.12.2012

Jordan Mejias informiert über die Folterdebatte, die Kathryn Bigelows Film "Zero Dark Thirty" in den USA losgetreten hat. Die Debatte wird dadurch begünstigt, dass der Film ein "Rorschachtest" ist, in dem jeder sieht, was er sehen will, meint Mejias: "Im New Yorker versichert Bigelow, der Film enthalte sich jedes Urteils. Das Filmportal The Wrap zitiert [den Drehbuchautor Mark] Boal mit dem Rat, den Film als Film zu sehen und eben nicht als Abschussrampe für eine politische Erklärung. Aber geht das überhaupt? Ist nicht schon die Weigerung, eine klare Position zu beziehen, ein halbes Ja zur Folter?" Einen umfassenden Überblick über die ersten, internationalen Stimmen zum Film finden wir hier.

Weiteres: Neun FAZ-Autoren machen sich Gedanken über die Ursachen für die seit Jahren abnehmende Geburtenrate. Die Saucen, die Jürgen Dollase bei Harald Wohlfahrt von der "Schwarzwaldstube" im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn kredenzt bekommt, schmecken "frischer, transparenter und belebter denn je und vor allem klischeefrei". Besprochen werden die Uraufführung von Ewald Palmetshofers an Schiller angelehntem Stück "Räuber.Schuldengenital" in Wien ("Für zwei Stunden hat man ein bisschen was zu lachen und wenig zum Grübeln danach", bilanziert Martin Lhotzky) und Bücher, darunter Christa Wolfs nachgelassene Erzählung "August" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In Bilder und Zeiten möchte Uwe Ebbinghaus die These verteidigen, "dass Weihnachten die analogste Zeit des Jahres ist", weist aber zugleich nach, dass bereits das Weihnachtsfest bei den Buddenbrooks nicht ohne digitale Drehorgel und augmented reality auskam. Tilman Spreckelsen denkt über das ambivalente Motiv des Schatzes in alten und modernen Märchen nach. Das Krönungsevangeliar aus der Palastschule Karls des Großen erscheint in einer prächtigen Faksimile-Edition, berichtet Hubert Spiegel: "Das Faksimile des Krönungsevangeliars ist eines der teuersten und aufwendigsten Projekte seiner Art. Nur 333 Exemplare beträgt die Auflage, der Preis liegt bei knapp dreißigtausend Euro, Ratenzahlung ist möglich."

Besprochen werden neue CDs, darunter das vierte Solorecital der Pianistin Dina Ugorskaja mit Beethovens Klaviersonaten Nr. 29 und 32, die sie laut Eleonore Büning "mit Detmolder Intelligenz und russischer Pranke" meistert. Tobias Rüther unterhält sich it Tocotronic über ihr bevorstehendes zwanzigjähriges Band-Jubiläum und das neue Album "Wie wir leben wollen", das im Januar erscheint.

In der Frankfurter Anthologie stellt Henning Heske das Gedicht "Groß-Stadt-Weihnachten" von Kurt Tucholsky vor:

"Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.
..."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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