Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 10.16 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Warum wird gerade die eingeladen?

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

03.09.2010. Die taz porträtiert den chinesischen Literaturwissenschaftler Yu Jie, der gerade ein Buch über den "größten Schauspieler" Chinas veröffentlicht hat: Premierminister Wen Jiabao. Es gibt auch Unterlassungsrassismus, hält der Philosophieprofessor Markus Tiedemann den Verfechtern multikultureller Toleranz entgegen. Die NZZ liest Necla Keleks Heft über den Freiheitsbegriff des Islam. Slate findet unerwartete Leser-Communities in Zeitungen aus dem 18. Jahrhundert. In der SZ beklagt die Theaterregisseurin Anna Bergmann Deutschlands durchkonventionalisierte Stadttheaterlandschaft.

Frankfurter Rundschau, 03.09.2010

Markus Tiedemann, Professor für Philosophiedidaktik in Mainz, erklärt in zwei Absätzen den Unsinn von Thilo Sarrazins Vererbungstheorien und wendet sich dann einigen Sarrazin-Kritikern zu, deren "Unterlassungsrassismus" er keinen Deut sympathischer findet: "2007 versuchte Pascal Bruckner, ein Vertreter der französischen Nouvelle Philosophie, die Selbstgefälligkeit der Political Correctness zu erschüttern. Seine These vom 'Rassismus der Antirassisten' entlarvt die negative Dialektik multikultureller Toleranz. Die erste Ebene bezeichnet Bruckner als das Paradoxon des Multikulturalismus. Dieser gewährt allen Gemeinschaften die gleiche Behandlung, nicht aber den Menschen, aus denen sie sich zusammensetzen, denn er verweigert ihnen die Freiheit, sich von ihren eigenen Traditionen loszusagen. Auf der zweiten Ebene offenbart sich ein Kulturchauvinismus, der sich durchaus mit der Rassentrennung der US-amerikanischen Südstaaten oder der Apartheit in Südafrika messen kann. Wer heute behautet, 'die Muslime' seien noch nicht so weit, um ihnen die Errungenschaften der Moderne wie Emanzipation oder Meinungsfreiheit zuzumuten, unterscheidet sich wenig von jenen Stimmen, die damals den Schwarzen die Reife absprachen, das Wahlrecht auszuüben."


Weitere Artikel: Daniel Kothenschulte sah in Venedig Darren Aronofskys "Black Swan" und Julian Schnabels "Miral", den er "betont ausgewogen" fand. Auf der Medienseite klopft Arno Widmann sich und den Journalistenkollegen auf die Schulter, weil sie "Sarrazin zu Fall brachten".

Besprochen werden Adam Greens Konzert im Frankfurter Mousonturm und Markus Feldenkirchens Debütroman "Was zusammengehört" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 03.09.2010

Auf den Tagesthemenseiten porträtiert Jutta Lietsch den chinesischen Literaturwissenschaftler und Mitbegründer des chinesischen PEN-Zentrums Yu Jie, dessen jüngstes Buch mit dem Titel "Chinas größten Schauspieler: Wen Jiabao" in Hongkong sofort ausverkauft war, in China dagegen bloß als Raubkopie zirkuliert. Denn Kritik an Chinas Regierungschef ist dort natürlich tabu. "Es ist eine merkwürdige Situation, typisch für das so verwirrend und widersprüchlich erscheinende politische Klima Chinas im Sommer 2010: Da sitzt Yu Jie, ein zierlicher Mann mit schlichter Brille und leichtem Sprachfehler, in einer gemütlichen Sitzecke des Buchladens und gibt ausländischen Medien ein Interview nach dem anderen über ein Buch, das in diesem Geschäft nicht verkauft werden und über das in chinesischen Zeitungen nicht geschrieben werden darf."


Im Kulturteil Besprechungen. Vorgestellt werden das neue Album "Ivory Tower" des Pianisten Chilly Gonzales, das von einem Film begleitet wird, sowie Alben von David Dondero, Pete Molinari und The R.G. Morrison. Johanna Schmeller schreibt über das Projekt Kulturfiliale in Hannover, das seinen Aktionsradius auch in Schrebergärten ausgeweitet hat: Dort zeigen sie, wie das "Phänomen Rückzugsort früher oder später zum Präsentierteller des eigenen Verfalls" wird.

Hinweisen wollen wir noch auf Inga Roggs Text über die Flucht der Christen aus dem Irak aus der gestrigen Ausgabe: "Die Gründe für den Exodus sind vielfältig. Aber wie zu Zeiten des Osmanischen Reichs steht heute das multireligiöse und -kulturelle Erbe eines Landes auf dem Spiel."

Und Tom.

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Weitere Medien, 03.09.2010

Schon Anfang des 18. Jahrhunderts gab es Leser-Communities - in Zeitungen. Das hat Slates Jack Shafer in Thomas C. Leonards 1995 erschienenem Buch "News for All" gelesen: "Leonards Beispiel ist der Boston News-Letter, der erstmals 1704 veröffentlicht wurde. Sein Eigentümer John Campbell ließ absichtlich Weißraum auf den Seiten, so dass die Abonnenten dort kommentieren, Ideen oder weitere Neuigkeiten aufschreiben konnten. Diese Notizen gingen nicht ins Leere. Zeitungen wurden gewöhnlich nach der Lektüre weitergereicht und die Anmerkungen der Leser erbauten Freunde und Bekannte."

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Die Welt, 03.09.2010

In Interview mit Natasha Raiss spricht der Regisseur Jafar Panahi ("Offsiede", "Der Kreis") über seine derzeitige Situation im Iran. Da ihm die Behörden seinen eingezogenen Pass nicht aushändigen, konnte er trotz Einladung nicht zu den Filmfestspielen von Venedig reisen (wie zuvor auch schon nicht nach Berlin und Cannes). Mundtot machen lassen will er sich aber nicht: "Wenn ich nicht reden soll, wenn ich keine Filme drehen soll, wenn ich in keiner Weise meine Meinung äußern darf, dann kann ich doch gleich durchdrehen und sterben. Ich will mir selbst und meinem Beruf treu bleiben."


Weiteres: Ulf Poschardt ist erleichtert, auch unter Michael Naumann bleibt das Magazin Cicero konservativ: "Nur eben weniger christlich-konservativ als vielmehr Gustav-Noske-mäßig konservativ." Manuel Brug beobachtet, wie die großen Opernproduktionen zunehmend von der Bühne  weg hin zur DVD drängen. Josef Engel sieht im Pianisten Vijay Iyer eine Hoffnung für den Jazz. Hannes Stein war Fliegenfischen.

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Aus den Blogs, 03.09.2010

Lanvins Alber Elbaz ist der nächste Designer, der eine Kollektion für H&M entwirft. Am 20. November soll sie ausgeliefert werden. Und ja, das ist offiziell. Die Modewelt ist hingerissen und das sollten auch Sie sein.


Der amerikanische Comicautor Vincent Stall hat Franz Kafkas "Kleine Fabel" neu erzählt. Eric Ketzan zeigt sie uns in The Modern Word.

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Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2010

Beat Stauffer bespricht Necla Keleks Vontobel-Heft über den Freiheitsbegriff des Islam. Danach haben nicht die Rechte des Individuums Vorrang, sondern die Pflichten gegenüber dem Glauben; die "Freiheit", so Kelek, bestehe nur im bewussten Bekenntnis zum Islam: "Keleks Folgerungen sind klar: Der Islam sei 'in dieser Form' nicht in eine demokratische Gesellschaft integrierbar, ja er stelle in seinem ganzen Wesen einen 'Gegenentwurf' zur aufgeklärten, säkularisierten Zivilgesellschaft dar. Die Autorin nimmt damit die schon vor mehr als zehn Jahren vom Göttinger Politikwissenschafter Bassam Tibi geäußerte These auf, dass die Integration der Muslime ohne eine europäische Leitkultur unmöglich sein werde."


Weitere Artikel: Daniela Meyer berichtet, dass im Baseler Quartier St. Johann im Zuge der Tieferlegung der Stadtautobahn und dem Umbau des Novartis-Viertels drei große Wohnanlagen entstanden sind. Marco Frei stellt den Cellisten Nicolas Altstaedt vor. Erika Achermann besucht  das im Geburtshaus von Elias Canetti im bulgarischen Ruse entstandene Kulturzentrum.

Besprochen werden die Ausstellung über den Architekten Richard Neutra "Bauten und Projekte 1960-1970" im Schweizerischen Architekturmuseum Basel, die Konzertreihe "Klassik hat Zukunft" in der Tonhalle-Orchester Zürich unter dem Jungdirigenten Simon Gaudenz, der Auftritt der Berliner Philharmonie mit Dirigent Simon Rattle beim Lucerne Festival; außerdem die zwei neuen Gesamteinspielungen von Haydns "Londoner Sinfonien" vom Radio-Sinfonieorchester Stuttgart unter der Leitung von Roger Norrington und die kulturgeschichtliche Abhandlung "Im Wald der Metropolen" von Karl-Markus Gauss (Mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 03.09.2010

Im Gespräch klagt die durchaus erfolgreiche Jungregisseurin Anna Bergmann über die durchkonventionalisierte Stadttheaterlandschaft: "Nehmen Sie meine Inszenierung 'Bunbury' vom Thalia Theater, die zum Festival Radikal jung nach München eingeladen wurde. Eine Scheiß-Inszenierung. Warum wird gerade die eingeladen? Ich habe große Stücke in der Provinz inszeniert, aber nie ist irgendjemand von einem größeren Haus angereist und hat sich eine Arbeit von mir angeschaut. Es werden immer nur die gleichen großen Eckpfeiler Deutschlands abgeklappert. Und daraus soll sich der Regienachwuchs entwickeln?"

 
Weitere Artikel: Andrian Kreye versucht zu verstehen, warum Thilo Sarrazins Buch so ein Erfolg ist und kommt zu dem Schluss, dass die amerikanische Bestsellerkultur die Vorlage dafür geliefert habe, die mit flinker Nadel aus Fakten und Pseudofakten Thesen zu stricken verstehe. Tobias Kniebe hat in Venedig den neuen Kurzfilm "Das Akkordeon" des in diesem Jahr lang inhaftierten iranischen Regisseurs Jafar Panahi gesehen und stellt nach einem Telefongespräch mit Panahi fest: "So spricht keiner, den der Mut verlassen hat." Arne Perras referiert den Bericht der Vereinten Nationen zur Lage Kongos, in dem Präsident Paul Kagame in äußerst kritischem Licht dasteht. Günter Kowa warnt vor Kürzungen der Städtebauförderung. Volker Breidecker gratuliert dem uruguayischen Schriftsteller Eduardo Galeano zum Siebzigsten.

Besprochen werden Ausstellungen von Monica Bonvicini und Matias Faldbakken im Fridericianum in Kassel, eine Ausstellung der Künstlerin Alice Neel in der Londoner Whitechapel Gallery und Bücher, darunter Hanns-Josef Ortheils neuer Roman "Die Erfindung des Lebens" (mehr dazu in der Bücherschau ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2010

Nachgerade peinlich findet Michael Althen den in Venedig gezeigten neuen Film des Maler-Regisseurs Julian Schnabel: "Von Julian Schnabels neuem Film 'Miral" kann man getrost sagen, dass er überhaupt nur einen einzigen Ton findet, um die Geschichte von vier Palästinenserinnen von der Gründung des Staates Israel 1948 bis zum Osloer Abkommen 1994 zu erzählen. Das ist allen besten Absichten zum Trotz fatal. ... Herausgekommen ist dabei ein Film von unerträglich propagandahafter Eintönigkeit, bei dem die Einstellungen des sonst so brillanten Kameramanns Eric Gautier zu geradezu lachhaften Genreszenen gerinnen, bei denen die Israelis immer nur die Schufte und die Frauen immer die Opfer sind."


Weitere Artikel: In ihrer "Aus dem Maschinenraum"-Kolumne fragt Constanze Kurz nach, was nun eigentlich mit der im Koalitionsvertrag versprochenen "Stiftung Datenschutz" ist - und macht Vorschläge für ihre sinnvolle Einrichtung. Eduard Beaucamp plädiert ein weiteres Mal dafür, die Berliner Gemäldegalerie ("eine der sechs besten Sammlungen der Welt") statt irgendwelcher abstrakter Humboldt-Ideen im neuen "Pseudo-Schloss" unterzubringen. In der Glosse mokiert sich Klaus Ungerer über die Propagatoren eines Weltraumprogramms für Afrika. Mark Siemons notiert, dass chinesische "World of Warcraft"-Spieler sich Rollennamen wie Freiheit leider nicht geben dürfen. Joachim Müller-Jung meldet heftige Proteste des Biologenverbands gegen Thilo Sarrazins biologische Thesen. Lorenz Jäger schreibt zum Tod des interreligiösen Gurus Raimon Panikkar.

Besprochen werden ein Konzert der Berliner Philharmoniker mit Schönberg und Strauss beim Festival in Lucerne, eine Ausstellung mit Werken des dänischen Malers Christian Kobke in der National Gallery of Scotland in Edinburgh, Benny Jagerbergs und Pascal Hoffmanns Daniel-Schmid-Doku "Le chat qui pense" (mehr) und Bücher, darunter Joachim Geils Romandebüt "Heimaturlaub" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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