Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 08.02.2012, 16.40 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Ein feiner Herr

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

02.09.2010. In der Welt fragen Monika Maron und Necla Kelek, wann wir über die interessanten Seiten in Thilo Sarrazins Buch diskutieren. In der taz erklärt der Politikwissenschaftler Markus Linden, warum Sarrazin gut für die Demokratie ist. Die NZZ betrachtet leicht amüsiert den roten Kopf des "sittlichen" Deutschlands. In der SZ erkennt der Philosophieprofessor Christian Illies, dass es beim Streit um "Stuttgart21" um das gesellschaftliche Selbstverständnis der Stuttgarter Bürger geht. In der FAZ erklärt die Intelligenzforscherin Elisabeth Stern, wie gesellschaftliche Verdummung zustande kommt. Die Zeit blickt in deutsche Redaktionsstuben und sieht nur urdeutsche Mittelschicht.

Die Welt, 02.09.2010

Auf den Forumsseiten springen Necla Kelek und Monika Maron im Interview Thilo Sarrazin zur Seite.


"Sarrazin ist, wenn ich das so sagen darf, ein feiner Herr", meint Kelek und fragt, welchen Beitrag die SPD eigentlich zur Integrationsdebattte geleistet hat: "Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel war in NRW zwar häufig bei Moscheebesuchen zu beobachten, zum Islam aber und zur Rolle dieser Religion bei der Desintegration von Migranten schweigt die Partei seit Jahren. Dieses Thema überlässt man den Genossen Ali und Kenan, noch besser den Türkenverbänden, deren Sprecher sich in der SPD wie Vormünder schützend vor ihre Klientel stellen und jedes Problem leugnen."

Und Monika Maron möchte wieder zur Sache zurückkommmen: "Dass er sich bei seinen Studien von dem Wissenschaftsstreit um Vererbung von Intelligenz hat faszinieren lassen und mit seinen Erkenntnissen unscharf, vielleicht auch fahrlässig umgeht, ist schade, ändert aber am Wahrheitsgehalt seiner Zustandsanalyse nichts, auch nichts an seinem Befund einer gescheiterten Integration großer Teile der muslimischen Zuwanderer. Warum attestieren wir Sarrazin nicht mangelnde Kompetenz in der Vererbungstheorie und sprechen endlich offen über das, was viele beunruhigt: die zunehmende Konfessionalisierung der Gesellschaft, die unbezahlbaren Transferleistungen, die Bildungsdefizite und Kriminalität muslimischer Jugendlicher? Alle Bemühungen und Geldleistungen haben an dem lange bekannten Zustand nichts oder wenig geändert. Was muss geschehen?"

Im Feuilleton trifft sich Marc Reichwein mit dem Blogger und Handke-Fan Lothar Struck ("Ich find' den späten Handke ja viel besser als den ganz frühen."). Gerhard Gnauck berichtet, dass Danzigs Museum des Zweiten Weltkriegs von einem Architekturbüro aus Gdynia gebaut werden wird. Peter Zander berichtet von der Eröffnung der Filmfestspiele in Venedig.  Peter Praschl stellt die Seite Unhappy Hipsters vor, die gegen Leute in superschicken Apartments zielt. Mara Delius kündigt die Rückkehr des Preppy Chics an.

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Frankfurter Rundschau, 02.09.2010

Der Dirigent, Komponist und Artist in Residence beim Frankfurter "Auftakt" 2010 Beat Furrer erinnert sich im Interview daran, wie erstaunt er war, als sein Lehrer Roman Haubenstock-Ramati ihm einmal sagte: "'Wir hatten es viel leichter als ihr.' Ich glaubte, keine Generation hätte es schwerer gehabt als die, die in ihren besten Jahren unter Nationalsozialismus, Krieg und Vertreibung zu leiden hatte. Doch Haubenstock-Ramati meinte, dass Künstler seines Alters voller Hoffnung auf einen Neuanfang waren und erst die Späteren die Enttäuschungen und Ernüchterungen der Moderne zu spüren bekamen. Die ganz große Emphase des künstlerischen Aufbruchs können wir eben nicht mehr nachvollziehen."


Kein Problem für Anca Petrescu, die Thomas Schmid in Ceausescus gigantomanischem Palast "Haus des Volkes" besucht hat: "Im Jahr 1981 hat sie als 32-jährige Architektin den Wettbewerb gewonnen. Sie durfte den Palast bauen. Es war eine große Überraschung, zumal sie auch unter Architekten weithin unbekannt war. [...] Der Palast wurde zu ihrer Lebensaufgabe. Er ist ihr Werk, ihre Schöpfung. 'Ich habe mit viel Leidenschaft gearbeitet, sieben Tage die Woche, ohne Urlaub, nur einmal nahm ich eine Woche frei, um meine Tochter zur Welt zu bringen', berichtet Petrescu, eine resolute, selbstbewusste Frau, in fließendem Deutsch, 'es gibt ein Foto, auf dem ich hochschwanger auf einem Baugerüst jongliere.'"

Weitere Artikel: Arno Widmann hat Zweifel, ob der Irakkrieg wirklich beendet ist, wie Präsident Obama gerade verkündet hat. Der Germanist Manfred Schneider schüttelt sich vor Ekel über Thilo Sarrazin und besonders die amerikanischen Autoren, die er als Sarrazins Vorläufer ansieht: Bruce Bawer, Walter Laqueur, Mark Steyn und Christopher Caldwell (zumindest letzterer hat in englischen und amerikanischen Zeitungen wie dem Guardian, dem New Statesman, der New York Times, dem New Humanist und Stephen Colbert eine leicht differenziertere Aufnahme gefunden).

Besprochen werden Jasmila Zbanics Film "Zwischen uns das Paradies", Jon Turteltaubs Film "Duell der Magier" mit Nicholas Cage und Alfred Molina, Nanette Bursteins Filmkomödie "Verrückt nach dir" mit Drew Barrymore und Thomas Eloy Martinez' Roman "Purgatorio" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 02.09.2010

Auf der Meinungsseite erklärt der Politikwissenschaftler Markus Linden, weshalb Thilo Sarrazins "völkisch inspirierter Amoklauf" gut für die Demokratie ist: "In einer argumentative Debatte, die sich daraus entspinnt, lassen sich die Ansichten eines Thilo Sarrazin ebenso disqualifizieren wie der Chauvinismus eines Geert Wilders. Der bloße moralisierende Rückgriff auf die Vokabeln der Political Correctness hilft hingegen wenig. Wer sich auf den Vorwurf des Rassismus und des Populismus beschränkt, bestärkt für viele eher den Eindruck, hier spreche jemand unterdrückte 'Wahrheiten' aus."


Im Kulturteil berichtet Cristina Nord von den Festspielen in Venedig über Darren Aronofskys Psychothriller "Black Swan", Andrew Laus Actionspektakel "Legend of the Fist: The Return of Chen Zhen" und Robert Rodriguez' Rachefantasie "Machete".

Besprochen werden zwei Choreografien, die an den im vergangenen Jahr gestorbenen Tänzer Merce Cunningham erinnern, Jasmila Zbanics Spielfilm "Zwischen uns das Paradies" über die Auswirkungen islamisch-wahabitscher Verhaltensnormen auf ein Liebespaar im heutigen Bosnien, Nicholas Stollers Film "Männertrip", Lorenz Knauers Porträtfilm "Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall" über die berühmte Schimpansenforscherin und das Buch "Viva Fotofilm - Bewegt/unbewegt" über eine wenig beachtete, aber durchaus reizvolle Kunstform (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr)

Und Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2010

Das haben wir gestern nicht gesehen: Auf den vorderen Seiten schrieb Jürg Dedial über die Sarrazin-Debatte in Deutschland: "Das sittliche Deutschland kann jetzt mit den Vokabeln der Unerträglichkeit und der weit übertretenen Grenzen und roten Linien versuchen, Sarrazin mundtot zu machen. In diesem Milieu der Korrektheit, zu dem auch das politische Establishment zu zählen ist, gehört dies zum Alltag. [...] Freilich hat sich unseres Wissens bis jetzt keine dieser führenden politischen Figuren ernsthaft mit den tiefer liegenden Fragen auseinandergesetzt, die Sarrazin schon seit längerer Zeit aufwirft."


Im Feuilleton schildert Beat Stauffer, wie Aktivisten in Marokko und Algerien gegen die vom Staat rigide durchgesetzte Einhaltung des Ramadan vorgehen: "Der Journalist und Blogger Najib Chaouki hat kurz vor Beginn des diesjährigen Fastenmonats ein Diskussionsforum auf Facebook ins Leben gerufen, das sich Moroccans for the right not to fast nennt. Chaouki hat nach eigenen Angaben neben Zustimmung viele hasserfüllte Mails und gar Morddrohungen erhalten. Das hält ihn aber nicht davon ab, für das Anliegen weiterzukämpfen. 'Wir wollen nicht durch Aktionen provozieren, sondern eine öffentliche Debatte über individuelle Freiheiten auslösen', sagt Chaouki."

Weiteres: Jürgen Tietz stellt die Arbeit der Berliner Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton vor. Ludger Lütkehaus verarbeitet den 100 Kilometer langen Stau in China. Besprochen Dani Levys Satire "Das Leben ist zu lang", Laurent Tirards Comicverfilmung "Der kleine Nick", Gershom Scholems Geschichte des Davidsterns "Das Davidschild" und Daniel Zahnos Roman "Rot wie die Nacht" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 02.09.2010

Der Philosophieprofessor Christian Illies erkennt, dass es im Streit um das Bahnhofsprojekt "Stuttgart21" um mehr geht als um Architekturfragen: "Solche moralische Aufladungen kennen wir vornehmlich beim Aufeinanderprallen von Weltbildern, also etwa bei Diskussionen um Schulpolitik oder Gerechtigkeitsfragen. Das legt nahe, auch bei den Architekturdebatten weniger einen ästhetischen Dissens als einen grundsätzlichen Streit um unser gesellschaftliches Selbstverständnis zu vermuten."


Amin Farzanefar spricht mit dem iranischen Dokumentarfilm-Regisseur Bahman Kiarostami über die Situation von Dokumentarfilmern im Iran und über das Internet, das 2009 so wichtig wurde: "Nehmen Sie den enormen Einfluss der Filme über die Wahlunruhen 2009 - In Abwesenheit der internationalen Medien mit dem Handy aufgenommen. Die ersten waren rohe Dokumente, dann wurde das Material bearbeitet, geschnitten, kommentiert. Wir Profis sahen auf einmal eine Möglichkeit, an die wir vorher nicht gedacht hatten. Inzwischen läuft der Vertrieb zu 90 Prozent über das Netz."

In der Vorbemerkung zum Interview erwähnt Farzanefar iranische Dokumentarfilmer aus der Zeit vor dem Schah, die uns neugierig gemacht haben: Kamran Shirdel und sein Film "The Night it rained" (1967), der einer Zeitungsmeldung über ein Zugunglück nachgeht:



und Forough Farrokhzads Filmpoem über eine Leprakolonie, "The house is black" (1962). Hier ein Auszug:



Weitere Artikel: Tobias Kniebe macht sich locker für die Filmfestspiele in Venedig. Eine Meldung informiert uns, dass der iranischen Filmemacher Jafar Panah, der weder zur Berlinale noch nach Cannes reisen durfte, auch nicht nach Venedig darf. Helmut Mauro bricht eine Lanze für Arvo Pärts Vierte Symphonie: Edelkitsch, und doch... Ralph Jentsch feiert die Wiederentdeckung eines verschollen geglaubten Aquarells zu George Grosz' Gemälde "Deutschland, ein Wintermärchen" (mehr dazu in der Zeit). Der italienische Fotograf Oliviero Toscani spricht im Interview über die Inszenierung von Bildern im allgemeinen und die Inszenierung von Guttenberg in Afghanistan im besonderen: "Die Fotografie hat die lächerliche Seite des Verteidigungsministers preisgegeben. Ich glaube nicht, dass er besonders schlau ist, wenn er sich so darstellt." Hans-Peter Kunisch erkundet, wie sich Serbien auf die Leipziger Buchmesse 2011 vorbereitet, auf der es Ehrengast ist. Willi Winkler gratuliert Regis Debray zum Siebzigsten.

Besprochen werden eine Ausstellung der Grafiken Antoine Watteaus im Louvre, Jasmila Zbanics Film "Zwischen uns das Paradies" und Barbara Ehrenreichs Buch "Smile or Die. Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Und Sarrazin: Auf der Seite 3 berichtet Susanne Höll, dass die SPD sich von Kritikern aus der Union, der FDP und der Linken getrieben fühlt, Sarrazin aus der Partei auszuschließen, aber nicht so recht weiß, wie sie das bewerkstelligen soll. Auch die  Vorstandsmitglieder der Bundesbank würden Sarrazin gern los, ohne zu wissen wie, meldet Helga Einecke. Wenig Verständnis haben die Hildesheimer für die dortige Buchhandlung Decius, die eine ausverkaufte Lesung mit Sarrazin abgesagt hat, weil die Polizei die Sicherheit "nicht zu hundert Prozent" gewährleisten konnte, berichtet Rudolf Neumaier. Im Feuilleton tüfteln Andrian Kreye und Christian Weber aus, warum Intelligenzmessungen irgendwie unzuverlässig sind.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2010

Die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern wehrt sich gegen ihre Indienstnahme für die Thesen des Thilo Sarrazin, der sie an entscheidenden Stellen seines Buches zitiert. Unmittelbare Verdummungsgefahr sieht sie jedenfalls nicht: "Eltern und Kinder zeigen nur eine mittelhohe Übereinstimmung im Intelligenzquotienten. Unterdurchschnittlich intelligente Eltern können überdurchschnittlich intelligente Kinder haben und umgekehrt. Das Ungleichgewicht in der Fortpflanzung müsste noch über viele Generationen gehen, bevor der IQ merklich absinkt. Die größte Gefahr für eine gesellschaftliche Verdummung besteht darin, dass soziale Herkunft für Schul- und Berufserfolg wichtiger ist als Intelligenz und Begabung."


Weitere Artikel: Wie bei einem neuen Harry-Potter-Band ging es zu bei der Veröffentlichung von Tony Blairs Memoiren, weiß Gina Thomas aus London zu berichten. Michael Althen ist hin und weg vom Eröffnungsfilm der Filmfestspielen in Venedig, Darren Aronofskys "Black Swan" mit Natalie Portman, eine "symbolschwere Deflorationsphantasie zu den Motiven von 'Schwanensee'". Gerhard Rohde bilanziert das gelungene "AlpenKlassik"-Musikfestival in Bad Reichenhall. Über die Entscheidung israelischer Schauspieler, nicht in der Siedlerstadt Ariel aufzutreten und die Reaktionen darauf informiert Joseph Croitoru (mehr dazu in der Jerusalem Post). Auf der Kinoseite kommentiert Bert Rebhandl die Ausdifferenzierung von 3D, wie man sie am Beispiel von "Avatar" und "Piranha 3D" erlebt.

Auf der Medienseite widmet sich Oliver Jungen der Frage, ob wir auch unsere Fernseher auf 3D umrüsten müssen.

Besprochen werden Aufführungen beim Berliner "Tanz im August"-Festival (insgesamt ist Wiebke Hüster unzufrieden und sieht mehr "Kleinkunst" als Tanz), Daniel Burens künstlerische Bearbeitung der Synagoge von Stommeln, eine Einspielung von Maurice Ravels Klavierkonzerten durch das Cleveland Orchestra unter Pierre Boulez mit dem Pianisten Pierre-Laurent Aimard, Jasmina Zbanics Film "Zwischen uns das Paradies" (mehr) und Bücher, darunter Robert Seethalers Roman "Jetzt wird's ernst" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Zeit, 02.09.2010

Mehrere Artikel zu Thilo Sarrazin. Giovanni di Lorenzo rechtfertigt das auf der ersten Seite mit einer schlagenden Feststellung: Das Interview mit Sarrazin in der letzten Zeit-Ausgabe "provozierte" innerhalb weniger Tage online 1100 Leserkommentare.


Bernd Ulrich fragt, warum die Medien die von Sarrazin angesprochenen Probleme eigentlich nie selbst aufgegriffen haben und kommt zu dem Schluss, dass Redaktionen heute "in fast schon absurder Weise homogen und hermetisch [sind]. Kaum Ostdeutsche, so gut wie keine Migranten, immer weniger Arbeiterkinder; dafür Mittelschicht allüberall, mit sehr ähnlichen Biografien. Dass sich daraus keine lebendige Wahrnehmung der wirklichen Welt der Migranten ergibt, liegt auf der Hand."'

Außerdem: Mariam Lau skizziert das Problem, das die SPD mit Migranten hat (Konkurrenz für die eigene Arbeiter-Klientel). Im Feuilleton beklagt sich Hilal Sezgin, praktisch die einzige Zeit-Autorin mit Migrationshintergrund, bitter darüber, dass sie immer nur als Muslimin wahrgenommen wird. Auf der Wissensseite erklärt die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern, warum Sarrazins Behauptung "Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent erblich" völlig sinnlos ist.

Für's Feuilleton besucht Katja Nicodemus den japanischen Trickfilmer Hayao Miyazaki und stellt einige seiner bekanntesten Filme vor (hier ein 6-teiliger französischer Dokumentarfilm über Miyazakis Studio Ghibli). Die französische Kritik murrt, aber Gero von Randow ist höchst angetan von Michel Houellebecqs neuem Roman "La carte et la territoire": kein skandalöses Buch, dafür "ein klassisches". Tobias Timm skizziert einige Entwürfe für den Innenausbau des Berliner Schlosses. Hanno Rauterberg lernt auf der Architekturbiennale in Venedig, dass Architektur ein Streitmedium ist. Christian Kortmann besucht den Münchner Club Harry Klein. Maximilian Probst porträtiert den kanadischen Philosophen und Katholiken Charles Taylor. Andrea Hanna Hünniger stellt die zweite Ausgabe der Zeitschrift I like my style vor, die mit Fotos aus dem gleichnamigen Blog bestückt ist.

Besprochen werden ein Dokumentarfilm über den Schweizer Filmregisseur Daniel Schmid (mehr) und Bücher, darunter Martin Mosebachs Roman "Was davor geschah" (Ulrich Greiner widmet ihm den Feuilletonaufmacher) sowie Steven Uhlys Familiengeschichte "Mein Leben in Aspik" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Bild zum ArtikelDer Chancen-Teil widmet sich der Gleichberechtigung von Frauen in der Arbeitswelt, eine Spezies, die sich die Zeit-Redaktion offenbar nur als obszöne Karikatur vorstellen kann: in Papis übergroßem Nadelstreifenjackett, den schwangeren nackten Bauch von einem Hemdchen in Kindergröße entblößt, über dem neckisch eine Krawatte baumelt. (Die Amerikaner sind natürlich schon wieder Meilen weiter)

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

Das korrekte Verfahren für Anarchisten

28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

Und die Emotionen suchen blind

27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

Die Augenbrauen des Holofernes

25.01.2012. Die Welt lernt das Alphabet des Umsturzes. Die Frankfurter Rundschau fürchtet, dass die Berliner High Society nicht mit der Provinz mithalten kann. Die Japaner verlieren ihren Glauben an die Technik, beobachtet die NZZ. Die SZ konstatiert: Leistung lohnt sich nicht, wenn keiner hinsieht. Die FAZ versammelt Beispiele der französischen Liebe zu Amerika. Mehr lesen

Vergegenwärtigungskunst

24.01.2012. In der französischen Huffington Post attackiert Caroline Fourest den tunesischen Präsidenten Moncef Marzouki. Wer sich für Freiheit im Netz einsetzt, arbeitet in Wahrheit dem Kapital in die Hände, findet der Tagesspiegel.  Die Welt begibt sich auf die Suche nach der Kairoer Kunstszene, findet sie aber nicht so recht. Die SZ staunt über Hans Holbeins Schutzmantelmadonna in Schwäbisch Hall. De FAZ bringt eine kleine Hommage auf den Künstler Denis Limonow, der durch eine tollkühne Aktion zwei weißrussische Jugendliche vor der Hinrichtung bewahren will. Mehr lesen

Gewaltige Portion Besserwisserei

23.01.2012. Wahre Hymnen auf Deutschland singt Horace Engdahl aus der Jury des Literaturnobelpreises im Tagesspiegel. Die Welt kann mit Friedrich dem Großen ehrlich gesagt nicht so viel anfangen. Die taz porträtiert die große chinesische Autorin Eileen Chang und die NZZ den Schriftsteller und Psychiater Ion Vianu. Und auch hier noch eine Hymne auf Deutschland, genauer: Berlin - von dem Schweizer Autor Alain Claude Sulzer. Mehr lesen

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