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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
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- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Wie im jemenitischen Teehaus
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.02.2010. In der FR erinnert sich der Opernregisseur Calixto Bieito an den sexuellen Missbrauch in seinem Jesuiten-Kolleg. Spiegel Online erklärt, warum das Internetsperregesetz in Kraft tritt, obwohl es niemand mehr will. Die NZZ bewundert eine japanische Scheibe Emmentaler Käse auf dem Campus der ETH Lausanne. In der Zeit tritt Iris Radisch dem backenbärtigen Teil des männlichen Kulturestablishment gegens Schienbein. Die FAZ findet Tutenchamuns Mutter.
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Frankfurter Rundschau, 18.02.2010
Wir wissen nicht, ob dieser Text gestern oder heute in der FR erschienen ist, aber ist ja auch egal. Der Opernregisseur Calixto Bieito erinnert sich an den sexuellen Missbrauch in seiner Schule, dem Jesuiten-Kolleg von Miranda de Ebro in Burgos. Es war "ein moderner Priester, der uns nahe war und dem wir Vertrauen entgegenbrachten", der die Schüler missbrauchte. "Eines Tages ließ er mich rufen. Gerade war die Pause zuende, und ich rannte zu seinem Zimmer. Auf dem Pausenhof war ich ebenfalls schon gerannt, und jetzt schwitzte ich. Überhaupt machte es mir damals große Freude zu rennen. So trat ich in seine Stube, und er schloss die Tür. Im Unterschied zu den anderen Besuchen, die ich bei ihm gemacht hatte, verriegelte er aber jetzt die Tür. Es war ein kleiner Riegel, am oberen Teil angebracht. Er betrachtete mich und fragte, was ich im Hof getan hätte. Ich erinnere mich nicht, ob ich ihm etwas antwortete. Er sagte, dass ich ja das Hemd außerhalb der Hose trüge und dass er jetzt zu mir kommen würde, um mir es mir wieder richtig anzuziehen."
Auf der Berlinale-Seite bespricht Michael Kohler mehrere Panorama-Filme. Hannah Schygulla, die in diesem Jahr mit einem Ehrenbären ausgezeichnet wird, spricht im Interview über Fassbinder, das "nicht wegwerfen" können und das Alter. In Times mager findet Harry Nutt: Wir müssen reden.
Besprochen werden Clint Eastwoods Film "Invictus" mit Morgan Freeman als Mandela, Peter Jacksons Film "In meinem Himmel", Lone Scherfigs Film "An Education", die Choreografie "Grimms Märchen für Eilige" in Wiesbaden und Bücher, darunter Aram Mattiolis Buch "Viva Mussolini!" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Spiegel Online, 18.02.2010
Gestern hat Bundespräsident Horst Köhler das Internetsperregesetz unterzeichnet - das eigentlich niemand mehr will. Aber Pech. Noch im November hatte Köhler verfassungsrechtliche Bedenken geäußert und Justiz- und Innenministerium gebeten, dazu Stellung zu nehmen, berichten Marcel Rosenbach und Christian Stöcker. Das dauerte bis zum 4. Februar und war das Warten nicht wert: "Das Schreiben, das dem Spiegel vorliegt, ist eine grammatikalische Meisterleistung: Etwa 90 Prozent des Textes stehen im Konjunktiv. Die Stellungnahme der Ministerialen besteht zum Großteil aus indirekter Rede, aus Zitaten. Anstatt sich auf eine eigene Haltung zum Gesetz zu verständigen, übernahmen die Koalitionäre die Einschätzung ihrer Vorgängerregierung zum Thema. Die Frage, ob das Gesetz denn nun verfassungsmäßig sei oder nicht, beantworteten sie nicht selbst, sie ließen ihre Vorgänger für sich sprechen - nach über zwei Monaten Verhandlungs- und Beratungszeit."
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Die Welt, 18.02.2010
Im Interview mit Hanns-Georg Rodek spricht Regisseur Oskar Roehler über seinen heute auf der Berlinale laufenden Film "Jud Süß - Film ohne Gewissen", das "Verbrecherfußvolk, das plötzlich einen Staat regiert" und das Dritte Reich als filmisches Faszinosum: "Der Zwang zur Belehrung, der durchaus seine Berechtigung hatte, ist nicht mehr gegeben. Die Nazi-Zeit war nun einmal eine der haarsträubend interessantesten geschichtlichen Epochen. Es werden noch viele Filme übers Dritte Reich gemacht werden."
Weiteres: Michael Pilz schreibt die Chronik des von Wirtschafsprüfern angekündigten Todes der Plattenfirma EMI, und zwar als "Lehrstück der Finanzökonomie, des Private Equity, der schuldenfinanzierten Aufkäufe, der Heuschrecken". Für Khaled Hroub, Direktor des Cambridge Arab Media Project, taugt der TV-Prediger Yusuf al-Qaradawi nicht als Symbol islamischer Toleranz, wie es seiner Meinung nach der Sammelband "Der globale Mufti" nahelegt und dabei übersieht, dass der Scheich arabische Bürger christlichen Glaubens zur Bedrohung für die eigene Identität erklärt. Hendrik Werner stellt vor der für heute erwarteten Entscheidung zum Google Book Settlement noch einmal die Lage der Dinge dar. Enoch zu Guttenberg, Dirigent und Politikervater, dekretiert im Interview: "Macht darf nur jemand haben, der eine Sache für richtig hält und durchsetzen will."
Besprochen werden auf der Filmseite Peter Jacksons Thriller "In meinem Himmel", der Film "Book of Eli" der Gebrüder Hughes und Lone Sherfigs Drama "An Education".
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Die Tageszeitung, 18.02.2010
Differenziert betrachtet Ekkehard Knörer Clint Eastwoods Rugby-Drama "Invictus", das auch ein Porträt Nelson Mandelas ist. "Eastwoods Film zeichnet den südafrikanischen Präsidenten als großen Versöhner, aber auch als clever kalkulierenden Manipulator einer gespaltenen Volksseele. Und er zeigt, vielleicht noch interessanter, dass das eine zum anderen nicht im Widerspruch stehen muss. ... Es gibt Formen der Verführung, wäre die These, mit denen man die Verführten nicht von ihren Wünschen entfernt, sondern ihnen klarmachen kann, dass sie das Gute in Wahrheit selbst wollen. Das ist die Form der Manipulation, die 'Inspiration' heißt. Wer darin nur Falschheit sieht, wird 'Invictus' nicht mögen."
Weiteres: Ralf Leonhard informiert über den Dissens im Umgang mit einem Wiener Flakturm aus der NS-Zeit: die Stadt will ihn für eine private Nutzung freigeben, Wissenschaftler berufen sich auf Denkmalschutz und plädieren für die Einrichtung einer Gedenkstätte. Philipp Goll berichtet über die Verleihung der Brit Awards in London, bei denen Lady Gaga abräumte.
Besprochen wird Lisa Cholodenkos Familiendramödie "The Kids Are All Right", in der Julianne Moore eine lesbische Mutter spielt und die bei der Berlinale im Wettbewerb außer Konkurrenz lief.
Und Tom.
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Neue Zürcher Zeitung, 18.02.2010
Als "Kronjuwel" und "Modell für die Zukunft" feiert Roman Hollenstein beglückt das vom japanischen Architekturbüro Sanaa gebaute Rolex Learning Center auf dem Campus der ETH Lausanne: "Mit ihrem unkonventionellen, im Grundriss an eine Scheibe Emmentalerkäse erinnernden Projekt wussten sich die heute 54-jährige Kazuyo Sejima und ihr zehn Jahre jüngerer Partner Ryue Nishizawa vom Tokioter Büro Sanaa gegen eine Konkurrenz von 180 Architekten aus 21 Ländern - darunter Größen wie Zaha Hadid, Herzog & de Meuron oder Rem Koolhaas - durchzusetzen."
Weitere Artikel: Christoph Egger berichtet von den Wettbewerbsfilmen, die er auf der Berlinale gesehen hat. Lilo Weber erzählt, wie die Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker und der Konzept-Tanzkünstler Jerome Bel in ihrer Aufführung "3Abschied" im Brüsseler Monnaie-Theater das Sterben tänzerisch umsetzen. Georg Kohler porträtiert den Schweizer Unternehmer und Politiker Ulrich Bremi.
Besprochen werden die Biografie "Die Brüder Grimm" von Steffen Martus, Daniel Falbs Gedichtband "Bancor", Clint Eastwoods Film "Invictus" und Peter Jacksons Romanverfilmung "The Lovely Bones".
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Aus den Blogs, 18.02.2010
Wer sich so gar nicht für Sport im Allgemeinen und Wintersport im Besonderen interessiert, hat vielleicht diesen Auftritt von Johnnie Weir verpasst. Das wäre schade.
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Die Zeit, 18.02.2010
Auf insgesamt drei Seiten führt uns die Zeit durch die Helene-Hegemann-Krise. Iris Radisch, die weiß, dass es in deutschen Ressortleiterkonferenzen noch immer wie in einem "jemenitischen Teehaus" aussieht, geht ordentlich zur Sache: Sie vernimmt deutlich einen "in die Zeit der Backenbärte zurückweisenden misogynen Ton" und sieht einen Kulturkampf zwischen männlichem Kulturestablishment - namentlich Willi Winkler, Jürgen Kaube und Thomas Steinfeld - und einer "ein wenig weiblicheren" Medienkultur toben: "Hegemanns wichtigstes Vergehen besteht nämlich nicht darin, dass sie ihre Quellen verschwiegen und das Vokabular der Drastik manchmal ein wenig zu kokett eingesetzt hat. Das würde für einen patriarchalischen Radau wie den stattgehabten kaum ausreichen. Ihr Vergehen besteht vielmehr darin, das Chaos und die Bedenkenlosigkeit einer noch nicht hierarchisierten, noch nicht durch Männerkartelle kontrollierten Medienkultur in den Machtbereich der alten literarischen Leitkultur überführt und dabei einen ziemlichen Auffahrunfall provoziert zu haben."
Josef Joffe meint dagegen - oder deshalb: "Von der Autorin wünscht man sich ein Quantum an Zerknirschung oder, wie es früher hieß: Wohlanständigkeit." Peter Kümmel versucht sich zu erklären, was Hegemann mit dem "regiemäßigen Drangehen" meint, als sie ihre Schreibtechnik erklärte. Der Literaturwissenschaftler Jürgen Graf erklärt mit Verweis auf Thomas Mann, Bertolt Brecht und Elfriede Jelinek, dass sich Montagen immer auf dem schmalen Grat zwischen Copyright und künstlerischer Freiheit bewegen. Und schließlich plädiert der Autor Thomas Meinecke für Quellenangaben: "Ich will mich im Geflecht mit anderen Texten sehen."
Weitere Artikel: Wolfram Goertz verehrt Frederic Chopin, der vor zweihundert Jahren geboren wurde. Rainer Luyken berichtet von der Rückkehr des irakischen Dichters Nabeel Yasin aus dem Exil in seine Heimat. Katja Nicodemus fasst den bisherigen Verlauf der Berlinale unter den Vorzeichen von "Wille, Wahn und Vorstellung" zusammen. Peer Teuwsen erklärt den Kampf des Schweizer Weltwoche-Chefs Roger Köppel gegen die Deutschen. Claus Spahn bemerkt die ersten Risse in Christian Thielemanns Dresdner "Kunstidylle".
Besprochen werden Roman Polanskis "Ghostwriter", die Ausstellung "Pop Life" in der Hamburger Kunsthalle und Bücher, darunter Heike Görtemakers Biografie der Eva Braun, Anne Webers Roman "Luft und Liebe" und der Luxuswälzer zu Stanley Kubricks nie gedrehtem "Napoleon"-Film.
Fürs Dossier hat sich Ulrich Greiner unter die Studenten an der Hamburger Universität gemischt. Im Wirtschaftsteil erzählen Thomas Fischermann und Götz Hamann in einer sehr interessanten Reportage vom "digitialen Wirtschaftskrieg": "Als Vorbote dieses neuen Wirtschaftskrieges gilt eine mehrjährige Angriffswelle, der amerikanische Sicherheitsexperten den Codenamen Titan Rain gaben. Unbekannte Hacker nahmen Anfang des Jahrzehnts systematisch Rüstungs- und Industrieziele in den USA aufs Korn, darunter den Flugzeugbauer Lockheed Martin und Elektrizitätswerke. Sie hätten Baupläne und Geschäftsinformationen im großen Stil entwendet, heißt es in Sicherheitskreisen."
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Der Freitag, 18.02.2010
Ach Helene! Dorothea Dieckmann schlägt sich an die Brust: "(Auch) ich habe den Hype bedient wie viele abhängige Rezensenten, die für eine dreistellige Summe über Hegemann schrieben, die derweil eine mindestens achtstellige Summe anschafft. (Auch) ich habe dem Buch Positives, nämlich 'Intelligenz und Stil' und nebenbei eine interessante Cut-up-Technik bescheinigt." Für Dieckmann ist Helene Hegemann ein Missbrauchsopfer: "Was nicht geklaut ist: Miftis Mutter ist so tot wie die von Helene Hegemann. Miftis Vater ist kein Vater, sondern ein spätpubertärer linker Kulturfuzzi, dem seine Kinder wurscht sind; für Helene Hegemann ist ihr linkskulturell aktiver Vater ein cooler, großartiger Typ, dem sie ihre Schreib-Innereien als erstem unterbreitet hat. Diese familiäre Unterwerfungsgeste ist nicht nur der Beginn, sondern ein Strukturmerkmal der traurigen Obszönität, der sie sich nun ausgesetzt sieht."
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Süddeutsche Zeitung, 18.02.2010
Für die Seite 3 schickt Karin Steinberger eine Reportage über die Moschee in Mannheim, die nur ein paar Meter neben der Liebfrauenkirche liegt. Eigentlich versteht man sich gut, aber immer wenn es Probleme gibt, drucken die Zeitungen Fotos, auf denen die Moschee die Kirche überragt. Tatsächlich ist das Größenverhältnis aber genau andersherum. In Zahlen ausgedrückt: 74 Meter die Kirche - 34 Meter die Moschee. "Auch in der Süddeutschen Zeitung steht in einem Teil der Auflage das Riesenminarett neben dem Zwergenkirchturm. Ein Leser schreibt: 'Diese Art Bildfälschung ist Propaganda für islamfeindliche Kräfte, die die 'Überfremdung' unserer angeblich so umfassend christlich geprägten Kultur anprangern.' Ist es das? Auch wenn ein Text unter dem Foto steht, der das Gegenteil von islamfeindlicher Propaganda ist, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Volksentscheid in der Schweiz? Welchen Nerv hat David Klammer da getroffen? Und wer regt sich darüber überhaupt auf?"
Im Kulturteil macht Helmut Mauro einen ketzerischen Vorschlag: "Vielleicht wäre es der Kunst zuträglich, die Urheberrechtsfrist von 70 Jahren zu verkürzen..." Anlass ist die Meldung, dass die Musikerin Peaches keine experimentelle Version von Andrew Lloyd Webbers Musical "Jesus Christ Superstar" zum Vortrag bringen darf. Mauro liefert auch gleich historische Präzedenzfälle mit.
Weitere Artikel: Andrian Kreye porträtiert den Fotografen W. Eugene Smith, der wie kein anderer in Bild (und per Wanzen auch Ton!) die New Yorker Jazzszene der fünfziger und sechziger Jahre porträtiert - was deshalb ging, weil er in einem Loft lebte, in dem die Jazzlegenden probten. Bei Berlinalefilmen von "Shahada" bis "Please Give" sieht Susan Vahabzadeh viel Versöhnungswillen. Ira Mazzoni muss berichten, dass viele wichtige Bauten der Nachkriegsmoderne vom Abriss bedroht sind. Johannes Kuhn unterhält sich mit dem amerikanischen Kulturkritiker William Deresiewicz über Freundschaft im Online-Zeitalter. Auf der Medienseite porträtiert Stefan Fischer den Hörspielautor Stefan Weigl.
Besprochen werden Peter Jacksons Alice-Sebold-Verfilmung "In meinem Himmel" (auch ein kurzes Gespräch mit Jackson gibt es dazu), Lone Scherfigs Film "An Education" nach Drehbuch von Nick Hornby und Bücher, darunter Jean Echenoz' Zatopek-Roman "Laufen" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2010
Auf der Medienseite beschreibt Friederike Haupt, wie Facebook und andere Anbieter eine gewisse Unbeschlagenheit ihrer User ausnutzen. Sie verweist auf die "Identitygang" des Software-Entwicklers Marc Canter, der glaubt, dass es bald eine Schlacht um die eigene digitale Identität im Web 2.0 geben wird: "Canter glaubt nicht, dass Facebook und Google in Zukunft sorgsamer mit Nutzerdaten umgehen werden. Der einzige Weg sei, den Nutzern Software zur Verfügung zu stellen, um ihren Einfluss auf ihre Daten im Internet zu vergrößern. Als eine Möglichkeit sieht er dezentrale Netzwerke, in denen Menschen sich mit Gleichgesinnten verbinden. Seine 'Bill of Rights for Users of the Social Web', mit der er vor zwei Jahren mehr Freiheit und Selbstbestimmung für die Netzwerknutzer forderte, sei heute aktueller denn je."
Brandneue historische Informationen aus ägyptischer Zeit hat Dieter Bartetzko. Man weiß jetzt nämlich dank genetischer Untersuchungen, wer Tutenchamuns Mutter war und wer sein Vater: " Letzterer, entdeckt im Grab KV55 im 'Tal der Könige', ist tatsächlich Echnaton. Die Mutter aber wird vorläufig die anonyme 'Younger Lady' bleiben, als die sie nach ihrer Bergung aus Grab KV35 mangels näherer Hinweise bezeichnet wurde. Eindeutig ist nur, dass die namenlose junge Frau Tutanchamuns Mutter war - und zugleich eine Schwester Echnatons."
Weitere Artikel: Rose-Maria Gropp nutzt die Meldung, dass der französische Staat die Handschrift von Casanovas Memoiren ankaufen will, für einen langen Text über das Leben und Nachleben des Autors. Hannes Hintermeier berichtet, wie ein Buchhändler einen Prozess gegen Amazon gewann, weil der Internetbuchhändler sich nicht ans Preisbindungsgesetz hielt - und beklagt gleichzeitig eine weitreichende Appeasement-Politik von Seiten des Börsenvereins. Das Stuttgarter Eclat-Festival für Neue Musik hat Gerhard Rohde besucht. Klaus Ungerer zieht die Spiele "Mensch ärgere dich" (das gar nicht, schreibt er, wie derzeit behauptet, seinen 100. Geburtstag feiert) und "Malefiz" einer vergleichenden Studie. Gerhard Stadelmaier glossiert einen Vorfall an einem französischen Provinztheater: Kritiker erhielten eine Vorführeinladung im Pappsarg und waren gar nicht amüsiert. Andreas Rossmann stellt die Pläne der Ruhrfestspiele vor. Auf der Medienseite erklärt Friederike Haupt, warum viele Menschen, obwohl sie das Internet eifrig nutzen, doch digitale Analphabeten sind.
Auf der Berlinale-Seite muss Andreas Kilb feststellen, dass mit Burhan Qurbani, Regisseur des Wettbewerbsbeitrags "Shahada" dann doch "kein Meister vom Himmel gefallen" ist. Andreas Platthaus findet die Reaktionen der Berlinale-Verantwortlichen auf das Ausreiseverbot für den Regisseur Jafar Panahi bedenklich zahm.
Besprochen werden die Jubiläumsausstellung "Convidats d'honor" des Nationalmuseums für katalanische Kunst in Barcelona, die Korsettausstellung "Mode sprengt Mieder" im Münchner Stadtmuseum, drei neue Einspielungen von Franz Schuberts Liederzyklen, Peter Jacksons Film "In meinem Himmel" (mehr) und Bücher, darunter Marianne Feilchenfeldt Breslauers Erinnerungen "Bilder meines Lebens" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





