Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Agneta Blomqvist, Lars Gustafsson: Alles, was man braucht

Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab

Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
- Olaf Sundermeyer und der Perlentaucher: Richtigstellungen
- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
- Die Zeitungen und die Freien
- Neu und Nach: ein Übersetzerstreit
- Anna Politkowskaja
- Politkowskaja
- Wikipedia und der Google Juice
- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Wenn Hawking recht hat
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
10.09.2008. Wir blicken gebannt nach Genf, wo heute der Teilchenbeschleuniger LHC in Betrieb geht. Der Tagesspiegel sieht kaum Chancen auf einen von wissengierigen Atomphysikern provozierten Weltuntergang. In der SZ beschreibt der Physiker Klaus Hentschel, wie am Cern kommuniziert wird. In der NZZ brandmarkt Arkadi Babtschenko Russlands Willen, um jeden Preis Großmacht zu sein. In der Welt erklärt Leoluca Orlando seine Solidarität mit Georgien. Die FR feiert Matteo Garrones ganz unglamourösen Mafia-Film "Gomorrha". Die FAZ will Google nicht auch noch die Vergangenheit der Zeitung überlassen.
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Der Tagesspiegel, 10.09.2008
"Ist eine Handvoll wissensgieriger Atomphysiker womöglich dabei, den Weltuntergang zu riskieren?" Der Mikrobiologe Alexander Kekule kann Entwarnung geben. Der heute startende Teilchenbeschleuniger am Cern ist so gut wie sicher, entstehen werden höchsten mikroskopisch kleine Schwarzen Löcher: "Dass die schwarzen Mini-Löcher jedoch alles in sich aufsaugen und lawinenartig wachsen können, wie ihre großen Verwandten im Weltraum, gilt als sehr unwahrscheinlich. Garant dafür ist das Physik-Genie Stephen Hawking. Er rechnete in den 70er Jahren vor, dass Schwarze Löcher ständig Energie in Form von Strahlung verlieren müssen. Diese 'Hawking-Strahlung' ist umso stärker, je kleiner ein Schwarzes Loch ist. Künstliche Winzlöcher, wie sie im LHC entstehen könnten, wären bereits nach weniger als einer Billionstel Billionstelsekunde wieder verpufft. Wenn Hawking recht hat, kann nichts passieren."
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Neue Zürcher Zeitung, 10.09.2008
Der russische Schriftsteller Arkadi Babtschenko hat als Militärkorrespondent für die russische Tageszeitung "Nowaja Gazeta" an Russlands Feldzug in Südossetien teilgenommen. Im Interview mit Jörg Plath spricht er über seine Erlebnisse und Moskaus Ambitionen: "Wenn Medwedew will, dass Russland Großmacht wird und von den Fidschiinseln bis nach Gibraltar reicht, dann soll er mit seiner Kalaschnikow selber alles erobern! Aber nicht in seinem warmen Arbeitszimmer sitzen und 18-jährige russische Jungs schicken! Als Jelzin Präsident einer Großmacht sein wollte und Tschetschenien angriff, musste der kleine Babtschenko dorthin fahren. Jetzt will Medwedew Präsident einer Großmacht sein und kämpft in Südossetien, und wieder muss Babtschenko hinfahren und brennende Soldaten fotografieren. Ich habe es satt! Ich habe den Eindruck, dass Russland Deutschland in den dreißiger Jahren ähnelt: Es phantasiert von der Weltherrschaft und bereitet sich darauf vor."
Uwe Justus Wenzel kommentiert die heute startende Suche nach dem "Gottesteilchen" am CERN fatalistisch: Selbst wenn sich das Forscherkollektiv in seinen Sicherheitsprognosen irren und ein zerstörerisches Schwarzes Loch produzieren sollte, "dürfen wir uns immer noch - einen Moment lang wenigstens - glücklich schätzen, das Ende nicht etwa aus krudem Machtstreben oder aus Geldgier heraufgeführt zu haben, auch nicht aus schierer Dummheit, sondern aus reiner und zweckfreier Neugierde, aus dem Übermut des freien Forschens heraus."
Außerdem blickt Daniel Ender zurück auf das Musikfestival im niederösterreichischen Grafenegg, das ganz ohne Themen oder Leitlinien auskommt und Patrick Straumann besuchte die zwanzigste "Internationale Biennale des Buches" in Sao Paulo. Besprochen werden Margaret Atwoods autobiografischer Roman "Moralische Unordnung", eine Livia-Biografie von Christiane Kunst und der neue Roman von Francois Vallejo: "Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt" (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Frankfurter Rundschau, 10.09.2008
Ganz außerordentlich beeindruckt ist Heike Kühn von Matteo Garrones Verfilmung des Bestsellers von Roberto Saviano "Gomorrha": "Jede Szene, jeder Schauplatz ist so reich an überwältigenden Bildern, die aus phänomenologischer Distanz ins Poetische und Metaphorische wachsen, dass für den Film ein neues Genre erfunden werden müsste. Ein Mafia-Film ist das nicht, dazu ist die Kritik an der populären Verherrlichung der Film-Paten zu beißend... Ist das nun semidokumentarisch, wenn aus gegebenen Fundstücken ruinierter Landschaften und Lebensweisen gleichzeitig Inbilder zerrütteter Seelen aufsteigen? Eher schon ist das visionär zu nennen."
Weitere Artikel: Harry Nutt hat das Symposion zur Eröffnung des Videoarchivs des Berliner Holocaust-Mahnmals besucht. Jamal Tuschik war dabei, als Manfred Osten und Wolf Singer in Frankfurt über die Hirnforschung diskutierten. In der Glosse fragt sich Hans-Jürgen Linke, warum der Genfer Teilchenbeschleuniger im Gegenzug ausgerechnet die Deutsche Bahn entschleunigt.
Besprochen werden die ersten Konzerte beim Berliner Musikfest und Raoul Schrotts Neuübersetzung der "Ilias" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 10.09.2008
In einem ausführlichen - und sehr anschaulichen - Interview erläutert der Physiker und Wissenschaftshistoriker Klaus Hentschel die wissenschaftshistorische Bedeutung des riesigen Teilchenbeschleunigers LHC, der heute am Cern in Genf den Betrieb aufnimmt. Dort gehe es längst nicht mehr um den einzelnen Wissenschaftler und sein Erkenntnisziel, sondern um die Kooperation vieler Forschungsdisziplinen. "Überall in diesen Großanlagen arbeiten Theoretiker und Experimentatoren, Kernphysiker und Astrophysiker, Ingenieure und Verwaltungsleute und auch Politiker zusammen, die sehr unterschiedliche Kommunikationskulturen haben und zudem aus unterschiedlichen nationalen Kontexten stammen - auch aus politisch verfeindeten. Es bedarf daher völlig neuer Kommunikationsstrukturen. Selbst das Internet hat sich bekanntlich aus Kommunikationsvarianten entwickelt, die am Cern entwickelt wurden. Die Öffentlichkeit übersieht meistens, wenn sie auf diesen riesigen Detektor und den 27 Kilometer langen Ring schaut, welche unglaubliche Infrastruktur und Kommunikationsleistung darin steckt."
Anke Sterneborg stellt die deutschen Beiträge beim Filmfestival von Toronto vor: Marco Kreuzpaintners Bestsellerverfilmung "Krabat" nach Otfried Preußler, "Anonyma" von Max Färberböck und "Im Winter ein Jahr" von Caroline Link. Ijoma Mangold besuchte das neu eröffnete Videoarchiv des Berliner Holocaust-Mahnmals. Das legendäre Bauerbe der Moderne in Bagdad verkommt, beklagt Klaus Englert. Christine Dössel informiert über einen Antrag von sieben Bundesländern, die Künstlersozialkasse abzuschaffen, der Bundestag entscheidet am 19. September. Gerhard Persche berichtet von den Haydn Festspielen im burgenländischen Eisenstadt. Lothar Müller würdigt im Nachruf den Wiener Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler.
Besprochen werden außerdem CDs von Calexico und Olivier Messiaen und Bücher, darunter der Roman "Ob wir wollen oder nicht" von Karl-Heinz Ott und die Studie "Woran glaubt ein Atheist?" des französischen Philosophen Andre Comte-Sponville (mehr dazu in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
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Die Tageszeitung, 10.09.2008
Dana Bönisch untersucht die Gründe, weshalb viele literarische Versuche, 9/11 zu verarbeiten, gescheitert sind - und sich stattdessen der Comic zum funktionierenden Medium traumatischen Erinnerns entwickelt. "Es mag sein, dass viele Autoren in die Gegenbilder-Falle getappt sind. Im Versuch, sich von den großen Mediennarrativen freizumachen, auf der Suche nach den 'anderen’ Bildern, nach der elliptischen Sprache des Traumas, haben sie sich zuweilen im Alltagskitsch verfangen. Außerdem sind sie zum Teil immer noch den Dichotomien einer Sprache verhaftet, die im unmittelbaren Nachhall des Ereignisses klare Fronten zwischen Tätern und Opfern brauchte... Es wäre sicherlich zu hoch gegriffen, gezeichnete Erzählungen als Überwinder einer literarischen Schockstarre zu werten. Aber vielleicht braucht man in einer durch und durch medialisierten Welt am Ende doch immer noch ein paar Bilder mehr."
Besprochen werden eine Ausstellung der amerikanischen Konzeptkünstlerin Barbara Bloom im Berliner Martin-Gropius-Bau und Shinji Imaokas melancholische Sex-Komödie "Liebestoll im Abendrot - Tasogare". Und in tazzwei porträtiert Ralf Geissler die Journalistin Carolin Emcke, die für ihren Essay "Stumme Gewalt - Nachdenken über die RAF", in dem sie Freiheit für RAF-Attentäter forderte - unter der Bedingung, dass sie reden -, heute den Theodor-Wolff-Preis erhält.
Schließlich Tom.
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Die Welt, 10.09.2008
Der frühere Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, erklärt seine Liebe zu Georgien, dem Land, das nicht nur Stalin hervorgebracht habe, sondern auch Wein, Majakowski und Ilya Chahavadse. "Die Georgier wollen entdeckt werden. Das Land bittet seit Jahren darum, in den Barcelona-Prozess eingebunden zu werden, in die Europa-Mittelmeer-Partnerschaft, und beruft sich dabei auf die seine Geschichte und seine Wurzeln, aber auch auf die Teilnahme des Nachbarn Türkei an eben diesem Prozess und ebenso auf die Zugehörigkeit des Schwarzen Meeres zur komplexen Realität des Mittelmeerraums. Die fortdauernde europäische Unsensibilität dieser Bitte gegenüber aber hat Georgien zu einem anderen Schicksal verdammt: zu dem eines Landes, das zum Zwecke militärischen Gleichgewichts und aus wirtschaftlichen und energiepolitischen Interessen von Europa und der Welt ausgenutzt wird... Seit einigen Monaten schon, und heute ist das dramatisch aktuell, schickt sich der Kaukasus an, zum neuen Balkan zu werden, wird Tiflis zum neuen geteilten Berlin. Ein neuer kalter Krieg?"
Im Feuilleton preist Barbara Schweizerhof Matteo Garrones Mafia-Film "Gomorrha" nach der Vorlage der gleichnamigen Reportagen von Roberto Saviano. Im Interview mit Hanns-Georg Rodek erklärt Regisseur Garrone zudem, warum er den Mafiosi keinerlei Glamour verliehen hat: "Das Kino formt die Vorstellung dieser Kriminellen von sich geradezu. Es gibt die Szene in einer Villa in meinem Film, in der die zwei Möchtegern-Mafiosi-Jungs den Film 'Scarface' zitieren. Diese Villa wiederum wurde von einem realen Camorra-Boss namens Sciavone gebaut, der seinem Architekten den Auftrag gab, das Haus genau nach jenem Haus zu planen, in dem Al Pacino als Mafia-Boss Tony Montana in 'Scarface' residiert."
Weiteres: Rodek weiß in der Randglosse auch zu melden, dass der amerikanische Start von Tom Cruise' "Walküre"-Operation nun für den 26. Dezember terminiert ist, in Deutschland für den 22. Januar. Floria Stark schreibt mit recht gebremster Begeisterung zur Eröffnung der Multifunktionshalle O2-World in Berlin. Michael Borgstede berichtet, dass die mit europäischen Geldern produzierte Soap fürs palästinensische Fernsehen "Mattab" offenbar aus politischen Gründen abgesetzt wurde. Dankwart Guratzsch besucht evangelische Kirche in Kaliningrad. Jenni Roth meldet die Vergabe der hochangesehenen Balzan-Preise. Besprochen wird Woody Allens Aufführung von Puccinis "Gianni Schicchi" in Los Angeles.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2008
Für Michael Hanfeld reimt sich Archivieren auf Raubkopieren, jedenfalls dann, wenn die Zukunft der Vergangenheit der Zeitung Google heißt. Der Konzern will Zeitungsarchive zugänglich machen und Hanfeld sieht weniger Nutzen als Nachteil: "Während den Zeitungshistoriker stets erstaunte, dass die Zeitungen so wenig auf ihre Geschichte blickten - auf Zeitungsgeschichte als Zeitgeschichte, hat Google verstanden, wie man sich diese aneignet, ausbeutet und ausdeutet. Für all diejenigen, die ihr versammeltes Wissen - aktuell, im Archiv, auf Papier und online - selbst bewahren, weitergeben und darauf ihre wirtschaftliche Existenz aufbauen wollen, ist das der nächste Schlag der Raubkopierer, die mit der Digitalisierung der Bibliotheken dieser Welt schon weit fortgeschritten sind." (Wie sich die Zeitungen ihre hehre Aufgabe des Archivierens gegenüber den Autoren vorstellen, hat Ilja Braun vor einiger Zeit im Perlentaucher dargestellt. Hier auch ein Artikel darüber, wie die FAZ dem Perlentaucher sogar Nobelpreisreden als ihre Archivware verkaufte.)
Weitere Artikel: Der Biochemiker Christian Behl warnt vor besinnungslosem Hirndoping, das in unserer "Hochleistungsgesellschaft" um sich zu greifen droht. Was passierte, als das Boulevardblatt Sun jüngst extrem verbilligte Operntickets anbot, ist in einer Glosse von Gina Thomas zu erfahren. Andreas Rossmann hat ein überfälliges Symposion am Arp-Museum zum heiklen Thema "Posthume Güsse" besucht. Martin Wittmann war auf einer Tagung, die die Möglichkeit eines NS-Dokumentationszentrums in München ausloten wollte. Alexander Cammann hat die Beerdigung Nicolaus Sombarts als letzten Höhepunkt des Berliner Kulturbürgertums erlebt. Immerhin "ansehnlich" findet Dieter Bartetzko die neue O2-Arena (Website) in Berlin-Friedrichshain. Paul Ingendaay porträtiert den portugiesischen Schriftsteller Antonio Lobo Antunes, der den mit immerhin 150.000 Dollar dotierten Preis der Internationalen Buchmesse von Guadalajara bekommt. Herbert Ohrlinger schreibt zum Tod des österreichischen Germanisten Wendelin Schmidt-Dengler.
Besprochen werden Woody Allens Debüt als Opernregisseur mit einer Inszenierung von Puccinis "Gianni Schicchi", Matteo Garrones Film "Gomorrha" und Bücher, darunter Torsten Körners "Götz George"-Biografie (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Ein feiner Herr
02.09.2010. In der Welt fragen Monika Maron und Necla Kelek, wann wir über die interessanten Seiten in Thilo Sarrazins Buch diskutieren. In der taz erklärt der Politikwissenschaftler Markus Linden, warum Sarrazin gut für die Demokratie ist. Die NZZ betrachtet leicht amüsiert den roten Kopf des "sittlichen" Deutschlands. In der SZ erkennt der Philosophieprofessor Christian Illies, dass es beim Streit um "Stuttgart21" um das gesellschaftliche Selbstverständnis der Stuttgarter Bürger geht. In der FAZ erklärt die Intelligenzforscherin Elisabeth Stern, wie gesellschaftliche Verdummung zustande kommt. Die Zeit blickt in deutsche Redaktionsstuben und sieht nur urdeutsche Mittelschicht. Mehr lesen
Freier Platz in den Synapsen
01.09.2010. In der FAZ sieht Ali Sethi, wie pakistanische Kampfjets gerettet werden, während pakistanische Bauern ertrinken. Die taz berichtet blutige Einzelheiten über den Drogenkrieg in Mexiko. Der Tagesspiegel geht ganz in Thilo Sarrazin auf. In der FR erzählt Karl Schlögel, wie er mit den Toten spricht. Mehr lesen
Die Richtung ist eindeutig
31.08.2010. Thilo Sarrazin auf allen Kanälen. Es ist zwar peinlich, aber es gibt auch einen demokratischen Rassismus, muss die SZ feststellen. Die FAZ erzählt, wie Sarrazin den flachen Haken eines Reporters aus Holland parierte, der ihn mit Geert Wilders verglich. Und was hat es mit den Genen der Juden auf sich?, fragt die Welt. Außerdem: Youtube wird zahlbar, meldet Gawker, zumindest teilweise. Micha Brumlik graut in der taz vor Juden, die der Hamas stolz die Hand drücken. Reuters meldet: Putin will 2012 wieder russischer Präsident werden und findet, dass Demokraten, die demonstrieren, verprügelt gehören. Mehr lesen
Auf dieser Position bleibe ich
30.08.2010. Thilo Sarrazin beherrscht die Debatte. Für Necla Kelek in der FAZ liefert er eine korrekte Beschreibung der deutschen Zustände. In der Welt erklärt er selbst, warum seine Intervention als sozialdemokratisch zu verstehen sei. Außerdem: Die FR ist begeistert von der Architekturbiennale in Venedig, wo Rem Kohlhaas laut SZ die Exzesse des Denkmalschutzes bekämpft. Im Economist warnt Jay Rosen die Zeitungen: Drucken bringt Geld, hat aber keine Zukunft. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Mit strengem Imperatorenblick
28.08.2010. Die NZZ beschreibt einen Streit zwischen dem Übersetzer Laszlo Kornitzer und dem toten Autor Istvan Örkeny. Die Welt schrumpft unter den kühlen Augen Marianne Brüns auf Hamstergröße zusammen. In der taz sieht Barbara Vinken eine unheilige Allianz aus Reaktionären, Feministinnen und Grünen am Werk, Frauen zurück an den Herd zu scheuchen. Die SZ lernt von Bangkok, wie man tote Plätze neu belebt. Mehr lesen
Ein Hahn auf dem Nacken festgebunden
27.08.2010. Wolf Biermann erzählt in der Welt, wie Manes Sperber ihm einen Zahn zog. In der FAZ schreibt Jan Faktor über das Konzentrationslager Christianstadt, wo seine Mutter und Großmutter Zwangsarbeit für die Nazis leisteten. In der SZ kritisiert Herfried Münkler die Rolle von Wikileaks bei den jüngsten Enthüllungen über Afghanistan. Techcrunch amüsiert sich über die Anwälte von Facebook, die das Wort Face als Markenzeichen schützen wollen. Mehr lesen
Wir brauchen keine Achsen mehr
26.08.2010. In der Jungle World spricht Agnes Heller über die Kontinuität des Antisemitismus in Ungarn. Im Freitag unterhalten sich vier Architekten über Sinn und Unsinn des Stadtschloss-Wiederaufbaus in Berlin. Die FAZ wirft Thilo Sarrazin Rassi... äh, Biologismus vor. In der Zeit sagt Sarrazin: "Ich bin kein Rassist" und stellt dann Thesen über Fertilität und Durchschnittsintelligenz auf. Außerdem feiern wir die Renaissance des Lindy Hop. Mehr lesen
Die kleinen Pfützen
25.08.2010. Das Handelsblatt hat von der Wikipedia gelernt: Es gibt im Leben auch Altruismus. Die FR ist nicht zufrieden mit der neuen Dauerausstellung der "Topografie des Terrors". In der taz macht Dani Levy folgende Alternative auf: Entweder es ist lustig, oder es kostet mich den Kopf. Die New York Times meldet: Die Agentur Wylie wird keine eigenen Ebooks produzieren - Randomhouse hat gewonnen. Carta legt offfen, wie die Stadt Duisburg im Interesse der Transparenz auf Kommunikation verzichtet. Mehr lesen
Noch immer herrscht Ausnahmezustand
24.08.2010. Die NZZ würdigt die Anerkennung des dritten Geschlechts in Indien und Pakistan. In La regle du jeu schreibt Isabelle Adjani an Sakineh Ashtiani, die gesteinigt werden soll. Die Welt schickt eine Reportage aus Thailand, wo der Krieg der Roten und der Gelben nur oberflächlich befriedet ist. Die SZ beschreibt den Kampf des türkischen Pianisten Fazil Say gegen den Arabesk-Pop seines Landes. Die FAZ erstirbt mit Mahlers Neunter unter Abbado. Mehr lesen
Christoph hatte mindestens 11 Dimensionen
23.08.2010. Christoph Schlingensief ist tot. Die Feuilletons feiern ihn als Künstler jenseits der Kunst: "als wäre der Messias, dessen Rolle er als Künstler gespielt hatte, zum Heiland geworden", als ins Scheitern Verliebten, aber auch als zart, verletzlich, zugeneigt. Schlingensief selber dachte bis zum Schluss pragmatisch und erzählt in einem Interview auf seinem Blog, wie er im Kino klauen lernte und diese Kunst im Theater perfektionierte. Mehr lesen
Unmöglich, sich nicht beobachtet zu fühlen
21.08.2010. In der NZZ trauert Roland Barthes um seine Mutter. In der SZ shootet Nicholson Baker sein Ego. Die Welt greift literaturkritische Insiderspielchen auf. Da geht's ums Gstrein und Hettche und FAZ und Zeit und SZ. Und wir setzen die Links! Die FAZ geißelt die Rolle westlicher Handy-Produzenten in den Kriegen im Kongo. In der taz ruft Romani Rose anlässlich der Ausweisung von Roma aus Frankreich: "Die Roma sind Bürger Europas." Mehr lesen
Verbreitet sich in Windeseile massenhaft
20.08.2010. Vor siebzig Jahren starb Leo Trotzki an einem Eispickel. Für die Welt war er ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Die FAZ bringt eine ganze Seite über die Iranerin Sakineh Ashtiani, die zum Tod durch Steinigung verurteilt ist. Im Guardian spricht Christiane Kubrick über ihren Onkel Veit Harlan. Die FR zeigt am Beispiel der Bertelsmann-Stiftung, wie wohltätig Steuernsparen sein kann. Das Wall Street Journal fragt: Warum nimmt Guido Westerwelle seinen Lebenspartner nur in jene Länder mit, in denen Homosexualität erlaubt ist? Mehr lesen
Auf die Mutter kommt alles an
19.08.2010. Die Festivalberichterstattung der freien Mitarbeiter der FAZ setzt sich fort. Nachdem Elke Heidenreich erzählt hat, wie Salzburg für sie war, darf nun Thomas Gottschalk berichten, was ihm in Oberammergau widerfuhr. Der Tagesspiegel plädiert für die Literarizität Thomas Hettches. Huntingtons Diagnose vom "Clash of Civizations" traf zu, erklärt Ayaan Hirsi Ali im Wall Street Journal. Die Zeit feiert Peter Wawerzineks Roman "Rabenliebe". Techcrunch erzählt, wie Facebook den Markt für Lokalanzeigen aufrollen will. Und Aporrea erklärt, wie es zum 11. September kommen konnte. Mehr lesen
Bottich sagt er, Rettich
18.08.2010. Die taz wundert sich überhaupt nicht über die geringe Spendenbereitschaft für Pakistan: ein Scheißstaat. Die FR erklärt einige gemeinsame Traditionen der NPD und der Linken. Die Welt schleppt sich deprimiert über die Hamburger Museumsmeile. Die FAZ warnt vor egoistischen, kinderschädigenden Patchworkfamilien. Die SZ stellt Günter Grass' neues Buch über die Brüder Grimm vor. Mehr lesen
Wenn sich der Usbeke rächt
17.08.2010. Die SZ war auf Pressereise in nicht verschwundenen niedersächsischen Dörfern. Die FAZ ermittelt, was Deutsche unter Hitler lasen: seichte Unterhaltung.Die NZZ erzählt, dass Robert Walser sich auch auf seinen Job als Lakai gründlich vorbereitete. Außerdem studiert die NZZ die unklaren Musikfatwas des Ayatollah Khamenei. Die taz lauscht der popmusikalischen Bewältigung der Unruhen in Kirgistan. Mehr lesen





