Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Eine Kröte für Ägyptens Staatszensur

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

20.03.2008. Die SZ weiß jetzt, warum die Pekinger weiße Tücher vorm Mund tragen. Die Welt findet das Thema Teenie-Schwangerschaft nach Jason Reitmans Film "Juno" gar nicht mehr trübsinnig. In der NZZ schreibt Najem Wali über den Irak nach fünf Jahren Krieg: kein Frühling in Sicht. Im Tagesspiegel bekennt Anne-Sophie Muter, dass sie in einigen Fragen nicht so kompetent ist wie der Fedex-Mann. Die FAZ lädt Klassik runter. Im Freitag sieht Norbert Frei 1968 ganz anders  als Götz Aly. Spiegel Online informiert über Osama bin Ladens Debattenbeitrag zu den Mohammed-Karikaturen.

Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2008

Der irakische, in Deutschland lebende Autor Najem Wali zieht nach fünf Jahren eine bittere Bilanz des Irak-Kriegs: "Am 21. März jeden Jahres feiern die Iraker Nuruz, den Frühlingsanfang. Vor fünf Jahren ließ der Lärm der Flugzeuge die Stimmen der Mütter verstummen, die ihre Gebete beim Schein von Kerzen sprechen, welche sie, auf Bast gebunden, auf dem Tigris oder dem Euphrat treiben lassen. Nun sind fünf Jahre vergangen, und kein Frühling ist in Sicht."


Weitere Artikel: Alexander von Bormann schreibt zum Tod des belgischen Schriftstellers Hugo Claus. Besprochen werden die Ausstellung "Störenfriede - der Schrecken der Avantgarde von Makart bis Nitsch" in Linz und Bücher, darunter Pascal Bruckners Essay "Der Schuldkomplex" ("die europäische Bußfertigkeit schafft Menschen, die sich für alte Vergehen entschuldigen, um sich die gegenwärtigen Verbrechen vom Leibe zu halten", resümiert Ulrike Ackermann).

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Die Welt, 20.03.2008

Im Forum verteidigt Alexander Gauland den Kunsthistoriker Hans Sedlmayr gegen den Vorwurf Rolf Schneiders, Sedlmayer habe einen "rührigen Faschismus" gepflegt: "Die Kunst, so Sedlmayr, ist Ausdruck der Zeit nur nebenbei und wesentlich außerzeitlich: Epiphanie des Zeitfreien, des Ewigen in der Brechung der Zeit. Die Leugnung dieses Ewigen ist essenziell auch Leugnung der Kunst. Dem muss man nicht folgen, nur mit Goebbels und 'entarteter Kunst' hat es nichts zu tun. Man mag Sedlmayr reaktionär, katholisch, vorgestrig und beschränkt nennen, 'rühriger Faschismus' ist es nicht, wenn jemand die Kluft zwischen Gott und den Menschen beklagt und die neuen Götter oder Götzen Natur, Vernunft, Maschinen und das daraus entstandene Chaos für den Verlust der Mitte verantwortlich macht."


Jason Reitmans Film "Juno" - über eine schwangere 16-Jährige - offenbart eine "wunderbar grobkörnige Poesie", verspricht Cosima Lutz. "Kritiker sind an diesem Film bereits auf berufsgefährdende Weise verzweifelt. Kluge Köpfe stürzten sich wie besoffen ins bloße Schwärmen, anderen, denen Mitjubeln zu unindividuell ist, blieb nichts anderes übrig, als 'Juno' wenigstens eine Typenkomödie zu schimpfen. Wenn auch eine - verdammt! - glaubwürdige. Mit - nun gut! - brillanten Dialogen. In der - auch das! - das trübsinnige Thema Teenie-Schwangerschaft zum hochintelligenten Anarcho-Spaß werde."

Weitere Artikel: Eckhard Fuhr lobt das Konzept zu "Sichtbaren Zeichen gegen Flucht und Vertreibung" von Kulturstaatsminister Neumann, das gestern das Bundeskabinett passierte. Sven Felix Kellerhoff erinnert an die Gründung des Konzentrationslagers Dachau vor 75 Jahren. Michael Stürmer erklärt, wie der Gründonnerstag zu Rang und Namen kam. Andrzej Wajda durfte seinen Film "Katyn" im Moskauer "Haus des Kinos" rund tausend geladenen Gästen zeigen, berichtet Paul Flückiger. Reinhard Wengierek schreibt zum Achtzigsten von Peter Hacks. Manfred Flügge schreibt zum Tod des belgischen Autors Hugo Claus. Matthias Heine schreibt den Nachruf auf den Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke. Peter Zander wirft einen Blick ins Fernsehprogramm für die Ostertage und findet nur Mord und Totschlag.

Besprochen werden eine Ausstellung zu Oskar Kokoschka, "Träumender Knabe - Enfant terrible" im Wiener Belvedere, Veit Helmers Balkan-Märchen-Film "Absurdistan", Roy Anderssons Film "Das jüngste Gewitter" und Youssef Cahines Film "Chaos".

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Frankfurter Rundschau, 20.03.2008

Herrmann Wallmann würdigt in einem ausführlichen Nachruf den gestern verstorbenen belgischen Schriftsteller Hugo Claus. In der Kolumne Times Mager räsonniert Ina Hartwig über das Schimpfwort "Faschist". Daland Segler klärt uns auf der Medienseite auf, wie es kam, dass Claus Kleber für den Spiegel warb.


Besprochen werden die Stilleben-Ausstellung "Die Magie der Dinge" im Frankfurter Städel, die Aufführung von Krzysztof Pendereckis Oper "Die Teufel von Loudun" in Freiburg, Jason Reitmans Teenager-Schwangerschaftsfilm "Juno" ("Nicht zu fassen, warum noch niemand auf die Idee kam, einen solchen Film zu drehen", staunt, lacht und weint Daniel Kothenschulte), Roy Anderssons Film "Das jüngste Gewitter" (den Heike Kühn als "Meisterwerk der emotionalen und visuellen Entfremdung" feiert), Veit Helmers Film "Absurdistan" (in dem Michael Kohler das "Aufgesetzt-Burleske" ziemlich auf die Nerven ging) und eine überarbeitete Neuausgabe des Bildungs-Longseller "Götter, Gräber und Gelehrte" von C. W. Ceram (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 20.03.2008

Gerührt schreibt Bodo Mrozek über das Wiedervereinigungskonzert der amerikanischen Garagenrockband The Sonics nach mehr als dreißig Jahren. "Die Lederjacken und Parkas im Publikum hatten zwar sichtlich Patina angesetzt, und manch einer schien sie eigens für diesen Abend wieder aus dem Schrank geholt zu haben. Aber auch die jungen Fashion-Punks waren erschienen. Die Band selbst ist deutlich ergraut und Frontmann Rob Lind trägt zur Bundfaltenhose ein auberginefarbenes Hemd. Eine denkbar unglamouröse Angestelltenkluft - als wollte er sagen: Die Sonics brauchen sich nicht als Rockstars zu verkleiden. Sie sind schon welche."


Weitere Artikel: Roberto Orth befasst sich mit dem Übergreifen der französischen Studentenunruhen vom Unicampus in Nanterre auf das Proleariat in den Pariser Banlieues vor vierzig Jahren. Die Kuratoren der 5. Berlin Biennale, Elena Filipovic und Adam Szymczyk, erläutern im Interview ihr Programm für das kommende Kunstfestival. Auf der Tagesthemenseite feiert Wiebke Porombka den gestern verstorbenen Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke noch einmal als großen Visionär der Technik. Gemeldet wird außerdem, dass die islamkritische Schriftstellerin Taslima Nasrin gestern ihre Wahlheimat Indien aus Angst um ihr Leben verlassen hat, wohin sie 1994 nach Morddrohungen islamischer Fundamentalisten aus Bangladesh geflohen war.

"Willkommen. Willkommen im Streit!" ruft auf der Medienseite Peter Schneider (im Interview mit Klaus Raab) Springers Bild-Zeitung zu, die von Hamburg nach Berlin umzieht, Schneider, der einstmals für die Enteignung Springers plädierte, meint nun: "Sollen sie doch kommen. Hoffentlich bringen sie Geld mit, das kann Berlin gut gebrauchen." Ebenfalls auf der Medienseite berichtet Reinhard Wolf über ein interessantes Urteil des obersten schwedischen Gerichts Högsta Domstolen, das zwei Filmregisseuren Recht gab, die mit der Unterbrechung der Ausstrahlung ihrer Filme im Fernsehen durch Werbepausen ihr Urheberrecht verletzt sahen.

Besprochen werden Youssef Chahines und Khaled Youssefs ägyptisches Melodram "Chaos" ("Eine politische Kröte für Ägyptens Staatszensur", freut sich Dietrich Kuhlbrodt) und Roy Anderssons neuer Film "Das jüngste Gewitter".

Und TOM

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Weitere Medien, 20.03.2008

Im amerikanischen Slate Magazin erklären sechs "Falken", warum sie mit ihrer Befürwortung des Irakkriegs falsch lagen. Es schreiben: Phillip Carter hier, Josef Joffe hier, Richard Cohen hier, Fred Kaplan hier, Kanan Makiya hier und Christopher Hitchens hier.


Der Historiker Norbert Frei hat ein Buch über 1968 geschrieben und setzt sich im Interview mit Ulrike Baureithel für den Freitag von seinem Konkurrenten Götz Aly ab: "Eine 33er-Generation auszurufen und dieser die 68er-Generation an die Seite zu stellen, dient allein der Provokation, nicht der historischen Erkenntnis."

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Der Tagesspiegel, 20.03.2008

Im Interview mit Frederik Hanssen antwortet die Geigerin Anne-Sophie Mutter auf die Bemerkung, dass die Namen der Interpreten auf den Plattenhüllen immer größer werden und die der Komponisten immer kleiner: "Wissen Sie, ich führe Interviews über Musik, nicht über Verpackung. Wenn Sie über Verpackung reden wollen, dann müssen Sie den FedEx-Mann fragen." Mutter erhält in ein paar Tage den mit 200.000 Mark dotierten Siemens-Musikpreis.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2008

Harld Fastner erläutert, dass aufgrund höherer Bitraten der Online-Download von klassischer Musik nun auch für die "audiophilen" Hörer interessant zu werden beginnt. Mit einer stärkeren Verlagerung der Klassik-Verkäufe ins Internet ist nicht nur deshalb zu rechnen: "Das Geschäft im Netz kann wachsen, und so bieten große Klassiklabels wie die Deutsche Grammophon und die britische EMI seit kurzem ihre Musik auch auf den eigenen Internetseiten an; kleinere Plattenfirmen, die sich den Onlinevertrieb in Eigenregie nicht leisten können, verkaufen weiterhin über iTunes, aber auch über neue Spezialseiten wie www.andante.com, die zum Teil sogar exklusives Material anbieten können. Der Vorteil liegt hier wie dort darin, dass die Labels praktisch uneingeschränkt auf ihren Backkatalog zurückgreifen können. Viele ältere Aufnahmen sind aus Kostengründen nicht als CD auf dem Markt zu halten; als Audiodatei aber lassen sie sich ohne großen Aufwand ins Netz stellen, samt Cover, Begleittexten und Libretti im PDF-Format."


Weitere Artikel: Hans-Christoph Buch erstattet Bericht aus dem kolumbianischen Cartagena, Heimatstadt von Gabriel Garcia Marquez, in der sich Autoren und Journalisten zum Debattieren trafen. Kardinal Walter Kasper erklärt, warum die Ablehnung, die die von Papst Benedikt formulierte neue Karfreitagsfürbitte (Text) von jüdischer Seite erfährt, zwar nicht "rational", aber dennoch nicht "als Ausdruck von Überempfindlichkeit" zu begreifen ist. In der Glosse kritisiert Karen Krüger den "mit Furor ausgebreiteten Unwillen" der türkischen Boulevardpresse, "einen Beitrag zur Integration der Türken in Deutschland zu leisten". Von einer Tagung in Heiligkreuztal, die das Verhältnis Ernst Jüngers zur Natur untersuchte, berichtet Martin Thoemmes. Tobias Rüther hat den Schriftsteller Edgar Hilsenrath erlebt, der auf einer Lesereise in Frankfurt Station machte. Der Jazzpianistin Marian McPartland gratuliert Wolfgang Sandner zum Neunzigsten. Dietmar Dath schreibt zum Tod des Science-Fiction-Autors Arthur C. Clarke, Hubert Spiegel hat den Nachruf auf den belgischen Schriftsteller Hugo Claus verfasst, der, an Alzheimer erkrankt, sein Recht auf aktive Sterbehilfe in Anspruch nahm. Kurz gemeldet wird auch, dass der diesjährige Lessing-Preisträger Peter Sloterdijk den Lessing-Förderpreis dem Autor und Ex-FAZ-Redakteur Dietmar Dath zuerkannt hat. Auf der Medienseite stellt Heike Hupertz die Grimme-Preisträger 2008 vor. (Stefan Niggemeier, Mitglied der Jury "Fiktion", präsentiert in seinem Blog recht ausführlich die Gewinner in seiner Rubrik.)

Auf der Kinoseite erinnert Michael Althen an den großen deutschen Regisseur Helmut Käutner, der nächste Woche seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte. Hans-Jörg Rother berichtet von der ungarischen Filmwoche in Budapest. Aus Indien vermeldet Martin Kämpchen, dass in Bollywood auch Filme mit ernsthaften Themen - wie Behinderung und nationale Integration - gedreht werden.

Besprochen werden eine Ausstellung zur künstlerischen Auseinandersetzung mit Massenmord bei Goya, Zoran Music und Alain Resnais in Barcelona, der von Ivor Bolton hervorragend dirigierte, von Pierre Audi weniger überzeugend inszenierte "Tamerlano" von Händel in München, ein Kölner Konzert der australischen Band Operator Please, Roy Anderssons Film "Das jüngste Gewitter", und Bücher, darunter Nick Hornbys neuer Roman "Slam" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Spiegel Online, 20.03.2008

Spiegel Online resümiert die jüngsten Meldungen über Osama bin Ladens neuesten Debattenbeitrag zu den Mohammed-Karikaturen: "Der Terroristenchef beschuldigt den Westen, angeführt vom Weißen Haus, 'gezielt unsere Dörfer zu bombardieren'. Doch auch die Tragödie getöteter Frauen und Kinder verblasse 'gegen die Veröffentlichung dieser beleidigenden Zeichnungen', betont der Islamistenführer."

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Süddeutsche Zeitung, 20.03.2008

Die SZ (oder wer?) hat Gerhard Matzig nach Peking geschickt, wo er unter anderem das neue Flughafenterminal besichtigte, aber doch auch mit den Leuten über Tibet sprechen wollte. Vergeblich: "Die Vorsicht und die Stummheit der Menschen sind in Peking wie mit Händen zu greifen. All die weißen Tücher, die sich die Einwohner Pekings seit Jahren vor Mund und Nase klemmen, um sich im Dauerstau vor Staub und Gestank zu schützen: In diesen Tagen bekommen sie eine neue Bedeutung. Sie schützen offenbar auch davor, deutlich zu sprechen."


Weitere Artikel: Johannes Willms berichtet, dass die Pariser Buchmesse "Salon du Livre", die wegen ihres Israel-Schwerpunkts nicht nur von arabischen Ländern boykottiert wurde, sondern auch Drohungen ausgesetzt war, ohne Zwischenfälle zuende gegangen ist. Stephan Speicher schreibt anlassgemäß über "Transzendenz ohne Gewalttätigkeit" in Bachs Matthäus-Passion. Jens Bisky erinnert an Peter Hacks, der in diesen Tagen achtzig Jahre alt geworden wäre. Henning Klüver schreibt, dass die Camorra erneut den Schriftsteller Roberto Saviano ins Visier genommen hat, der seit der Veröffentlichung seines Mafia-Buchs "Gomorrha" unter Polizeischutz steht. Fritz Göttler freut sich über eine Bunuel-Restrospektive im Münchner Filmmuseum. Andrian Kreye schreibt über eine Lesung des amerikanischen Journalisten Jeremy Scahill aus seinem Bestseller "Blackwater" im Werkraum der Münchner Kammerspiele, (in der Kreye übrigens höchstselbst als Moderator fungierte). Fritz Göttler verabschiedet den belgischen Schrifsteller Hugo Claus, der am Mittwoch mit Hilfe von Sterbehelfern diese Welt verlassen hat. Florian Kessler gibt dem gestern verstorbenen Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke (der unter anderem auf der Basis einer seiner Kurzgeschichten das Drehbuch für Stanley Kubriks Filmklassiker "Odyssee im Weltall" schrieb) das letzte feuilletonistische Geleit.

Besprochen werden Roy Anderssons filmisches Panorama "Das Jüngste Gewitter" (für Rainer Gansera ein "faszinierendes Traumbilder-Panoptikum menschlicher Donquichotterie"), Hartmut Bitomskis Dokumentarfilm "Staub" (den Martina Knoben als "einen wunderbar freien, souveränen Film" feiert), Eric Vallettes "Tödlicher Anruf", Peter Hedges romantische Komödie "Dan - Mitten im Leben" mit Juliette Binoche, Youssef Chahines und Khaled Youssefs Film "Chaos", sowie Claus Guths und Simone Youngs Hamburger Neueinstudierung von Richard Wagners Oper "Rheingold" (die Wolfgang Schreiber freilich nur matt glänzen sah).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Das nenne ich totalitär

18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen

Tagtäglich dem Leser zugemutet

17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen

Ist Gott jetzt zufrieden?

16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen

Samples der Oberflächenwelt

15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Filzhaltige Kunstzeichen

14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen

Es zeichnet sich der Morgenstern ab

13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen

Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht

11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen

Was öffentlich ist und was nicht

10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen

Hegemoniale Metaerzählung

08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen.  Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen  bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen

So sehr haben die Chefs Angst

07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen

Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung

06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald  zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen

Die Empörung ist eine europäische Sünde

04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen

Steile Hierarchien, Massenproduktion, Akkordarbeit

03.05.2013. In Foreign Policy rät Arch Puddington zum heutigen Tag der Pressefreiheit von der Reise in die zehn schlimmsten Länder für Journalisten ab. Die NZZ stellt die Designerin Inga Sempé vor. Mit Longform.org verlinken wir auf die "2013 National Magazine Awards Winners" mit Texten aus dem Atlantic und Texas Monthly. In der NYRB schreibt Ian Buruma über David Bowie. Die FAZ liest den Briefwechsel zwischen Grass und Brandt und empfiehlt Telekom-Kunden die Exhumierung ihrer Akustikkoppler. Die SZ besucht eine Ausstellung über die Geburt der neusten Technik aus dem Geist des Hippietums. Mehr lesen

Abkehr vom Mainstream der Alltagsheringe

02.05.2013. In Spiegel online fordert Sascha Lobo viel mehr Investitionen in ein schnelles Internet - und zwar von der Regierung. Im Tagesspiegel stellt Achim Freyer mit Richard Wagner ein Notgleichgewicht her. Die taz beleuchtet die Rolle von Gewerkschaften und SPD in der Nazi-Zeit. In der Zeit spricht Cecila Bartoli über tragische und weniger tragische Frauenrollen. Die FAZ übernimmt Salman Rushdies Aufruf für die Anerkennung von Freiheitshelden als Freiheitshelden. Das WWW ist zwanzig Jahre alt. Das CERN stellt die allerallererste Website wieder online. Mehr lesen

Wo es ernst wird, reicht das Netz nicht aus

30.04.2013. Die FAZ schreitet über die Stege des Mucem ins mediterrane Glitzerlicht der Kulturhauptstadt Marseille. Jürgen Habermas hat in Belgien über Europa gesprochen - und die Deutschen zu Opfern aufgefordert. Die NZZ erkundet die Möglichkeiten des Netzes als Medium des Protestes. Brigitte eröffnet die Berichterstattung über den NSU-Prozess. Und in der Welt hält Matthias Küntzel fest: Richard Wagner war ein Klassiker - und zwar des deutschen Antisemitismus. Mehr lesen

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