Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Eine Kröte für Ägyptens Staatszensur

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

20.03.2008. Die SZ weiß jetzt, warum die Pekinger weiße Tücher vorm Mund tragen. Die Welt findet das Thema Teenie-Schwangerschaft nach Jason Reitmans Film "Juno" gar nicht mehr trübsinnig. In der NZZ schreibt Najem Wali über den Irak nach fünf Jahren Krieg: kein Frühling in Sicht. Im Tagesspiegel bekennt Anne-Sophie Muter, dass sie in einigen Fragen nicht so kompetent ist wie der Fedex-Mann. Die FAZ lädt Klassik runter. Im Freitag sieht Norbert Frei 1968 ganz anders  als Götz Aly. Spiegel Online informiert über Osama bin Ladens Debattenbeitrag zu den Mohammed-Karikaturen.

Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2008

Der irakische, in Deutschland lebende Autor Najem Wali zieht nach fünf Jahren eine bittere Bilanz des Irak-Kriegs: "Am 21. März jeden Jahres feiern die Iraker Nuruz, den Frühlingsanfang. Vor fünf Jahren ließ der Lärm der Flugzeuge die Stimmen der Mütter verstummen, die ihre Gebete beim Schein von Kerzen sprechen, welche sie, auf Bast gebunden, auf dem Tigris oder dem Euphrat treiben lassen. Nun sind fünf Jahre vergangen, und kein Frühling ist in Sicht."

Weitere Artikel: Alexander von Bormann schreibt zum Tod des belgischen Schriftstellers Hugo Claus. Besprochen werden die Ausstellung "Störenfriede - der Schrecken der Avantgarde von Makart bis Nitsch" in Linz und Bücher, darunter Pascal Bruckners Essay "Der Schuldkomplex" ("die europäische Bußfertigkeit schafft Menschen, die sich für alte Vergehen entschuldigen, um sich die gegenwärtigen Verbrechen vom Leibe zu halten", resümiert Ulrike Ackermann).

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Die Welt, 20.03.2008

Im Forum verteidigt Alexander Gauland den Kunsthistoriker Hans Sedlmayr gegen den Vorwurf Rolf Schneiders, Sedlmayer habe einen "rührigen Faschismus" gepflegt: "Die Kunst, so Sedlmayr, ist Ausdruck der Zeit nur nebenbei und wesentlich außerzeitlich: Epiphanie des Zeitfreien, des Ewigen in der Brechung der Zeit. Die Leugnung dieses Ewigen ist essenziell auch Leugnung der Kunst. Dem muss man nicht folgen, nur mit Goebbels und 'entarteter Kunst' hat es nichts zu tun. Man mag Sedlmayr reaktionär, katholisch, vorgestrig und beschränkt nennen, 'rühriger Faschismus' ist es nicht, wenn jemand die Kluft zwischen Gott und den Menschen beklagt und die neuen Götter oder Götzen Natur, Vernunft, Maschinen und das daraus entstandene Chaos für den Verlust der Mitte verantwortlich macht."

Jason Reitmans Film "Juno" - über eine schwangere 16-Jährige - offenbart eine "wunderbar grobkörnige Poesie", verspricht Cosima Lutz. "Kritiker sind an diesem Film bereits auf berufsgefährdende Weise verzweifelt. Kluge Köpfe stürzten sich wie besoffen ins bloße Schwärmen, anderen, denen Mitjubeln zu unindividuell ist, blieb nichts anderes übrig, als 'Juno' wenigstens eine Typenkomödie zu schimpfen. Wenn auch eine - verdammt! - glaubwürdige. Mit - nun gut! - brillanten Dialogen. In der - auch das! - das trübsinnige Thema Teenie-Schwangerschaft zum hochintelligenten Anarcho-Spaß werde."

Weitere Artikel: Eckhard Fuhr lobt das Konzept zu "Sichtbaren Zeichen gegen Flucht und Vertreibung" von Kulturstaatsminister Neumann, das gestern das Bundeskabinett passierte. Sven Felix Kellerhoff erinnert an die Gründung des Konzentrationslagers Dachau vor 75 Jahren. Michael Stürmer erklärt, wie der Gründonnerstag zu Rang und Namen kam. Andrzej Wajda durfte seinen Film "Katyn" im Moskauer "Haus des Kinos" rund tausend geladenen Gästen zeigen, berichtet Paul Flückiger. Reinhard Wengierek schreibt zum Achtzigsten von Peter Hacks. Manfred Flügge schreibt zum Tod des belgischen Autors Hugo Claus. Matthias Heine schreibt den Nachruf auf den Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke. Peter Zander wirft einen Blick ins Fernsehprogramm für die Ostertage und findet nur Mord und Totschlag.

Besprochen werden eine Ausstellung zu Oskar Kokoschka, "Träumender Knabe - Enfant terrible" im Wiener Belvedere, Veit Helmers Balkan-Märchen-Film "Absurdistan", Roy Anderssons Film "Das jüngste Gewitter" und Youssef Cahines Film "Chaos".

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Frankfurter Rundschau, 20.03.2008

Herrmann Wallmann würdigt in einem ausführlichen Nachruf den gestern verstorbenen belgischen Schriftsteller Hugo Claus. In der Kolumne Times Mager räsonniert Ina Hartwig über das Schimpfwort "Faschist". Daland Segler klärt uns auf der Medienseite auf, wie es kam, dass Claus Kleber für den Spiegel warb.

Besprochen werden die Stilleben-Ausstellung "Die Magie der Dinge" im Frankfurter Städel, die Aufführung von Krzysztof Pendereckis Oper "Die Teufel von Loudun" in Freiburg, Jason Reitmans Teenager-Schwangerschaftsfilm "Juno" ("Nicht zu fassen, warum noch niemand auf die Idee kam, einen solchen Film zu drehen", staunt, lacht und weint Daniel Kothenschulte), Roy Anderssons Film "Das jüngste Gewitter" (den Heike Kühn als "Meisterwerk der emotionalen und visuellen Entfremdung" feiert), Veit Helmers Film "Absurdistan" (in dem Michael Kohler das "Aufgesetzt-Burleske" ziemlich auf die Nerven ging) und eine überarbeitete Neuausgabe des Bildungs-Longseller "Götter, Gräber und Gelehrte" von C. W. Ceram (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 20.03.2008

Gerührt schreibt Bodo Mrozek über das Wiedervereinigungskonzert der amerikanischen Garagenrockband The Sonics nach mehr als dreißig Jahren. "Die Lederjacken und Parkas im Publikum hatten zwar sichtlich Patina angesetzt, und manch einer schien sie eigens für diesen Abend wieder aus dem Schrank geholt zu haben. Aber auch die jungen Fashion-Punks waren erschienen. Die Band selbst ist deutlich ergraut und Frontmann Rob Lind trägt zur Bundfaltenhose ein auberginefarbenes Hemd. Eine denkbar unglamouröse Angestelltenkluft - als wollte er sagen: Die Sonics brauchen sich nicht als Rockstars zu verkleiden. Sie sind schon welche."

Weitere Artikel: Roberto Orth befasst sich mit dem Übergreifen der französischen Studentenunruhen vom Unicampus in Nanterre auf das Proleariat in den Pariser Banlieues vor vierzig Jahren. Die Kuratoren der 5. Berlin Biennale, Elena Filipovic und Adam Szymczyk, erläutern im Interview ihr Programm für das kommende Kunstfestival. Auf der Tagesthemenseite feiert Wiebke Porombka den gestern verstorbenen Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke noch einmal als großen Visionär der Technik. Gemeldet wird außerdem, dass die islamkritische Schriftstellerin Taslima Nasrin gestern ihre Wahlheimat Indien aus Angst um ihr Leben verlassen hat, wohin sie 1994 nach Morddrohungen islamischer Fundamentalisten aus Bangladesh geflohen war.

"Willkommen. Willkommen im Streit!" ruft auf der Medienseite Peter Schneider (im Interview mit Klaus Raab) Springers Bild-Zeitung zu, die von Hamburg nach Berlin umzieht, Schneider, der einstmals für die Enteignung Springers plädierte, meint nun: "Sollen sie doch kommen. Hoffentlich bringen sie Geld mit, das kann Berlin gut gebrauchen." Ebenfalls auf der Medienseite berichtet Reinhard Wolf über ein interessantes Urteil des obersten schwedischen Gerichts Högsta Domstolen, das zwei Filmregisseuren Recht gab, die mit der Unterbrechung der Ausstrahlung ihrer Filme im Fernsehen durch Werbepausen ihr Urheberrecht verletzt sahen.

Besprochen werden Youssef Chahines und Khaled Youssefs ägyptisches Melodram "Chaos" ("Eine politische Kröte für Ägyptens Staatszensur", freut sich Dietrich Kuhlbrodt) und Roy Anderssons neuer Film "Das jüngste Gewitter".

Und TOM

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Weitere Medien, 20.03.2008

Im amerikanischen Slate Magazin erklären sechs "Falken", warum sie mit ihrer Befürwortung des Irakkriegs falsch lagen. Es schreiben: Phillip Carter hier, Josef Joffe hier, Richard Cohen hier, Fred Kaplan hier, Kanan Makiya hier und Christopher Hitchens hier.

Der Historiker Norbert Frei hat ein Buch über 1968 geschrieben und setzt sich im Interview mit Ulrike Baureithel für den Freitag von seinem Konkurrenten Götz Aly ab: "Eine 33er-Generation auszurufen und dieser die 68er-Generation an die Seite zu stellen, dient allein der Provokation, nicht der historischen Erkenntnis."

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Der Tagesspiegel, 20.03.2008

Im Interview mit Frederik Hanssen antwortet die Geigerin Anne-Sophie Mutter auf die Bemerkung, dass die Namen der Interpreten auf den Plattenhüllen immer größer werden und die der Komponisten immer kleiner: "Wissen Sie, ich führe Interviews über Musik, nicht über Verpackung. Wenn Sie über Verpackung reden wollen, dann müssen Sie den FedEx-Mann fragen." Mutter erhält in ein paar Tage den mit 200.000 Mark dotierten Siemens-Musikpreis.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2008

Harld Fastner erläutert, dass aufgrund höherer Bitraten der Online-Download von klassischer Musik nun auch für die "audiophilen" Hörer interessant zu werden beginnt. Mit einer stärkeren Verlagerung der Klassik-Verkäufe ins Internet ist nicht nur deshalb zu rechnen: "Das Geschäft im Netz kann wachsen, und so bieten große Klassiklabels wie die Deutsche Grammophon und die britische EMI seit kurzem ihre Musik auch auf den eigenen Internetseiten an; kleinere Plattenfirmen, die sich den Onlinevertrieb in Eigenregie nicht leisten können, verkaufen weiterhin über iTunes, aber auch über neue Spezialseiten wie www.andante.com, die zum Teil sogar exklusives Material anbieten können. Der Vorteil liegt hier wie dort darin, dass die Labels praktisch uneingeschränkt auf ihren Backkatalog zurückgreifen können. Viele ältere Aufnahmen sind aus Kostengründen nicht als CD auf dem Markt zu halten; als Audiodatei aber lassen sie sich ohne großen Aufwand ins Netz stellen, samt Cover, Begleittexten und Libretti im PDF-Format."

Weitere Artikel: Hans-Christoph Buch erstattet Bericht aus dem kolumbianischen Cartagena, Heimatstadt von Gabriel Garcia Marquez, in der sich Autoren und Journalisten zum Debattieren trafen. Kardinal Walter Kasper erklärt, warum die Ablehnung, die die von Papst Benedikt formulierte neue Karfreitagsfürbitte (Text) von jüdischer Seite erfährt, zwar nicht "rational", aber dennoch nicht "als Ausdruck von Überempfindlichkeit" zu begreifen ist. In der Glosse kritisiert Karen Krüger den "mit Furor ausgebreiteten Unwillen" der türkischen Boulevardpresse, "einen Beitrag zur Integration der Türken in Deutschland zu leisten". Von einer Tagung in Heiligkreuztal, die das Verhältnis Ernst Jüngers zur Natur untersuchte, berichtet Martin Thoemmes. Tobias Rüther hat den Schriftsteller Edgar Hilsenrath erlebt, der auf einer Lesereise in Frankfurt Station machte. Der Jazzpianistin Marian McPartland gratuliert Wolfgang Sandner zum Neunzigsten. Dietmar Dath schreibt zum Tod des Science-Fiction-Autors Arthur C. Clarke, Hubert Spiegel hat den Nachruf auf den belgischen Schriftsteller Hugo Claus verfasst, der, an Alzheimer erkrankt, sein Recht auf aktive Sterbehilfe in Anspruch nahm. Kurz gemeldet wird auch, dass der diesjährige Lessing-Preisträger Peter Sloterdijk den Lessing-Förderpreis dem Autor und Ex-FAZ-Redakteur Dietmar Dath zuerkannt hat. Auf der Medienseite stellt Heike Hupertz die Grimme-Preisträger 2008 vor. (Stefan Niggemeier, Mitglied der Jury "Fiktion", präsentiert in seinem Blog recht ausführlich die Gewinner in seiner Rubrik.)

Auf der Kinoseite erinnert Michael Althen an den großen deutschen Regisseur Helmut Käutner, der nächste Woche seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte. Hans-Jörg Rother berichtet von der ungarischen Filmwoche in Budapest. Aus Indien vermeldet Martin Kämpchen, dass in Bollywood auch Filme mit ernsthaften Themen - wie Behinderung und nationale Integration - gedreht werden.

Besprochen werden eine Ausstellung zur künstlerischen Auseinandersetzung mit Massenmord bei Goya, Zoran Music und Alain Resnais in Barcelona, der von Ivor Bolton hervorragend dirigierte, von Pierre Audi weniger überzeugend inszenierte "Tamerlano" von Händel in München, ein Kölner Konzert der australischen Band Operator Please, Roy Anderssons Film "Das jüngste Gewitter", und Bücher, darunter Nick Hornbys neuer Roman "Slam" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Spiegel Online, 20.03.2008

Spiegel Online resümiert die jüngsten Meldungen über Osama bin Ladens neuesten Debattenbeitrag zu den Mohammed-Karikaturen: "Der Terroristenchef beschuldigt den Westen, angeführt vom Weißen Haus, 'gezielt unsere Dörfer zu bombardieren'. Doch auch die Tragödie getöteter Frauen und Kinder verblasse 'gegen die Veröffentlichung dieser beleidigenden Zeichnungen', betont der Islamistenführer."

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Süddeutsche Zeitung, 20.03.2008

Die SZ (oder wer?) hat Gerhard Matzig nach Peking geschickt, wo er unter anderem das neue Flughafenterminal besichtigte, aber doch auch mit den Leuten über Tibet sprechen wollte. Vergeblich: "Die Vorsicht und die Stummheit der Menschen sind in Peking wie mit Händen zu greifen. All die weißen Tücher, die sich die Einwohner Pekings seit Jahren vor Mund und Nase klemmen, um sich im Dauerstau vor Staub und Gestank zu schützen: In diesen Tagen bekommen sie eine neue Bedeutung. Sie schützen offenbar auch davor, deutlich zu sprechen."

Weitere Artikel: Johannes Willms berichtet, dass die Pariser Buchmesse "Salon du Livre", die wegen ihres Israel-Schwerpunkts nicht nur von arabischen Ländern boykottiert wurde, sondern auch Drohungen ausgesetzt war, ohne Zwischenfälle zuende gegangen ist. Stephan Speicher schreibt anlassgemäß über "Transzendenz ohne Gewalttätigkeit" in Bachs Matthäus-Passion. Jens Bisky erinnert an Peter Hacks, der in diesen Tagen achtzig Jahre alt geworden wäre. Henning Klüver schreibt, dass die Camorra erneut den Schriftsteller Roberto Saviano ins Visier genommen hat, der seit der Veröffentlichung seines Mafia-Buchs "Gomorrha" unter Polizeischutz steht. Fritz Göttler freut sich über eine Bunuel-Restrospektive im Münchner Filmmuseum. Andrian Kreye schreibt über eine Lesung des amerikanischen Journalisten Jeremy Scahill aus seinem Bestseller "Blackwater" im Werkraum der Münchner Kammerspiele, (in der Kreye übrigens höchstselbst als Moderator fungierte). Fritz Göttler verabschiedet den belgischen Schrifsteller Hugo Claus, der am Mittwoch mit Hilfe von Sterbehelfern diese Welt verlassen hat. Florian Kessler gibt dem gestern verstorbenen Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke (der unter anderem auf der Basis einer seiner Kurzgeschichten das Drehbuch für Stanley Kubriks Filmklassiker "Odyssee im Weltall" schrieb) das letzte feuilletonistische Geleit.

Besprochen werden Roy Anderssons filmisches Panorama "Das Jüngste Gewitter" (für Rainer Gansera ein "faszinierendes Traumbilder-Panoptikum menschlicher Donquichotterie"), Hartmut Bitomskis Dokumentarfilm "Staub" (den Martina Knoben als "einen wunderbar freien, souveränen Film" feiert), Eric Vallettes "Tödlicher Anruf", Peter Hedges romantische Komödie "Dan - Mitten im Leben" mit Juliette Binoche, Youssef Chahines und Khaled Youssefs Film "Chaos", sowie Claus Guths und Simone Youngs Hamburger Neueinstudierung von Richard Wagners Oper "Rheingold" (die Wolfgang Schreiber freilich nur matt glänzen sah).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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