Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Von einer Riesin umklammert und zwangsernährt

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

22.03.2008. Die NZZ beobachtet: Der Niedergang Italiens manifestiert sich auch in einem konfusen Defätismus der Intellektuellen. Der Tagesspiegel kommt auf den Fall der türkischen Anwältin Eren Keskin zurück, die wegen eines Tagesspiegel-Interviews in der Türkei verurteilt wurde. Die SZ fragt: Warum sind so viele österreichische Filmregisseure so berühmt? Die Berliner Zeitung war dabei, als Andrzej Wajda seinen Film über "Katyn" in Moskau vorstellte. In Le Point ruft Bernard-Henri Levy zum Boykott der Olympiade auf.

Berliner Zeitung, 22.03.2008

Christian Esch war bei einem bewegenden Abend im Zentralen Haus des Literaten in Moskau zugegen, als Andrzej Wajda seinen Film über "Katyn" zeigte. Offiziell wird das Verbrechen an den 20.000 polnischen Offizieren nicht mehr geleugnet, schreibt Esch, es passt bloß schlecht in Russlands historisches Selbstverständnis: " Die im Zentralen Haus des Literaten Versammelten sind anderer Meinung. Es fließen Tränen. Hier will man historische Schuld zu Tage fördern und fühlen, und man tut das noch nicht so routiniert wie in Deutschland. Erst tritt der Filmregisseur Alexej Simonow auf und rezitiert Alexander Twardowskis Gedicht über die Schuld der Überlebenden, dann erhebt sich der Saal zum nunmehr dritten Mal für den hohen Gast, und schließlich bricht der alten Dissidentin Ljudmila Alexejewa ganz die Stimme. Die Hand auf Wajdas Hand gelegt, dankt sie ihm für die Scham über die Sowjetverbrechen, die er geschenkt habe - erst mit seinem Film 'Der Kanal' über den Warschauer Aufstand von 1944, dann mit diesem Film. Eine spontane Schweigeminute für die Opfer - zu denen auch Wajdas Vater zählt - folgt."

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Die Welt, 22.03.2008

Rolf Schneider geht in einem kurzen Artikel den Vorwürfen der Historikerin Ursula Hudson-Wiedemann gegen die Keramikkünstlerin Hedwig Bollhagen nach: Hat Bollhagen von der Arisierung des Hael-Werks der jüdischen Designerin Margarete Loebenstein profitiert? Nein, meint Schneider: "Die gewiss anstehende Rehabilitation von Margarete Loebenstein zu betreiben, indem man Hedwig Bollhagen ästhetisch denunziert, ist kein guter Stil." Eine sehr ausführliche Sendung im Deutschlandradio kam zu einem anderen Ergebnis. Hier das Manuskript als pdf-Dokument.


Weitere Artikel: Hendrik Werner geht zum 100. Geburtstag des italienischen Satirikers Giovannino Guareschis Spuren seiner Schöpfungen Don Camillo und Peppone in der Emilia Romagna nach. Thomas Lindemann unterhält sich mit dem Gitarristen von Aerosmith, Joe Perry, über Rockmusik in Videospielen. Hans-Günther Pflaum erinnert an den Filmregisseur Helmut Käutner, der in diesen Tagen hundert Jahre alt würde. Der Theologe Jens Schröter stellt österliche Glaubensfragen. Besprochen wird unter anderem die große Ausstellung mit Zeichnungen Matthias Grünewalds in Berlin.

Die literarische Welt bringt eine Ostererzählung von Uwe Johnson: "Das Schweigen von Jerichow."

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Die Tageszeitung, 22.03.2008

Heute gibt es - das dritte Mal in der Geschichte der Zeitung, erfahren wir - eine Interview-taz. Zum ausführlichen Gespräch wurden unter anderem gebeten die einstige Volksbühnen-Dramaturgin Stefanie Carp, der Soziologe Jean-Claude Kaufmann, die von RTL zum ZDF wechselnde Reporterin Antonia Rados, der Leiter des Bundeskanzleramts Thomas de Maiziere und der Schauspieler Martin Wuttke, der über seine neue Rolle als "Tatort"-Kommisar meint: "Mich hat das Serielle gereizt. Anders als in einem Spielfilm geht es bei der Serie nicht darum, eine Figur über eine geschlossene Geschichte zu erzählen. Dieser Kommissar wird immer wieder in ganz verschiedenen Situationen auftauchen, in denen man ihn vielleicht erst kennenlernt."


Besprochen werden Frank Castorfs Überblendung von Brechts "Maßnahme" mit Heiner Müllers "Mauser" an der Berliner Volksbühne und diverse CDs mit avantgardistischer Musik. Auf den Berlin-Seiten gibt es eine kleine Winterszene von Detlef Kuhlbrodt.

In der zweiten taz denkt Ulrich Fuchs grundsätzlich über Kapitalismus und Fußball nach - und zwar anlässlich des Retortenvereins TSG Hoffenheim, der jetzt, mit viel Geld von SAP-Milliardär Dietmar Hopp im Rücken, zum Sprung in die Erste Liga ansetzt.

Und schließlich gibt es noch ein Interview mit dem China-Korrespondenten Georg Blume über seine Arbeit und Ausweisung aus Tibet.

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 22.03.2008

Stefan Keim feiert die wortarme, choreografische Weimarer "Faust II"-Inszenierung Laurent Chetouanes als skulpturales Ereignis: "Faust und Mephisto kommen kaum noch vor in Chetouanes Inszenierung. Die Texte sind weitgehend frei verteilt, das Stück erscheint als das riesige Gedicht, das es ist. Das Publikum nimmt die Rolle von Faust und Mephisto ein und wandert durch eine absurde, faszinierende Welt voller Kriege, Mythen und wissenschaftlicher Hybris. Diese Aufführung ist mehr ein Essay als eine klassische Regiearbeit. Laurent Chetouane hat eine ganz eigene Theaterform entwickelt, die von den Zuschauern Offenheit, Konzentration und ein bisschen Leidensfähigkeit erfordert. Wer dazu bereit ist, erlebt einen großartigen Abend."


Weitere Artikel: In ihrer USA-Kolumne berichtet Marcia Pally, wie das Thema Rassismus jetzt doch noch in den Vorwahlkampf der Demokraten geriet. Christian Thomas widmet dem Athener Akropolismuseum, das jetzt in Berlin für sich Werbung machte, eine Times Mager.

Besprochen weren die neue "B 52"-CD "Funplex", das Musical "Miami Nights" in der Frankfurter Alten Oper, die Kasseler Ausstellung "König Lustik, Jerome Bonaparte und der Modellstaat Königreich Westphalen", und Claudia Maurer Zencks Buch "Cosi Fan Tutte" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Der Tagesspiegel, 22.03.2008

Zu einem halben Jahr Gefängnis ist die türkische Anwältin Eren Keskin verurteilt worden, die in einem Interview mit dem Tagesspiegel den zu großen Einfluss des Militärs auf den zivilen Staat kritisiert hatte. Lorenz Maroldt stellt klar: "Das Urteil gegen die Menschenrechtlerin Keskin ist, bei aller gerechten Empörung, kein Vergehen der türkischen Regierung oder gar der Türkei, sondern ein Skandal der dortigen Justiz. Das zu trennen, gehört zur Grundlage unseres rechtsstaatlichen Verständnisses und entspricht auch der Lage in der Türkei... Der Strafrechtsparagraf 301, auf den sich das Gericht bei der Verurteilung Eren Keskins bezog, soll das Türkentum schützen, aber auch die Kritik am Staat. Es ist also nicht die Türkei als solche das Problem, sondern deren Justiz, und auch nicht ein bestimmtes Gesetz, sondern dessen sinnwidrige Anwendung."

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Neue Zürcher Zeitung, 22.03.2008

Der viel beklagte Niedergang Italiens zeigt sich nicht nur in der Politik, sondern auch in den konfusen und defätistischen Haltung der Intellektuellen, die kaum noch etwas zum baldigen dritten Wahlsieg Berlusconis zu sagen wissen, berichtet Franz Haas. Ein Beispiel: "Giorgio Agamben kennt keine Parteien mehr und erklärt unter krausen philosophischen Verrenkungen, was 'meine und übrigens auch Foucaults Untersuchungen beweisen', dass heutzutage sowieso 'nicht mehr die Herrschaft, sondern die Regierung, nicht mehr Gott, sondern der Engel' das wahre Geheimnis seien. Auf die Frage, ob sich der Klerus nicht zu viel in die Politik einmische, antwortet er seinen verblüfften Interviewpartnern, dass das Gegenteil der Fall sei, dass sich die Kirche noch mehr gegen die 'tägliche Schmach, die Ungerechtigkeit und die Armut' einsetzen sollte."


Weitere Artikel: Marc Zitzmann geht neuen Informationen über die Todesumstände Antoine de Saint-Exuperys nach. Der irische Autor John Banville liefert eine feuilletonistische Antwort auf die offensichtlich in Serie gestellte Frage: "Was ist schweizerisch". Thomas David schreibt zum Tod des Schauspielers Paul Scofield. Und Thomas Leuchtenmüller schreibt zum Tod des Schriftstellers Arthur C. Clarke.

Besprochen werden Produktionen aus Wagners "Ring" in Salzburg und Hamburg und eine DVD-Box mit dem Oeuvre Jacques Rivettes.

Die Beilage Literatur und Kunst bringt eine Reihe von Erinnerungen mehr oder weniger bekannter Autoren an ihre Lehrer oder ihre eigene Lehrertätigkeit (hier Martin Meyers Editorial). Es schreiben zum Beispiel Bora Cosic (hier), David Albahari (hier), Peter Zumthor (hier), Peter von Matt (hier), Said (hier), Hermann Lübbe (hier), Andrea Köhler (hier), Angela Schader (hier), Andras Schiff (hier) und Georg Klein (hier).

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Die Presse, 22.03.2008

Martin Leidenfrost liefert einen sehr schönen Reisebericht aus dem Donbass in der östlichen Ukraine, der mit seinen Kohlegruben ein Herzland der Sowjetunion war. Unter anderem besucht er die Stadt Stachanow, bennant nach einen Rekordkumpel der Planerfüllung: "Ich frage im Umfeld des Roten Platzes weiter nach dem 'Museum der orangen Revolution'. Gelegentlich ernte ich einen misstrauischen Blick, manche schicken mich in andere Museen. Eine müde, alte Straßenkehrerin sieht mich nicht einmal an."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2008

Mark Siemons macht manipulative Berichterstattung westlicher Medien zum Thema Tibet aus, aber er beobachtet zugleich, dass "die chinesische Regierung danach nichts Eiligeres zu tun hatte, als das desaströse Urteil, das sich der Westen in diesem Fall vorauseilend von ihr gemacht hatte, nachträglich zu bestätigen. Mit einer martialischen Sprache ('Volkskrieg'), mit waffenklirrenden massiven Militäraufmärschen, mit kurzen Schauprozessen im Fernsehen, vor allem aber mit der rigorosen Medienabschottung liefert das Regime eine fast schon absurde Karikatur seiner selbst."


Weitere Artikel: Hubert Spiegel beteuert in der Leitglosse zum 200. Erscheinungsdatum des "Faust", dass Goethe uns noch viel zu sagen hat. Jürg Altwegg meldet, dass eine Gruppe französischer Intellektueller um Bernard-Henri Levy und Andre Glucksmann wegen Tibet zum Boykott der Olympiade aufruft. Jürgen Dollase besucht für seine Gastro-Kolumne das Restaurant Perbellini bei Verona. Gina Thomas schreibt zum 70. Geburtstag des Holocaustleugners David Irving. Eduard Beaucamp gratuliert dem Maler Klaus Fußmann zum ebensovielten.

Auf der Schallplatten-und-Phono-Seite geht's um die Wiederentdeckung der Matthäus-Passion des wegen seines Erfolgs unter den Nazis weithin geschnittenen Komponisten Ernst Pepping, um die Band Los Companeros und um den Elektrokünstler Sascha Funke. Auf der letzten Seite schreibt der Kirchenhistoriker Arnold Angenendt anlassbedingt über "Das Selbstopfer".

Besprochen werden eine Ausstellung mit den Zeichnungen Matthias Grünewalds in Berlin, eine von Frank Castorf besorgte Brecht- und Müller-Montage an der Berliner Volksbühne, erste Ereignisse der Salzburger Osterfestspiele, eine Ausstellung des Architekturvisionärs Yona Friedman in Frankfurt und ein Auftritt des Popsängers James Blunt in Köln.

Für Bilder und Zeiten hat die Tiermalerin Anita Albus einen sehr hübschen Text über die Findelvögel geschrieben, die sie in ihrem Landhaus bei Dijon mit mütterlicher Liebe aufzieht: "Man kann es fühlen, wenn man so einen Winzling in der Hand hält, wie wild sein kleines Herz pocht, und kann sich vorstellen, wie schrecklich es sein muss, von einer Riesin umklammert und zwangsernährt zu werden."

Außerdem porträtiert Wolfgang Schneider den Autor, Kabarettisten und Schauspieler Steffen Möller, der in einer polnischen Serie als deutscher Bauer berühmt wurde und nun auf dem deutschen Buchmarkt mit seinem Polenporträt "Viva Piolonia" Erfolge feiert. Verena Lueken erinnert an den Filmregisseur David Lean, der in diesen Tagen hundert würde. Auf der Literaturseite geht's um eine von Rudolf Borchart zusammengestellte und nun wieder herausgebrachte Anthologie mit Renaissance-Lyrik und um den neuen Roman von T.C. Boyle. Auf der letzten Seite unterhält sich Marco Schmidt mit dem Fimregisseur Milos Forman.

In der Frankfurter Anthologie stellt Sandra Kerschbaumer ein Gedicht Robert Gernhardts vor - "Kant:

Eines Tages geschah es Kant,
dass er keine Worte fand..."

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Weitere Medien, 22.03.2008

In Le Point ruft Bernard-Henri Levy zum Boykott der olympischen Spiele in Peking auf: "Die Olympiade, so hat man uns gesagt, hätte als quasi automatische Wirkung, das sich China zur Welt und also zur Demokratie öffnet. Den Chinesen, die wüssten, dass sie wie niemals unter Beobachtung stehen, würde es am Herz liegen, ein anständiges Bild von sich und ihrem Regime abzugeben. Nun, im Moment spielt sich genau das Gegenteil ab." (Mit etwas Glück wird die Kolumne morgen in der Sonntags-FAZ übersetzt sein.)

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Süddeutsche Zeitung, 22.03.2008

Wie es sein kann, dass die "Zwergenwirtschaft" der österreichischen Filmproduktion so viele international anerkannte Regisseurinnen und Regisseure - von Barbara Albert bis Michael Haneke und Ulrich Seidl - hervorbringt, fragt sich Susan Vahabzadeh: "Seidl verweist aufs literarische Erbe, 'ich habe vielleicht etwas mit Thomas Bernhard zu tun und Michael Haneke mit Elfriede Jelinek. Wir kehren in Österreich eben auch gern unter den Teppich.' Das Verhältnis zum Anschluss beispielsweise, Österreich als Opfer der Nazis. 'Vielleicht ist das so, dass in einer Gesellschaft, die zu verdecken versucht, in der Kunst ein besonderer Widerstand entsteht, der das in Frage stellen will. Druck erzeugt Gegendruck.'"


Weitere Artikel: Sonja Zekri informiert über erste "juristische Attacken" gegen die bislang noch unzensierte russische Internet- und Bloggerszene. Gar nicht recht sind der Staatsmacht solche Videos wie über einen betrunkenen Soldaten im Panzer. Gustav Seibt denkt darüber nach, was ein Klassiker ist und erinnert an den Ostertag des Jahres 1808, in dem Goethes "Faust I" erschien: "Seit Ostern 1808 ist Goethe der größte Schriftsteller der deutschen Literatur." Thomas Urban vermeldet die Empörung der polnischen recht über die nun unter dem Stichwort "Sichtbares Zeichen" beschlossene Dauerausstellung zur Vertreibung. Alexander Menden schreibt zum Tod des britischen Schauspielers Paul Scofield. Auf der Literaturseite finden sich Besprechungen unter anderem zu Deborah Eisenbergs Erzählungen "Rache der Dinosaurier" und Michael Wolffsohns Religionsvergleich "Juden und Christen - ungleiche Geschwister" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Besprochen werden Frank Castorfs Volksbühnen-Inszenierungen der linksradikalen Stücke "Mauser" von Heiner Müller und "Die Maßnahme" von Bertolt Brecht (Peter Laudenbach notiert: "Der Zynismus, mit dem Castorf vorführt, dass ihm inzwischen alles egal ist, hat etwas Abstoßendes"), Philipp Stölzls Baseler Inszenierung von Charles Gounods "Faust" und Jette Steckels Wiener Uraufführung von Philipp Löhles Stück ""Die Kaperer oder reiß nieder das Haus und erbaue ein Schiff".

Im Aufmacher der SZ am Wochenende rechnet Andreas Zielcke angesichts der aktuellen Weltmarktturbulenzen mit dem Kapitalismus ab. Christiane Wirtz stellt die Fotografin Vardi Kahana vor, die in einer gerade in einer Ausstellung das Leben ihrer Familie seit Auschwitz dokumentiert. Auf dem Obersalzberg hat Christian Mayer Heidi Klums Ehemann Seal getroffen. Auf der Historienseite geht es um deutsche Mystikerinnen, vorabgedruckt wird Wolfgang Hildesheimers 1960 für den Rundfunk geschriebene Erzählung "Hier stehe ich und kann nicht anders" und im Interview spricht der Musiker Holger Czukay ("Can") über "Lärm".

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Darling flüstert die Amsel

23.05.2013. Die Zeit klärt über die Legitimationskrise der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf. Im Freitag erzählt Terry Eagleton, wie es sich anfühlt, wenn man als letzter eine Mao-Jacke trägt. In der taz konstatiert der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz: "Obama ist ein Versager für mich." Die NZZ lässt sich von Matthias Lilienthal durch Beirut führen. Die SZ findet die Kritik der FAZ an Georg Baselitz ziemlich daneben. Alle Zeitungen erinnern an Sarah Kirsch - auch an ihre Liebeslyrik. Mehr lesen

Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes

22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen  bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen

In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb

21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen

Das nenne ich totalitär

18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Tagtäglich dem Leser zugemutet

17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen

Ist Gott jetzt zufrieden?

16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen

Samples der Oberflächenwelt

15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen

Filzhaltige Kunstzeichen

14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen

Es zeichnet sich der Morgenstern ab

13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen

Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht

11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen

Was öffentlich ist und was nicht

10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen

Hegemoniale Metaerzählung

08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen.  Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen  bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen

So sehr haben die Chefs Angst

07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen

Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung

06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald  zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen

Die Empörung ist eine europäische Sünde

04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen

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