Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

20.12.2003. Es weihnachtet gar extrem: Die Feuilletons bringen, in alphabetischer Reihenfolge, Weihnachtsgeschichten und -essays von Julia Francke, Sebastian Haffner, Judith Hermann, Alexander Osang, Georg M. Oswald und Ljudmila Ulitzkaja. Die FAZ erzählt eine ganz andere Weihnachtsgeschichte: die vom Buchhändler Amazon, der in fünf Jahren zum größten Buchhändler Deutschlands aufstieg. Und in der SZ schreibt die Verlegerstochter Franziska Augstein über die Verlegerswitwe Ulla Berkewicz.

NZZ, 20.12.2003

Die NZZ präsentiert Literatur und Kunst bereits im Weihnachtskleid. In der Beilage geht es ausschließlich um das vorweihnachtliche Thema des Wartens, wie Martin Meyer in einem einführenden Artikel erläutert. Es sind auch Texte zweier hochmögender deutscher Schriftstellerinnen dabei. Judith Hermann schreibt über das "seltene Glück des gemeinsamen Wartens". Der sehr schöne Anfang ihres Essays: "Von all den Dingen, die ich für mich als schwierig empfinde, gehört zu den schwierigsten das Entscheiden. Ich kann mich nicht entscheiden. Ich kann mich fast immer nicht entscheiden, und jetzt, indem ich hier sitze und gezwungen bin, über das Warten nachzudenken, denke ich, dass ich, weil ich mich nicht entscheiden kann, fast immerzu warte. Ich muss darauf warten, dass sich etwas ereignet, was das Entscheiden unnötig macht, dass das Leben, also der Zufall, also eine äußere, unbestimmbare Gewalt, für mich beschließt und über mich kommt, mich mit sich nimmt, mich unabänderlich einfügt, ein für alle Mal."

Auch Julia Franck setzt sich mit dem Thema auseinander, und sie erblickt im Warten offensichtlich den Keim ihrer schriftstellerischen Berufung: "Wann immer wir in unserer Kindheit auf etwas warten mussten, auf den Zug, einen Arzt oder den Schlaf, baten wir unsere Mutter um eine Geschichte. War sie vom Erfinden erschöpft, dachten wir uns selbst weitere aus und erzählten sie uns gegenseitig."

Weitere Artikel aus der Beilage: Thomas Macho erzählt unter dem Titel "Der lange Advent" eine kurze Geschichte des christlichen Wartens. Uwe Justus Wenzel schreibt über "zweierlei philosophische Erfahrung" des Wartens bei Adorno und Heidegger (und Kafka). Roman Bucheli verknüpft das Thema mit der Paris-Erfahrung bei Heinrich von Kleist, Robert Walser und Walter Benjamin. Angelika Overath und Manfred Koch fragen, wie das Fernsehen die Zeiterfahrung veränderte (und verweisen dabei auf "einen der schönsten Romane dieser Jahre", "Der Fernsehgast oder Wie ich lernte die Welt zu sehen" von Kurt Oesterle). Andrea Köhler stellt Versuche und Vermutungen über das Warten an. Andreas Maurer schreibt über das Warten im Kino. Alexandra Stäheli schildert, wie der "derridistische Keim des Aufschubs", den der Philosoph im Begriff der "Differance" niederlegte, im postmodernen Kino und hier besonders bei Peter Greenaway aufging. Stephan Krass verfasst einen Nachruf auf das Pausenzeichen.

Im Feuilleton greift Bernhard Rothen eine "wenig beachtete Kulturrevolution" auf, die Tatsache, dass Bibeln in "heutiger Sprache" immer weitere Verbreitung finden: "Es handelt sich dabei in aller Regel um vereinfachende Übersetzungen, die die Leser von den Wurzeln der theologischen Überlieferungen abschneiden." Roderick Hönig meldet, dass New Yorks neues Architekturzentrum in Greenwich Village eröffnet wurde. Marc Zitzmann schreibt zum hundertsten Geburtstag des Prix Goncourt. Besprochen werden eine Ausstellung des Malers Mariano Fortuny im Katalanischen Museum in Barcelona und Carl Maria von Webers "Freischütz" in Basel.

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FAZ, 20.12.2003

Hannes Hintermeier beschreibt in einem der langen Samstagessays den unwiderstehlichen Aufstieg von Amazon zum größten Buchhändler Deutschlands - fünf Jahre hat der Laden dafür gebraucht und dabei stets die von Hintermeier zitierte Devise des Gründers Jeff Bezos berücksichtigt: "We try to keep our heads down and be not disturbed." Und nun fragt Hintermeier: "Die kurze Geschichte von Amazon könnte man vor diesem Hintergrund als einen Fingerzeig aus der Zukunft lesen: Womöglich überholt sich der Gedanke, dass Einzelhandel - und gar der mit Büchern - eine unabänderliche Konstante des Wirtschaftslebens ... sein muss?"

Heinrich Wefing freut sich über zwei Gerichtsurteile in den USA, die auch den Gefangenen von Guantanamo Bay die in der Verfassung niedergelegten Rechte zugesteht - das FAZ.Net widmet diesem Sieg für den Rechtsstaat ein kleines Dossier. Christian Schwägerl stellt das Papier "Jenseits der Therapie" des amerikanischen Bioethikers Leon R. Kass vor, das neuartige, das Gedächtnis beeinflussende Mittel und ihre ethischen Risiken beschreibt. Dirk Schümer kommentiert den Umstand, dass die Italiener neuerdings ganz verrückt sind nach Weihnachtsmärkten - einer der wenigen Importe deutscher Lebensart. Joseph Hanimann resümiert die neue Kopftuchdebatte in Frankreich, die jetzt zu einem Gesetz gegen "ostensible" religiöse Symbole (auch das Kreuz und die Kippa) in der Schule führte und Frankreich in dem Verdacht bestärkte, es sei das Vaterland der Menschenrechte. Jordan Mejias konstatiert, dass unter dem Druck des größten Investors von Daniel Libeskinds Entwurf für den Turm am Ground Zero so gut wie gar nichts übriggeblieben ist (hier die FAZ-Bildergalerie zum Thema, hier die Bilder von Libeskinds ursprünglichem Entwurf). Wiebke Hüster gratuliert dem Tänzer Gert Reinholm zum Achtzigsten. Andreas Rossmann meldet, dass die hochgerühmte Freiburger Intendantin Amelie Niermeyer nun nach Düsseldorf ans Schauspielhaus berufen wurde. Jürg Altwegg liest Schweizer Zeitschriften, die sich mit dem Rechtspopulisten Christoph Blocher auseinandersetzen. Hannes Hintermeier meldet, dass der Ernst Klett Verlag den österreichischen Residenz Verlag kurz nach dem Erwerb schon wieder verkauft. Gerhard Rohde gratuliert Michael Hocks, dem Chef der Alten Oper in Frankfurt zum Sechzigsten.

In der ehemaligen Tiefdruckbeilage erinnert Marcel Atze an den Beginn des großen Auschwitz-Prozesses vor vierzig Jahren (unter anderem wird hier die ausführliche Berichterstattung des FAZ-Reporters Bernd Naumann gewürdigt).

Auf der Medienseite protokolliert Thomas Reinhold wehmütig eine der letzten Harald-Schmidt-Shows.

Auf der Schallplatten-und-Phono-Seite geht's um das Debüt Eric van Aros, des Sohns von Catarina Valente (Hörproben), "Weihnachtliche Fastmusik" vom Neorustikalen Jazzorchester und M.A. Numminen, um Tschaikowskys b-moll-Konzert mit dem "Mühelosigkeitschampion" (so Jürgen Kesting) Arcadi Volodos (Hörprobe) und um das erste Soloalbum von Tim Burgess von den "Charlatans" (Hörproben).

Die Literaturseite widmet sich zwei Bänden mit Dichtermärchen im Insel Verlag, Denis Johnsons Roman "Fiskadoro", einem Band mit jiddischen Geschichten bei dtv und dem Roman "Die Besucherin" der wiederzuentdeckenden irischen Dichterin Maeve Brennan.

Besprochen werden ferner Werner Schwabs Stück "Offene Gruben, offene Fenster" in Jennifer Minettis Inszenierung als Klangtheater in Frankfurt und der Film "Ich habe keine Angst" von Gabriele Salvatores.

In der Frankfurter Anthologie stellt Wolfgang Werth das Gedicht "Ein Lied hinterm Ofen zu singen" von Matthias Claudius vor:

"Der Winter ist ein rechter Mann,
Kernfest und auf die Dauer;
Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,
Und scheut nicht süß noch sauer..."

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FR, 20.12.2003

Zwei Helden der jüngeren Musikgeschichte begegnen sich im heutigen Feuilleton, einer, der's war und nie wieder sein wird und einer, der's je älter, je mehr wurde. Der eine ist Michael Jackson, dem nun der Prozess gemacht wird. Elke Buhr kommentiert: "Zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, so hatte Donna Haraway Anfang der Neunziger prophezeit, würde eine mythische Zeit anbrechen, in der wir alle Hybridwesen aus Mensch und Maschine wären. Nun ist das einundzwanzigste Jahrhundert angebrochen, und es scheint, als sei Jackson der Einzige, der ernst gemacht hat mit der künstlichen Verbesserung des Menschengeschlechtes: nur dass uns in dem zerstörten Puppengesicht vor Gericht nun das traurige Monster anblickt."

Und der andere ist Johnny Cash - auch eine seltsame Geschichte: "Wie kam es, dass ein amerikanischer Countrysänger von siebzig Jahren zum Konsenshelden wird unter Leuten, die den Konsens meiden wie Libertins die Korrektheit? Es ist eines der wunderlichsten Erfolgsmärchen der jüngeren Popgeschichte." Postum gibt es für Fans jetzt noch mal ein 5 CDs starkes Weihnachtsgeschenk, das Klaus Walter ausführlich bespricht, und zwar unter Berücksichtigung aller denkbaren Facetten des Mythos Cash.

Ein weiteres Mal rollt Ursula März die Umstände der Veröffentlichung des Anonyma-Bandes auf  (Rezensionen) und schlägt sich entschieden auf die Seite Jens Biskys, der auf die offenen Fragen aufmerksam machte (und den Schleier der Anonymität lüftete). Wie aus Müll Kunst wird, und zwar lustvoll, das demonstriert Gerd Rohling in einer Ausstellung in Berlin, die Ulrich Clewing besucht hat (hier mehr zu Rohling). Renee Zucker verabschiedet in ihrer Zimt-Kolumne das Bovril, ein Restaurant am Kudamm. Kurz gemeldet wird, dass Vorstand Peter Wilfert mit sofortiger Wirkung aus dem Eichborn-Verlag ausscheidet.

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TAZ, 20.12.2003

Wer von amerikanischer Kriegspolitik spricht, dürfte von Russland nicht schweigen, meint Mark Terkessidis. Und auch nicht von Deutschland, das seine Landesverteidigungsarmee für diverse Auslandskriege fit macht: "Während Putin von der 'Diktatur des Gesetzes' spricht, herrscht in den zerstörten Straßen von Tschetschenien die Diktatur der verschiedensten Art von Banditen: russische Geschäftemacher, korrupte Exnomenklatura, marodierende Truppen und lokale Kriminelle.Die Profiteure des latenten Kriegszustandes sitzen also nicht nur in Washington und Jerusalem, sondern auch in Berlin und Moskau. Und wer die einen kritisiert und die anderen schont, der beteiligt sich am Geschäft des Krieges."

Außerdem: Dieter Kammerer berichtet vom "Hochsicherheitstrakt Kino" und fragt, ob die strikten Maßnahmen gegen Raubkopierer der Filmindustrie wirklich helfen. "Ausgeklügelten Popschlossbarock" bietet die 5-CD-Box mit Musik von Scott Walker, der schwer damit beschäftigt ist, etwa alle zehn Jahre eine neue Platte mit "unverkaufbarem Gesamtkunstscheiß" zu machen - Harald Fricke porträtiert den Künstler. Im Kunstmuseum Wolfsburg hat Brigitte Werneburg Aufnahmen von Peter Keetmann aus dem Volkswagenwerk von 1953 gesehen.Von großem Theater um eine geplante und nun verhinderte Kresnik-Inszenierung im Bremer Dom berichtet Henning Bleyl.

In der tazzwei erinnert Philip Gessler an den Auschwitz-Prozess, der vor vierzig Jahren begann: "Der Potsdamer Historiker Julius Schoeps erkennt den Prozess als 'Zäsur' in der Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Im Nachhinein. Damals dagegen habe der Prozess seiner Erinnerung nach 'kaum Wirkung gezeitigt': Vielleicht, meint er, 'war die Zeit noch nicht reif'. Unzweifelhaft aber ist es seitdem nicht mehr möglich, Auschwitz zu leugnen. Eigentlich."

Das tazmag gibt sich im Dossier weihnachtlich. Barbara Bollwahn meditiert über Mistelzweige. Judith Luig macht sich Gedanken über das Helle und das Dunkle. Dazu noch eine ganze Menge Besprechungen: etwa von Raoul Schrotts Riesenroman "Tristan de Cunha", von John Griesemers Heidenreich-Gewinnler "Rausch", einem türkischen Krimi und einem neuen Standardwerk der Kapitalismuskritik (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Und noch TOM.

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Welt, 20.12.2003

Die Literarische Welt präsentiert eine Weihnachtsgeschichte von Ljudmila Ulitzkaja. Der Anfang: "Die Baracke, in der die Loschkarjows wohnten, hieß Haus drei und war teilweise zweigeschossig. Die Hälfte des Obergeschosses und die Treppe waren im Krieg verbrannt, aber nicht durch eine Bombe, sondern durch den Ofen. Seitdem gelangte man in den stehengebliebenen Teil des Obergeschosses über eine Leiter..."

Und auch Georg M. Oswald darf eine Weihnachtsgeschichte erzählen: "Ich hatte Franks Anruf nicht erwartet, schon gar nicht auf meinem Mobiltelefon, denn ich hatte ihm meine Nummer nie gegeben..."

Schließlich stellt Hans-Albrecht Koch Neuerscheinungen zu Herders 200. Todestag vor.


Stichwörter: Ljudmila Ulitzkaja

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Berliner Zeitung, 20.12.2003

Noch eine Weihnachtsgeschichte, diese ist von Alexander Osang. Anfang: "Sie fror. Er sah es aus den Augenwinkeln an der Art, wie sie die Schultern hochzog. Ihre Haare waren ein flatternder Schatten. Ihre Hände umklammerten ihre Knie. Sie fror, und sie würde es gleich sagen. Schmidt fuhr ein bisschen langsamer."

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SZ, 20.12.2003

Eine "sehr deutsche Geschichte von Innerlichkeit und Macht" schreibt Franziska Augstein auf der Seite - über Ulla Berkewicz, die neue Suhrkamp-Kultur der Kolportage und was die neue Hausherrin so plant: "Wie der Verlag aus den roten Zahlen herauskommen will, bleibt nach allen Gesprächen unverständlich. Ulla Berkewicz will auf die 'klare, elitäre Linie' setzen, 'einzelne Bestseller dürfen natürlich dabei sein'. Isabel Allende zum Beispiel - dies ist der einzige Autorenname, der während des Gespräches fällt. Der 'Wildwuchs' vergangener Jahre müsse gestutzt werden. Außerdem gebe es noch andere Pläne, über die könne sie aber nicht sprechen. Programmgeschäftsführer Rainer Weiss sagt: 'Ich weiß nicht, ob sich soviel ändern muss.' Dann fügt er an, man werde 'zwei oder drei' Hardcover-Bände im Jahr weniger produzieren. Insgesamt sei das Programm mit seinen 380 Titeln zu sehr 'in die Breite' gegangen. Ja, und der Umschlag der Taschenbuchreihe müsse neu gestaltet werden."

Bayern, du hast es besser? Von wegen, meint Ralf Hertel und warnt mit drastischen Worten vor den abzusehenden Folgen des Stoiberschen Spareifers auf kulturellem Gebiet: "So könnte es passieren, dass ein alteuropäisches Kulturzentrum wie die Kunst- und Universitätsstadt Würzburg auf diese Weise ihr Drei-Sparten-Theater verliert, also einen ganzen Kulturzweig, der auf eine 200-jährige lokale Geschichte zurückblickt, aus der Stadt verbannt - ein Verlust, der allenfalls mit der Auslöschung der Innenstadt im Krieg vergleichbar wäre."

Kurz kommentiert wird das Kopftuchverbot an französischen Schulen - die fundamentalistischen Muslim-Verbände raten den Schülerinnen jetzt, sich an katholischen Privatschulen anzumelden: da gelten die neuen Gesetze nicht. Nochmal Frankreich: Dort wird eifrig über die Reform der Schule diskutiert - im Gegensatz zu Deutschland, meint Jeanne Rubner.

Weitere Artikel: Der Historiker Peter Reichel (mehr hiererinnert an den Beginn des Auschwitz-Prozesses vor vierzig Jahren. Den heutigen Brief aus dem 20. Jahrhundert hat George Grosz an den Kunsthändler Alfred Flechtheim geschrieben. Jetzt auch in Farbe: die antike Skulptur in der Münchner Glyptothek - Reinhard J. Brembeck wähnt sich fast bei Benetton und ist beeindruckt.  Außerdem hat er in Basel eine Freischütz-Inszenierung gesehen. Jürgen Berger kommentiert Amelie Niermeyers Weggang vom Freiburger Theater nach Düsseldorf. Durch den "Zick-Zack-Parcours" einer Bonner Ausstellung zur Geschichte des deutsch-russischen Verhältnisses hat sich Sonja Zekri bewegt. Patti Smith war im Münchner Haus der Kunst - um dort eine Ausstellung über ihr Schaffen zu eröffnen, Tobias Kniebe war dabei. Till Briegleb berichtet vom Bremer Theaterskandälchen um die Kresnik-Inszenierung. Bedauert wird das Ende der "Search-Inside-the-Book-Funktion" bei Amazon.

Besprochen werden unter anderem ein Buch von Jean Amery über Film und Literatur und eines, das in italienischer Sprache den Waschzettel nobilitiert (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

In der Wochenend-Beilage wird ein Text aus dem Nachlass Sebastian Haffners vorabgedruckt- ein Text über den Weihnachtsmann: "Gewisse zweideutige Erlebnisse und Begegnungen, die ich späterhin mit dem Weihnachtsmann hatte, haben meine Beziehungen zu ihm so erschüttert und seine Gestalt in ein solches Zwielicht gerückt, dass ich, wenn man mich geradeheraus fragt, im ersten Augenblick nie ganz sicher bin, ob ich wirklich einmal an den Weihnachtsmann geglaubt habe." Claudia Fromme berichtet von einer Frau, die einem Dienstleistungsunternehmen vorsteht, das erotische Massagen für geistig Behinderte anbietet.  Jeanne Rubner war bei "American Girl" in New York: da gibt es Mode für Mädchen (auch im Netz!). Rainer Stephan feiert Ernst Bloch und das Prinzip Hoffnung. Liv Tyler ist, wie sie im Gespräch mit Tobias Kniebe bekundet, Papas größter Fan: "Ein toller Mann! Okay, vielleicht bin ich ein klein wenig voreingenommen - aber ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie ich mich fühle, wenn ich bei Dads Konzerten in der ersten Reihe stehe. Ich bin so stolz!"

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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