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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

22.12.2003. In der Zeit gesteht Isabelle Huppert ein "metaphysisches Gefühl des Versagens". In der FAZ wendet sich Günter Grass gegen die "eingeübte Spiegel-Häme", mit der über Walter Jens, Peter Wapnewski und Walter Höllerer hergezogen wird. Die NZZ verspürt auf dem Kreuzberg ein mediterranes Flair. Die FR kritisiert das französische Kopftuchverbot. Die taz bricht eine Lanze  für Zygmunt Haupt. Die SZ berichtet über eine grauenhafte Entdeckung in Wendländischen Öko-Archiven: Ökopapier hält nicht ewig!

Zeit | FAZ | NZZ | FR | TAZ | SZ

Zeit, 22.12.2003

Isabelle Huppert (mehr), die die Hauptrolle in Michael Hanekes neuem Film "Wolfzeit" (links) spielt, beschreibt in einem langen Interview ihr Credo: "... ich will mich um Gottes willen nicht beklagen. Wer könnte sich über ein derart komfortables Leben und so viele Privilegien beschwerden? Es geht eher um ein metaphysisches Gefühl des Versagens. Ein Unbefriedigtsein. Sobald man zufrieden, fett und selbstgerecht ist, ist man wahrscheinlich auch kein Künstler mehr, um dieses abscheuliche Wort auch einmal zu benutzen. Ein paar Schuldgefühle, ein bisschen Paranoia und ein paar prachtvolle Komplexe können sicher nichts schaden. Ich hadere, also bin ich. Ich traue mir nichts zu. Und gerade deshalb bin ich zu allem fähig."

Christian Kortmann erzählt, wie sich die Köche jetzt der Kunst und der Philosophie zuwenden, um beim Speisenden ein detournement du sens zu entwickeln, was wiederum zu großartigen clairvoyance-Erfahrungen beim Essen führen soll. Vorreiter dieses neuen Trends sind der katalanische Koch Ferran Adria (El Bulli) und die Pariser Agentur Enivrance, die ihre collections en imaginaire alimentaire kürzlich als Haute-Couture-Linie vorstellte: "Essbare Schals aus Pflanzenfasern gab es zu sehen sowie ein Kettenhemd, dessen Glieder aus unterschiedlichen Gemüsesorten bestehen. Man präsentierte feinste Stoffe, etwa Spulen mit Auberginenfäden, auf die Knoblauchperlen gefädelt werden können. Und auch Garnelen mit angenähten Ingwerborten wurde gesichtet ..."

Weitere Artikel: Im Aufmacher verkündet György Konrad (mehr) eine traurige Botschaft über das Exil: "Meisterwerke sind auch in sibirischen Holzhütten, Lagerbaracken, auf Gefängnispritschen oder während der Bombardierung unter einem Güterwaggon entstanden. Der großen Begabung kann keine Falle etwas anhaben, das mittelmäßige Talent dagegen verfängt sich darin." In der Leitglosse wirft Jens Jessen einen Blick aufs Fernsehprogramm und stellt fest: Der Weihnachtsmann "kommt jedes Jahr später im Advent, dafür allerdings zunehmend stärker bewaffnet". Shirin Sojitrawalla porträtiert den Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn, dessen Installation "Doppelgarage" zur Zeit in der Frankfurter Schirn zu sehen ist. Claudia Herstatt kündigt für 2004 drei neue Kunstmessen an: die Kunstmesse Hamburg, die art Karlsruhe und das ARTforum Wiesbaden. Und auf einer Doppelseite sehen wir einen Fotoroman in Schwarzweiß: Die Bilder zeigen eine Abendeinladung bei Unselds am 17. Dezember 1980. Zu Gast sind Helmut Schmidt, Elisabeth Borchers, Max Frisch "mit Begleiterin", Uwe Johnson, Wolfgang Koeppen, Adolf Muschg, Wolfgang Hildesheimer und Martin Walser, der die Fotos gemacht hat.

Besprochen werden eine Ausstellung mit Werken von Duccio di Buoninsegna in Siena ("Zum ersten Mal erblüht auf den Wangen die Farbigkeit wirklicher Haut", schwärmt Christoph Stölzl), die Fotoausstellung "Von Körpern und anderen Dingen" im Deutschen Historischen Museum Berlin ("eine geradezu perfide Peinlichkeit", findet Hanno Rauterberg, weil die Ausstellung jeden Unterschied zwischen früher Avantgarde und den Propagandabildern des Nazi-Regimes verwische), und die Ausstellung "Der Preis der Schönheit" zum  hundertsten Geburtstag der Wiener Werkstätte im Wiener MAK.

Im Aufmacher des Literaturteils rezensiert Ulrich Greiner die Weihnachtsgeschichte. Im Dossier untersucht Christian Schüle den Padre-Pio-Kult. Und im Wirtschaftsteil beschreiben Georg Blume und Uwe Jean Heuser, wie China "in den Kapitalismus rast".

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FAZ, 22.12.2003

Günter Grass wendet sich in einem Gespräch mit Wulf Segebrecht gegen die "eingeübte Spiegel-Häme", mit der die NSDAP-Mitgliedschaft von Walter Jens, Peter Wapnewski und seinem Freund Walter Höllerer dekuvriert wurde. Er erinnert daran, dass es neun Millionen PGs gegeben hat und bekennt auch seine eigene Empfänglichkeit für die Nazi-Ideologie in seiner Jugend: "Bei Kriegsende war ich zwar siebzehn Jahre alt, aber bis heute nagt an mir, dass ich als Fünfzehn-, Sechzehnjähriger nicht den hellen Blick gehabt habe, das Verbrecherische dieses Systems zu durchschauen. Ich kann nicht ausschließen, dass ich, wenn ich fünf Jahre älter gewesen wäre, wahrscheinlich auch irgend so einen Schrieb unterzeichnet hätte." Die zögernde Erinnerung Jens' und Wapnewskis erklärt Grass mit Scham: "Diese Dinge setzen sich fest und führen dann zu einer Scham, auch zu einem Bedürfnis, das zu verdecken, es nicht zu erwähnen sich selbst gegenüber." Grass wendet sich in dem Gespräch auch gegen ein Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin.

Zhou Derong erzählt in einer seiner hübschen Geschichten aus China, wie die Autorin Mu Zumei alias Li Li die chinesische Weblog-Adresse blogcn.com (funktioniert schlecht) mit ihren "Liebesbriefen vor dem Tod" ("Yi Qing Shu") zusammenbrechen ließ. Sina.com übernahm das Tagebuch, das fortan, 30 Millionen Besucher am Tag hatte: "Erstaunlich war, mit welcher Selbstverständlichkeit das Thema Sex in den 'Liebesbriefen' behandelt wird: nicht mehr als Tabubruch oder Emanzipation, sondern als lustvoll konsumierte Angelegenheit. Bei Fräulein Mu sind Männer so 'austauschbar wie Zigarettenmarken'. Über Liebe wird auch geredet, aber mehr ironisch als romantisch, und Männer, die Fräulein Mu zu retten versuchen, werden gnadenlos demaskiert, zunächst in ihrem Bett, dann in ihren 'Liebesbriefen'." Hier eine englischsprachige Seite über das Blog.

Weitere Artikel: Gerhard Stadelmaier beschuldigt seine Kollegen Helmut Schödel, Peter Michalzik und C. Bernd Sucher des "embedded criticism", weil sie über Theaterproduktionen in ihren Zeitungen geschrieben haben, an denen sie in irgendeiner Weise selbst beteiligt waren. Mark Siemons versucht im Aufmacher zu klären, "warum die Politik an Berater delegiert wird". Martin Kämpchen berichtet über den glücklichen Abschluss der Reisernte in Indien. Michael Grill erzählt, wie Daimler-Chrysler einen weithin leuchtenden Mercedes-Stern auf dem Hochhaus seiner Münchner Niederlassung durchsetzen will, obwohl solche Zeichen in der Stadt München nicht gestattet sind, und wie dem Konzern dabei von Ministerpräsident Stoiber geholfen wird. Und Andreas Rossmann meldet, dass die Stadt Köln gegenüber vom Dom ein Hochhaus bauen will, das mindestens genauso schön ist.

Auf der letzten Seite warnt Michael Gassmann: "Die Lage der Kirchenmusik ist ernster, als die Realisten glauben." Oliver Tolmein macht uns mit der britischen Gesetzgebung in bezug auf das Heiratsrecht von Transsexuellen vertraut. Und Hannes Hintermeier porträtiert den ehemaligen Ullstein- und heutigen Bonnier-Verleger Viktor Niemann, der nicht nur für Bonnier die Ullstein-Verlagsgruppe kaufte, sondern zum Unwillen vieler Verlagsmitarbeiter nun auch noch ihren Umzug nach Berlin beschloss.

Auf der Medienseite zitiert Souad Mekhennnet arabische Gerüchte, dass es sich bei dem neulich Festgenommenen gar nicht um Saddam Hussein handele. Und Christian Deutschmann stellt das Projekt "Berlin retour" des Regisseurs Moritz von Rappard vor, der auf Fahrten mit einer Panorama-S-Bahn in Berlin historische Rundfunksendungen über die Stadt abspielt.

Besprochen werden eine Ausstellung zum hundertsten Geburtstag der Wiener Werkstätten im Museum für Angewandte Kunst ebendort, Gerhart Hauptmanns "Einsame Menschen" und Thomas Bernhards "Der deutsche Mittagstisch" in Berlin, das Musical "Caroline, or Change" in New York, eine Ausstellung mit sowjetischen Architekturplänen in der Berliner ifa-Galerie, vier Einakter in Hommage an Werner Schwab am Burgtheater und Sachbücher, darunter Alain de Liberas "Denken im Mittelalter" über die Geburt des Intellektuellen, besprochen von Michael Borgolte. (siehe unsere Bücheschau ab 14 Uhr).

Wir verweisen außerdem auf einen Artikel Bernard-Henri Levys aus der Sonntags-FAZ (eine Übernahme seiner Kolumne aus Le point): "Das soll es gewesen sein? Diese tragische Figur, dieses fügsame und ängstliche Wesen, das brav vor dem amerikanischen Zahnarzt den Mund öffnet, schließt, die rechte Wange zeigt...?"

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NZZ, 22.12.2003

Claudia Schwartz berichtet aus dem gehätschelten Kreuzberg, "dem wilden Osten Westberlins, Sehnsuchtsort für Neuankömmlinge und Outlaws", das wieder ganz groß im Kommen ist, seit die Mieten in Mitte so gestiegen sind wie die Zahl der Kinder im Prenzlauer Berg. "Nicht nur Private, auch Unternehmer zieht es nach SO 36. Solche wie Olivier Laurent, der sein Lokal 'La Crapule' von der angesagten neuen Mitte in die Skalitzer Straße verlegt hat. Die Mieten im Trendbezirk seien unbezahlbar geworden, erklärt er, und die Atmosphäre in Kreuzberg sei freundlicher. Viele haben Heimweh nach dem Gebiet, das im Sommer mit den orientalischen Düften der türkischen Bäckereien ein mediterranes Flair verströmt. Man kennt sich in der Nachbarschaft."

Weiteres: Jürgen Dittrich war zu Besuch bei den Altmennoniten im kanadischen Ontario, deren Vorfahren Anfang des 18. Jahrhunderts aus der Schweiz vertrieben worden waren und die bekanntlich ein streng reglementiertes Leben führen. Besprochen werden Barbara Freys Inszenierung von Kleists "Amphitryon" im Theater Basel, Marcelo Pineyro Film über die Schreckensjahre der argentinischen Militärdiktatur  "Kamchatka" und eine Ausstellung in der Fondation Beyeler zu Mondrian und Malewitsch.

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Stichwörter: Fondation Beyeler

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FR, 22.12.2003

Frankreich befindet sich auf einem Irrweg, wenn es als neuen Höhepunkt des Kopftuchstreits nun offenkundige politische und religiöse Zeichen in der Schule verbieten will, meint Rudolf Walther, nachdem er die Entwicklung des Konflikts dargestellt hat. "Die Vorstellung, man könnte den sozialen Konflikt, in dem sich mehr als der Streit um ein Stück Stoff bündelt, durch juristische Normierung eindämmen, ist grotesk. Vielmehr wird dadurch ein Dauerstreit in die Institutionen hineingetragen. Wie und nach welchen Kriterien sollen Lehrer prüfen, ob ein Kreuz am Hals eines christlichen Mädchen ein normales oder ein großes, also offenkundiges und damit zu verbietendes Ausmaß hat? Und was ist, wenn sich christliche Schüler mit Fischen dekorieren, dem biblischen Symbol für die Gläubigen (Mt. 4, 19)? Kein Gesetzgeber kann den Übergang vom neutralen Zeichen zum 'prahlerisch-angeberischen' oder 'offenkundigen' stimmig definieren. Und wodurch zeichnen sich offenkundig politische Zeichen aus? Fallen Firmenlogos auf T-Shirts darunter oder erst der Kopf Che Guevaras oder des Papstes?"

Im Übrigen führt sich Peter Michalzik vor Augen, was die Freiburger Theaterintendantin Amelie Niermeyer, die 2006 nach Düsseldorf geht, so begehrt macht: Erfolg. Einen Toast auf die Stadt (Berlin) und ihre "Disparatheit" bringt Thomas Medicus in Times mager aus. Gemeldet wird, dass der Vorstand des Frankfurter Eichborn-Verlags Peter Wilfert nach nur einem Jahr das Handtuch wirft.

Auf der Medienseite verbreitet Peter Nonnenmacher, warum in Großbritannien nach dem Independent jetzt auch die ehrwürdige Times im Kompaktformat erscheinen will. Ulrike Kopetzky wartet auf das bald überfällige Gesetz zur Informationsfreiheit.

Besprochen werden zwei gekonnte Hauptmann-Inszenierungen von Michael Thalheimer in Berlin und Thomas Bischoff in Hannover, und Bücher, nämlich William A. Schabas' Studie zum völkerrechtlichen Umgang mit dem Genozid, ein Buch über die öffentliche Erinnerung an die Kriegsverbrechen in Deutschland, Italien und Japan sowie eine Untersuchung zur medizinischen Versorgung der Migranten (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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TAZ, 22.12.2003

Gerrit Bartels hat im Schreibheft einen polnischen Autor entdeckt, den er nun vor dem Schicksal des ewigen Geheimtipps bewahren will: Zygmunt Haupt ("Ring aus Papier") werde immerhin als "polnischer Proust" gehandelt. Bartels selbst bescheinigt dem Schreiben Haupts eine "flirrende Intensität", während Andrzej Stasiuk (mehr) es in seinem Beitrag im Heft als Feuer sieht, "das alles wirkliche Leben vernichtet, erfasst, in Rauch verwandelt und aus der Welt in die Literatur gehoben hat ? bewegungslos und dauerhafter als alle sichtbaren Dinge".

"Kartografie, wie vielleicht noch das Archiv und die Recherche, zählt zu den einflussreichsten künstlerischen Verfahren in der zeitgenössischen Kunstproduktion", erläutert Axel John Wieder an Hand zahlreicher Beispiele. Der Wunsch nach Verortung scheint allgegenwärtig, und Bedenken gibt es kaum. "Dass Karten unwahr sind, wäre dementsprechend weniger ein Problem, das zu lösen ist, als vielmehr eine Grundbedingung ihrer Existenz".

Sebastian Moll erinnern die Pläne für eine neues World Trade Center an das alte Babylon. Als Tagesthema stellt Uwe Rada Görlitz (mehr zur Stadtgeschichte) und Zgorzelec an der Neiße vor, wo sich der übliche deutsch-polnische Streit um die Geschichte am geplanten Lausitzmuseum entzündet hat. In der zweiten taz porträtiert Nadja Klinger die Anwältin von Abdelghani Mzoudi, angeklagt wegen Mithilfe zum Mord in 3000 Fällen am 11. September 2001. Reiner Wandler unterstellt dem neuen spanischen Nationalkatholizismus an den Schulen Franco-artige Züge. Ralph Bollmann hält die Absage von Christina Weiss an die Kulturstiftung der Länder für föderalismusbelebend.

Besprochen werden Wilfried Minks manchmal comedyhafte Ur-Inszenierung von David Lindemanns "Koala Lumpur" am Schauspielhaus Bochum und Katharina Hackers Roman über eine Holocaust-Überlebende "Eine Art Liebe".

Schließlich Tom.

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SZ, 22.12.2003

Arne Boecker berichtet aus dem Wendland, wo die Geschichte "atmet, weint und jauchzt" und sich nun die Vertreter von Gorleben-Archiv und Museum Wustrow streiten, wer die Deutungshoheit über die Atomproteste hat. "Meyer bekam zwölf Anti-Atom-Plakate aus der Frühzeit des Widerstands von einem früheren Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz. Außerdem konnte er eine junge Frau dafür gewinnen, im Museum Wustrow eine eigene Wand zu gestalten, die im vorvergangenen Jahr als 'Castor-Marie' Schlagzeilen gemacht hatte, weil sie sich 16 Stunden lang an der Schienenstrecke des Castorzuges festgekettet hatte. Einig sind sich beide Lager darin, dass 'Flugis', 'Spuckis' und 'Plakate' dringend sicher gestellt werden müssen: Holzgebleichtes Papier hält nicht ewig."

Weitere Artikel: Siegfried Stadler zeigt auf, wie Weihnachtslieder in der DDR auf naturwissenschaftlich-religionsneutralen Kurs gebracht wurden. Alexander Kissler notiert den Übergang vom Kultur- zum Weihnachtschristentum. Jörg Häntzschel trauert um den WTC-Entwurf (hier) von Daniel Libeskind, der nur verwässert und "zerpflückt" realisiert wird (hier). Sonja Zekri berichtet von Zweifeln an einer auch bald auf Deutsch erscheinenden Biografie einer angeblichen Mossad-Agentin. Stefan Koldehoff hofft auf einen Dammbruch im Umgang mit Beutekunst hierzulande. Fritz Göttler begrüßt die Entscheidung von Time, dieses Jahr den einfachen amerikanischen Soldaten zur Person des Jahres zu erklären. "tsr" amüsiert sich über Tippfehler von Johannes B. Kerner. Ijoma Mangold meldet die Entlassung des Eichborn-Vorstands Peter Wilfert nach einem Jahr.

Auf der Medienseite diskutiert Klaus Ott den Fall des Filmverleihers Michael Kömel, der das Leipziger Fußball-Stadion bauen oder alles verlieren könnte. Senta Krasser informiert uns über die Aufregung um zwei neue Pornokanäle auf Premiere.

Besprochen werden Gabriele Salvatores lustvoll-schrecklicher Film "Ich habe keine Angst", Wilfried Minks erstmalige Inszenierung von David Lindemanns "Koala Lumpur" in Bochum, eine Werkschau des Fotografen Gyula Halasz, genannt Brassai, in Wolfsburg, eine gelungene Übergangsausstellung zum Wunder des 17. Jahrhunderts im Amsterdamer Rijksmuseum, eine Ausstellung von "Biccherne" der Finanzbeamten des Renaissance-Siena im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst, und Bücher, darunter Jurij Mamlejews metaphysischer Roman "Die irrlichternde Zeit", neue Biografien über Helmut Schmidt, eine Neuübersetzung von Aristoteles' "Metaphysik" sowie der merkwürdige "Roman über Milo", herausgegeben von Dragi Bugarcic (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

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