Zoe Jenny

Ein schnelles Leben

Roman
Cover: Ein schnelles Leben
Aufbau Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783351029517
CD-ROM, 165 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Es ist das erstemal, dass Ayse auf eine Party gehen darf, und hier trifft sie Christian, zu dem sie sich gleich hingezogen fühlt. Die nächsten Tage kann Ayse nichts anderes tun, als von Christian zu träumen. Doch dann erfährt sie, dass er zu den Rechten gehört, zu jener Gruppe, mit der ihr Bruder Zafir sich prügelt. Als die beiden sich das nächste Mal wiedersehen geschehen Dinge, die beide nicht wollen...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2003

Kein Fünkchen Gnade kennt der Rezensent Burkhard Scherer mit diesem "Trivialromanchen" der für ihren Erstling "Das Blütenstaubzimmer" noch allseits gelobten Zoe Jenny. In keiner Zeile ohne Süffisanz wird die Handlung beschrieben, eine Möchtegern-Romeo-und-Julia-Geschichte im deutsch-türkischen Berliner Milieu, an der, glaubt man Scherer, hinten und vorne nichts stimmt. Es fängt damit an, dass frühmorgens senkrechte Kastanienschatten fallen, mit unendlich unwahrscheinlichen Begegnungszufällen weitergeht und mit der Wahl der Schultoilette als "Versteck" nicht aufhört. Neonazis kommen ins Spiel, das Ende begibt sich in einer lauschigen Waldhütte an der italienischen Grenze und alles bleibe lachhaft. Daran lässt der Rezensent keinen Zweifel. Ein freundliches Wort findet er nicht: das Verdikt "Bravo-Fotoromanze" ist jedenfalls kaum als Kompliment gedacht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.10.2002

Elke Buhr kann sich für dieses dritte Buch der Schweizer Autorin Zoe Jenny nicht erwärmen. Die moderne Romeo-und-Julia-Geschichte in Gestalt des türkischen Mädchens Ayse, die sich in den Deutschen Christian verliebt, der aber dummerweise mit einem rechtsextremen Skinhead befreundet ist, gerät, meint die Rezensentin, zu einer "chartkompatiblen Melange" aus jugendkulturellen Versatzstücken und "hochpathetischen Schicksalsklängen". Da nütze es auch nichts, dass die Autorin nicht nur Shakespeare, sondern auch die griechischen Klassiker kenne. Denn die im Buch zitierten "platonischen Hälften" hätten hier einfach nichts verloren. Peinlich seien auch die Anklänge an die Jugendsprache, die die Rezensentin überhaupt nicht authentisch findet. Im Fazit, so Buhr, bleibt nur festzuhalten, dass Jenny einem weit verbreiteten Typus in der Literatur, der Männerphantasie, eine eher seltene, die Mädchenphantasie, zur Seite stelle. Ob das aber ein Qualitätskriterium sein kann, wagt Buhr doch eher zu bezweifeln.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.09.2002

Nachdem das Romandebüt von Zoe Jenny, "Das Blütenstaubzimmer" von den Kritikern gefeiert wurde, wird ihr Zweitwerk "Ein schnelles Leben" diesen Erfolg wohl kaum erneuern, glaubt Burkhard Müller. "Schlimmer als ein Tatort", gar eine "Katastrophe" sei die Darstellung der Liebesbeziehung des ungleichen jungen Paars Ayse und Christian. Dem Verriss des Romans liege vor allem das mangelhafte Vermögen der Autorin zugrunde, ihre Charaktere zu formen und ihnen sprachlich Leben einzuhauchen. So kommen sinnlose Satzgliedkonstruktionen und lasche Figuren daher, die der Rezensent einfach nur müde belächeln kann. "Das Ganze ist so blass und so verkrampft, dass es nicht mal zu einem rechtschaffenden Stück Kitsch langt", findet der Autor und hofft, dass Zoe Jenny sich nicht auf die Schriftstellerkarriere versteift.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.09.2002

Der Versuch, den Beginn der Rezension im gleichen infantilen Ton zu schreiben, den Rezensent Jochen Jung in dem besprochenem Buch vorgefunden hat, lässt schon nichts gutes ahnen. Der Roman ist in seinen Augen nicht viel mehr als das, was in Form und Qualität im Tagebuch einer Pubertierenden geschrieben steht. Kein gutes Haar wird an der Geschichte gelassen, die sich um die Liebe zwischen der 16-jährigen Türkin Ayse und dem deutschen Jungen Christian dreht. Wenn vom Verlag ein Vergleich mit Romeo und Julia gezogen wird, muss sich Jung deutlich schützend vor Shakespeare stellen. "Wir haben es hier nämlich mit einer mit bescheidenen Mitteln erzählten, wie autistisch um sich selbst kreisenden Geschichte zu tun, die nichts anderes antreibt als die trivialen Muster, die ihr zugrunde liegen und die sie zugrunde richten." Sowohl die nicht ausgereifte Thematik von Türken und Rechtsradikalen, als auch ein allzu ausgereizter Zufall der Geschehnisse gehen Jung gegen den Strich. Man spürt den Schmerz, den er bei der Lektüre empfindet. Ein vernichtendes Urteil, wenn sich bei der Lektüre nichts als eine Mischung aus "Verzweiflung und Spottlust" einstellt: "Was zu viel ist, ist zu viel."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.08.2002

In ihrem mittlerweile dritten Roman greift die bisher hochgelobte Zoe Jenny den altbewährten Romeo-und-Julia-Stoff auf und verlegt das Liebesdrama in die triste Realität einer Plattenbausiedlung, in der sich die junge Türkin Aise und der in rechten Kreisen verkehrende Christian begegnen, erzählt Rezensent Kolja Mensing. Die Geschichte findet bei ihm nur äußerst verhaltenen Beifall: Von Zeit zu Zeit schramme die sprachliche Darstellung der zum Scheitern verurteilten Liebe die Grenze zum Kitsch. Mensing rechnet es dem Roman zwar an, dass den Leser das Ende "überraschend trifft", betrachtet dies jedoch als "eine Rettung in letzter Minute". Dem "großen, traurigen Gedanken" im Werk, der bereits die beiden Romanvorgänger auszeichnete, kann er nichts abgewinnen. Aises Überzeugung, dass Liebe nur zerstörerisch wirkt, arbeitet Jenny im neuen Roman "bis in die letzte Konsequenz aus", erklärt Mensing, doch schaffe sie es nicht, "mit ihrem scheinbar aufgesetzten Zeitkolorit" den Leser von der Notwendigkeit einer Neuauflage des Klassikers zu überzeugen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2002

Oje, die Lorbeeren für Zoe Jennys Debütroman "Das Blütenstaubzimmer" sind schnell verwelkt. Die Lektüre des neuen Romans war für die Rezensentin Sibylle Birrer offenbar eine einzige Qual! Inhaltlich sei er schwach, das Thema so ausgelutscht, dass man eigentlich nichts mehr damit anzufangen wisse, und von Erzähllogik keine Spur. Und das ist nur der Anfang von Birrers harscher Kritik. Es folgen zahlreiche weitere Punkte: verkrampft und misslungen widergegebene Jugendsprache, überflüssige Adjektive zuhauf, penetrante künstlerische Absichten. Das Fazit der Rezensentin: "schnell gelesen, schnell vergessen" - und das ist ihrer Ansicht nach das einzige, was man dem Roman zugute halten kann.
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