Zeugen aus der Todeszone

Das jüdische Sonderkommando in Auschwitz
Cover: Zeugen aus der Todeszone
zu Klampen Verlag, Lüneburg 2002
ISBN 9783934920248
Gebunden, 416 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Shlomo Venezia gehört zu den dem kleinen, heute noch lebenden Kreis der Häftlinge des jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau. In den Gaskammern dieses Vernichtungslagers ermordete die SS Hunderttausende Menschen. In Gang halten mussten die Todesfabrik jedoch hilflose Arbeitssklaven - die jüdischen Häftlingen des Sonderkommandos. Wie wurde der Massenmord in Auschwitz-Birkenau wirklich ausgeführt? Einige Überlebende des Sonderkommandos geben Antwort.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2003

Ein wichtiges Buch, urteilt Hanno Loewy, und nicht nur, weil es die "erste umfassende Darstellung" der Geschichte des Jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz ist - die Geschichte jener, die zum Assistenzdienst bei der industriellen Ermordung der Angehörigen ihres Volkes gezwungen waren, die sie in die Gaskammern führen und ihre Leichen verbrennen mussten. Die meisten Überlebenden des Kommandos, so Loewy, schwiegen nach 1945, fühlten sich als Aussätzige. Den drei Autoren dieses Buches sei es gelungen, viele der noch Lebenden zum Reden zu bewegen. Dabei wird die "gespenstische Apathie" spürbar, die sie umhüllt, aber auch, so Loewy, ihre Handlungsfähigkeit: Sie kämpften ums Überleben und initiierten den Häftlingsaufstand vom Oktober 1944. Das Verdienst dieses Buches ist für den Rezensenten, dass es nicht der Versuchung erliege, die Angehörigen des Sonderkommandos zu heroisieren, sondern stattdessen die Widersprüchlichkeit ihrer Lagerexistenz darstelle. Darüber hinaus räume es mit vielen Mythen über das Lager auf: "Es zeigt Auschwitz als ein Geschehen, dass sich jeder Eindeutigkeit entzieht. Auschwitz war keine klinische Todesfabrik, sondern ein Ort, an dem die Routine des Todes jeden Tag neu erfunden wurde."
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2003

Klaus A. Lankheit ist geschockt und beeindruckt von diesem Buch über die jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz. Ihre Aufgabe war es, "die letzten Habseligkeiten der Todgeweihten einzusammeln, die Gaskammern zu leeren, Goldplomben herauszureißen und die Leichen zu verbrennen". Einige Angehörige dieser Sonderkommandos überlebten, obwohl sie bei der SS "als unmittelbare Zeugen der 'Endlösung der Judenfrage' für gefährlich" galten. Die Befragung dieser Zeugen ist nach Meinung des Rezensenten das eigentlich herausragende an diesem Buch. Deshalb findet er es bedauerlich, dass man die Aussagen zum Teil "mühsam aus den Anmerkungen heraussuchen" muss. Trotzdem ist er beeindruckt von dieser Darstellung, die auf einer Recherche für eine Fernsehsendung basiert: "Die Rekonstruktion des unvorstellbaren Grauens gelingt den Autoren", so sein Fazit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2002

Mit "Zeugen aus der Todeszone" haben Eric Friedler, Barbara Siebert und Andreas Klilian die "erste detaillierte Darstellung" der Geschichte des Sonderkommandos in Auschwitz vorgelegt, berichtet Rezensent Jens Hoffman. Auf Grundlage von Interviews mit Überlebenden und Aufzeichnungen, die Häftlinge des Sonderkommandos vor ihrer Ermordung vergraben konnten, ist den Autoren nach Ansicht Hoffmans eine "außergewöhnlich präzise" Rekonstruktion der Ereignisse gelungen. Hoffmann hebt lobend hervor, dass die Autoren bei ihrer Dokumentation des Lebens der Sonderkommando-Häftlinge auch Beispiele von Verweigerung und Widerstand, die von der SS verschärften Differenzen zwischen den Gefangenen sowie das schwierige Verhältnis des allgemeinen Lagerwiderstands von Auschwitz und der Widerstandsgruppe des Sonderkommandos mit großer Sorgfalt darstellen. Allerdings können die Autoren nach Ansicht Hoffmanns nicht der Schwierigkeit entgehen, dass die vertrauten Begriffe an die damaligen Ereignisse oft nicht heranreichen, obwohl sie ihre Worte mit Bedacht gewählt haben.