Yves Bonnefoy

Die gebogenen Planken

Gedichte. Französisch - Deutsch
Cover: Die gebogenen Planken
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2004
ISBN 9783608936575
Gebunden, 231 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Friedhelm Kemp. "Poesie ist die Erfahrung dessen, was die Wörter überschreitet", hat Yves Bonnefoy einmal in einer berühmt gewordenen Wendung gesagt. Damit ist das Flüchtige, schwer Fassbare umrissen, das dieser Lyrik eignet - denn damit wird die Lyrik in ein unauflösliches Spannungsverhältnis zu sich selbst gebracht. Bonnefoys Lyrik wurde eine Schule des Sehens genannt, konzentriert auf die einfachen Dinge, die kostbare Momente reiner Präsenz hervorbringt. In diesem späten und bisher letzten Gedichtband treten liedhafte Strophen, Meditationen und rhapsodische Erörterungen zu Zyklen zusammen, in denen sich der Dichter erinnert, in denen er wiederaufgreift und so mit der eigenen Dichtung in einen Dialog tritt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2004

Rezensent Leopold Federmair schätzt den 1923 in Tours geborenen Dichter Yves Bonnefoy sehr. Bonnefoys Themen sind nicht die großen, unsagbaren Dinge, sondern die "chose simple", erklärt er. Dennoch wirkten die Gedichte oft "fremdartig": Bonnefoy verwende den jambischen Alexandriner "auf das Natürlichste", zugleich sind seine traumhaften Bilder dem Surrealismus verwandt. Mit jeder veränderten Konstellation ändere sich so auch die Bedeutung der Wörter. In "Die gebogenen Planken", dem letzten Gedichtband, "vereint Bonnefoy auf freie Weise liedhafte, of geradezu fröhlich gestimmte Gedichte mit allegorisierenden Versepen und recits in Prosa", schreibt Federmair. Die Übersetzung von Friedhelm Kemp scheint diese Stimmung allerdings nicht so recht zu transportieren. Kemp hat sich für eine Prosaübersetzung und "diskursives Analysieren" entschieden. Den Rezensenten überzeugt das nicht. Er hält es mit Bonnefoy, einem fleißigen Shakespeare-Übersetzer, der einst sein übersetzerisches Credo so formulierte: Es gelte, jenen "fundamentalen Rhythmus" zu finden, "der den Vers trägt und den Blick verändert, der daraufhin die Logik des Textes wie auch der Existenz gewahrt", zitiert unser Rezensent den Dichter.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2004

Yves Bonnefoys wunderbare Dichtungen bilden eine Welt, die jedes einzelne Gedicht zum Teil eines größeren Ganzen macht - deshalb, erläutert Harald Hartung, sind sie nicht leicht zugänglich. Das werde besonders deutlich, wenn man die hier versammelten Gedichte des fast 80-Jährigen mit seinem Frühwerk vergleicht, entstanden, als er gerade dem Nest der Surrealisten entflogen war. Damals entnahm er den Grabsteinen Worte vom Tod und umspielte sie mit Stimmen, die vom Leben sprachen. Die jüngeren Gedichte nun greifen auf die Kindheit zurück, nicht bekenntnishaft, sondern mit "großer Diskretion, großer Wahrheit". Und wieder und wieder stehen dem Dunkel der Lichtschein gegenüber, dem Ende ein Dennoch. "Der späte Bonnefoy hat zu einer strengen Heiterkeit gefunden", schreibt der Rezensent - der "erfahrene, unsentimentale Poet" preist das Leben: "Sie bleibe, diese Welt, dem Tod zum Trotz! Grau die Olive hart an ihrem Ast." Harald Hartung lädt - im Bund mit dem "kongenialen Übersetzer" Friedhelm Kemp - zum Pflücken ein.
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