m März 1912 erschien die erste Gedichtsammlung von Gottfried Benn als Lyrisches Flugblatt in Berlin unter dem Titel "Morgue und andere Gedichte". Der Zyklus machte den jungen Arzt über Nacht berühmt und gilt bis heute als Meilenstein moderner Lyrik. Die Bilder aus dem Leichenschauhaus und dem Sektionssaal riefen stürmische Proteste hervor. Georg Baselitz Werke entsprachen zu Beginn seiner Karriere ebenfalls nicht den gesellschaftlichen Werten und Normen. Seine "pandämonischen" Bilder lösten 1963 während seiner ersten Einzelausstellung in Berlin einen Skandal aus und wurden beschlagnahmt. Er war damals im selben Alter wie Gottfried Benn, als dieser seine Morgue-Gedichte schrieb.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2012
Friederike Reents begrüßt diese Neuausgabe der berüchtigten Morgue-Gedichte, in denen Gottfried Benn recht drastisch und ohne Rücksicht auf zarte Gemüter das menschliche Elend im Leichenschauhaus beschreibt. Lange, erzählt die Rezensentin, wurde Benn dafür verdammt, dass er mit dem Zyklus einem "wilden Ekel und geilen Grauen" Vorschub leiste, andere warfen ihm seine klinische Kälte vor oder sahen ihm einen Rausch-Künstler. Der vorliegende Band ist in Reents Augen gut geeignet, all die gültigen Erkenntnissen in der Benn-Rezeption noch einmal zu überdenken, denn sie erkennt in den Gedichten, die sie ebenso berührten wie verstörten, einen Zusammenhang zum Tod von Benns Mutter. Nur nicht klar wurde der Rezensentin, in welchem Zusammenhang Georg Baselitz' ebenfalls recht skandalträchtige Bilder zu den Gedichten stehen.
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