Herausgegeben von Gerhard Schuster und Lars Korten. Mit dieser Ausgabe liegt der Band "Gedichte", dessen Revision seit langem schon ein Desiderat war, in einer grundlegend überarbeiteten Fassung vor. Der Textbestand ist kritisch gesichtet und eine Reihe von zentralen Gedichten sind neu konstituiert worden. Jedes der Gedichte ist im Anhang mit Anmerkungen, genauen Datierungen zur Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte versehen, dem neuesten Forschungsstand entsprechend. Ein ausführliches, informatives Nachwort zeichnet die Entwicklung der lyrischen Produktion Rudolf Borchardts nach.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.11.2003
Burkhard Müller versucht eine Lanze für einen schwierigen Autor zu brechen, wobei "schwierig", gesteht Müller, ein schwacher Ausdruck sei. Dagegen bedeuteten "die Berge des Herzens beim späten Rilke einen Spaziergang". Müller liefert zahlreiche Textbeispiele, warum Borchardts Gedichte so schwer zu verstehen sind: das eine seien die ausgefeilten lyrischen Formen, derer sich Borchardt bediene, analysiert Müller; das andere aber sei die überkomplexe Syntax, die sich teilweise über zwanzig Zeilen spanne, den Sprachfluss störe und in zahlreiche "irrplaudernde Bäche" abgleite. Auf diese Weise durchbreche Borchardt die in seinen Augen "unselige Fesselung der Sprache an die Kommunikation", erläutert der Rezensent. Borchardts Weltbild sei düster, von einer anti-modernistischen Sichtweise geprägt, und doch zeugten seine Gedichte teilweise von einer blasphemischen Kühnheit, die auch antike oder mittelalterliche Literatur nicht verschone. Bei allen Widersprüchen war Borchardt ein kompromissloser Autor, wirbt Müller für Borchardt. Denn diese Kompromisslosigkeit habe einen hohen Preis, weiß er: völlige Einsamkeit für den Autor und größte Anstrengungen auf Seiten des Lesers, die Borchardt dafür bestimmt nicht lieben werden, schreibt Müller, aber ihm zumindest Achtung zollen sollten.
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